Dramatische Rettungseinsätze am Berg

von Redaktion

Zum Staffelstart von „In höchster Not“ geben der Regisseur und Bergwachtler Einblick in ihre Arbeit

Chiemgau – Mit ihrer tatkräftigen Unterstützung bei der Brandkatastrophe am Saurüsselkopf nahe Ruhpolding haben die ehrenamtlichen Kräfte der Bergwacht in den vergangenen Tagen ihre besondere Expertise im alpinen Gelände unter Beweis gestellt. Der Brandeinsatz war auch Gesprächsthema bei einer Veranstaltung, die die Alpinspezialisten mit atemberaubenden Bildern bei gefährlichen Rettungseinsätzen im Hochgebirge zeigt.

Mit Drohnen
und Bodycams

Rund 150 Besucher aller Altersgruppen trafen sich beim Public Viewing zum Start der neuen Staffel der Doku-Serie „In höchster Not – Bergretter im Einsatz“ des Bayerischen Rundfunks im Lehmhaus des Campus St. Michael in Traunstein. Zusammen mit Moderator Dennis Maulbetsch vom Impact Hub stellten dort Regisseur Peter Hirsch aus München sowie Bereitschaftsleiter Stefan Eisenreich und Michael Kobek von der Bergwacht Traunstein die Arbeit der Rettungskräfte vor und gaben Einblick in die Dreharbeiten.

Knapp sieben Millionen Zuschauer haben die erste Staffel der Dokuserie gesehen, die die Firma „Timeline Production“ aus Bad Reichenhall bei echten Rettungseinsätzen gedreht hat. Zum Einsatz kamen dabei auch Drohnen und sogenannte Bodycams – Minikameras mit Weitwinkel, die direkt am Körper getragen werden. Mit ihnen wurden die Bergwachtler der Bereitschaften in Grainau nahe der Zugspitze und in Ramsau am Watzmann ausgerüstet. So konnten die Zuschauer hautnah und live bei zum Teil hochdramatischen echten Rettungseinsätzen dabei sein. In ergänzenden Interviews ordnen die Retter im Film Hintergründe und Besonderheiten der Einsätze ein. Stefan Eisenreich, der beruflich als Controller bei einer Bank und für die gemeinnützige Bürgerstiftung Traunsteiner Land arbeitet, kam vor 20 Jahren über einen Hochtourenkurs des Alpenvereins zur Bergwacht. Er berichtete vom Unterschied zwischen Ausbildungstraining und dem Einsatz in Extremsituationen, von vorausschauender Tourenplanung, steigenden Unfallzahlen am Berg, Spezialistenteams bei der Bergwacht und der Vereinbarkeit von ehrenamtlichen Rettungseinsätzen, Beruf und Privatleben.

Von der großen Resonanz auf die Bergretterserie des BR profitierte auch die Bereitschaft in Traunstein durch neue Interessenten. Die müssten vor der mehrjährigen Ausbildung bei einem Eignungstest im Klettern und Skifahren zeigen, ob sie die richtigen Voraussetzungen mitbringen, erläuterte Eisenreich. Michael Kobek gab in der Diskussion Einblick in die Freistellung von der Arbeit bei Rettungseinsätzen, zu Kostenfragen bei der Rettung am Berg und mit dem Hubschrauber, zur Verlässlichkeit von Wetter- und Touren-Apps und zu Fragen nach Frauen bei der Bergwacht. „Sie sind völlig gleichberechtigt, nur aktuell noch in der Minderzahl, aber es werden zum Glück immer mehr.“ Zur Frage nach dem möglichen Ärger über Unfälle kommentierte Kobek: „Als Bergwachtler haben wir die Unfallabsicherung und Rettung im Auge und bewerten das Geschehen nicht.“ Aus Sicht der Traunsteiner Bergretter trifft die Serie „In höchster Not“ die Schwierigkeiten, Herausforderungen und Strategiegespräche der echten Einsätze sehr authentisch. „Die Kollegen aus Grainau und Ramsau sind echte Vorbilder für Jung und Alt. Sie sind Beispiele für echte Kameradschaft und zeigen, was man bei der Bergrettung erreichen kann, wenn man zusammenhält“, sagte Kobek. In der neuen Staffel sind auch die Alpinretter aus Bad Reichenhall mit im Einsatz.

Herausforderungen
authentisch wiedergegeben

Regisseur Peter Hirsch gab Einblicke zu den Dreharbeiten. Das wichtigste Kapital sei Vertrauen gewesen. Dank der bergerfahrenen Kameraleute, die selbst für ihre Sicherheit verantwortlich gewesen seien, sehr guter technischer Vorbereitung und vieler Tage in den Bereitschaften „konnten wir Szenen von bisher einzigartiger Authentizität und Spannung festhalten“. Davon zeugte auch die Reaktion der Zuschauer beim Public Viewing in Traunstein. Gleich zum Auftakt der Staffel geraten die Bergretter an ihre körperlichen und mentalen Grenzen. Ein Einsatz am Höllentalgletscher mit Absturz in eine Gletscherspalte eskaliert innerhalb kürzester Zeit zu einem komplexen Großeinsatz mit aufziehendem Gewitter. Höchste Spannung verheißen auch die Folgen über eine nächtliche Rettungsaktion im Schneesturm bei eisigen Temperaturen, Einsätze bei großer Hitze und völliger Erschöpfung im Hochgebirge oder die aufwendige Rettung eines Hundes im unwegsamen Gelände.

Weitere Doppelfolgen sind jeweils am heutigen Mittwoch, 20., und 27. Mai in der ARD-Mediathek abrufbar.

Artikel 1 von 11