Auf der Mortadella über‘n See

von Redaktion

Metzger Hinz Schmid ist neues Ehrenmitglied des Chiemsee-Yacht-Clubs

Prien – Wenn im Chiemsee-Yacht-Club (CYC) über Beständigkeit, Leidenschaft und gelebte Vereinsgeschichte gesprochen wird, fällt ein Name unweigerlich: Hinz Schmid. Seit dem 17. Mai 1955 ist er Mitglied des Clubs. Nun wurde er im Rahmen der Jahresversammlung zum Ehrenmitglied ernannt.

Geprägt von
einer Seglerfamilie

Geboren am 2. Februar 1943 wuchs Hinz Schmid in einer segelbegeisterten Familie auf. Sein Vater, Richard Schmid, war nicht nur erfolgreicher Regattasegler, sondern auch langjähriges Vorstandsmitglied, Wettfahrtleiter und selbst Ehrenmitglied des CYC. Der Weg auf das Wasser war für den Sohn damit vorgezeichnet. Bereits in jungen Jahren sammelte er erste Regattaerfahrungen in der Piratenklasse und entwickelte sich schnell zu einem ambitionierten Segler. Seine seglerische Laufbahn führte ihn über verschiedene Bootsklassen. Nach Stationen als Vorschoter – unter anderem auf dem Starboot – etablierte sich Schmid im Finn-Dinghi und machte früh durch sportliche Erfolge auf sich aufmerksam. Mit dem Einstieg in die Soling-Klasse Mitte der 1970er-Jahre begann die prägende Phase seiner Karriere. Seine Yacht „Hotdog“, benannt mit einem Augenzwinkern auf seinen Beruf als Metzgermeister, wurde über Jahrzehnte zu einer festen Größe auf dem Chiemsee. Schmid gewann zahlreiche Regatten, darunter mehrfach den renommierten Omega-Cup.

Zu seinen größten Erfolgen zählen der Titel des deutschen Meisters sowie des österreichischen Staatsmeisters. Hinzu kommen zahlreiche Clubmeisterschaften und Podestplätze bei überregionalen Wettbewerben.

Was Schmid auszeichnete, war nicht nur sein sportlicher Ehrgeiz, sondern seine Vielseitigkeit. Er segelte in unterschiedlichsten Klassen – vom Drachen bis zum Schärenkreuzer – und nahm an Regatten im In- und Ausland teil, unter anderem vor Athen oder am Gardasee.

Auch als Bootsbauer machte er sich einen Namen. Mehrere Eigenkonstruktionen entstanden in Eigenregie, darunter die legendäre „Mortadella“, gebaut mit einfachen Materialien und großem Einfallsreichtum. Mit ihr war Schmid bis ins hohe Alter auf verschiedenen Revieren erfolgreich unterwegs.

Neben seinen sportlichen Aktivitäten engagierte sich Schmid über Jahrzehnte hinweg im Clubleben. Er wirkte in verschiedenen Gremien mit, unterstützte Veranstaltungen und war regelmäßig bei Regatten präsent – sei es als Teilnehmer oder als verlässlicher Berichterstatter im Clubjournal. Seine Beiträge, etwa zum „altbayerischen nautischen Wortschatz“, sind vielen Mitgliedern bis heute in Erinnerung geblieben: „Wenn‘s an Hoizwind hot, dann heißt es, es muss gepaddelt werden, a Loam Hackl ist der Anker und der Biag Mo der Vorschoter.“

Abseits des Segelsports prägte Schmid auch das Ortsbild von Prien. Als Metzgermeister war er über viele Jahre Inhaber der traditionsreichen Metzgerei Schmid in der Bahnhofstraße, die zu den bekannten Handwerksbetrieben im Ort zählte. Die Verbindung von Handwerk und Segelsport spiegelte sich nicht zuletzt in der Namensgebung seiner Boote wider.

Verdiente Ehrung
für ein Lebenswerk

Auch im sogenannten Ruhestand ist Schmid dem Club eng verbunden. Regelmäßig ist er auf dem Gelände anzutreffen – oft mit dem Fahrrad, mit Blick auf den See. Und selbst mit 83 Jahren ist er noch regelmäßig bei Abendregatten auf dem Wasser. Seine Haltung zum Segeln ist dabei unverändert schlicht geblieben. Oder, wie es Richard Brandl, selbst Ehrenmitglied, in seiner Laudatio zur Jahreshauptversammlung des Chiemsee Yacht Clubs treffend formulierte: „Er will ja nur segeln.“ Bereits 1997 wurde Schmid mit dem silbernen Ehrenzeichen des CYC ausgezeichnet, 2012 ehrte ihn die Gemeinde Prien für seine sportlichen Verdienste. Mit der Ernennung zum Ehrenmitglied würdigt der Chiemsee Yacht Club nun ein Lebenswerk, das weit über sportliche Erfolge hinausgeht. Es steht für jahrzehntelange Verbundenheit, für Engagement und für die gelebte Tradition eines Vereins, der ohne Persönlichkeiten wie Hinz Schmid nicht derselbe wäre.

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