Grassau – „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, so eröffnete Bürgermeister Stefan Kattari die konstituierende Sitzung und erklärte, dass die feierliche Begrüßung der neuen Marktgemeinderäte wie auch die Verabschiedung der ausgeschiedenen Räte eine gute Tradition in Grassau sei. Deshalb wurde nicht der Sitzungssaal, sondern der Hefterkultursaal für die Sitzung gewählt. Zudem wurde die erste Sitzung musikalisch durch die Blechdachse, ein erfolgreiches Bläserquartett der Musikschule Grassau, umrahmt.
Rückblickend informierte Kattari, dass er drei sehr unterschiedliche konstituierende Sitzungen erlebt habe: die erste mit 19 Jahren als Gast, dann 2014 als frisch gewählter Gemeinderat und vor vielen Jahren als Bürgermeister unter Coronabedingungen. Heute freue er sich über einen vollen Saal und unbedeckte Gesichter zu sehen. Eine Gemeinde sei eine örtliche Gemeinschaft, nicht ausschließlich zweckorientiert, keine Firma, sondern eine Dorfgemeinschaft, die auf Verbundenheit ausgelegt sei. Diese besondere Verantwortung spüre man, so der Rathauschef.
Kattari betonte zugleich, dass nie vergessen werden dürfe, dass es sich bei den Räten um Menschen handele, mit ihren Erfahrungen, ihren sozialen Netzwerken, ihren Familien, ihrem Beruf und ihren Freundschaften. Als er vor zwölf Jahren überraschend zum Marktgemeinderat gewählt wurde, habe er das mit großer Dankbarkeit erfahren. Seither seien viele Freundschaften entstanden, und er habe gute Erfahrungen gemacht. Kattari sprach von Vertrauen untereinander, was eine Voraussetzung für kontroverse Diskussionen sei, von echten Lösungen und erklärte, dass es nicht nur Schwarz oder Weiß, Links oder Rechts gebe, vielmehr immer einen dritten und vierten Weg gebe. Als Freunde wurden somit die neuen Räte in alphabetischer Reihenfolge vereidigt. Für die SPD mit sieben Sitzen als stärkste Fraktion wurden Susanne Speckbacher, Dr. Ulrich Waweck, Marianna Herzinger und Silke Schwinghammer vereidigt. Fünf Plätze konnte die CSU für sich behaupten, darunter wurden vier Räte wiedergewählt. Lediglich Dr. Anton Sichler ist neu in den Marktgemeinderat eingetreten und wurde vereidigt. Ebenso stark ist die Fraktion der Freien Wählergemeinschaft, wobei vier der fünf Sitze neu besetzt wurden. Vereidigt wurden Sebastian Bosch, Michael Förg, Alexandra Gricks und Peter Zeisberger. Die Fraktion stellt mit Josef Grießenböck auch den zweiten Bürgermeister, der in der Sitzung neu gewählt wurde.
Die Allgemeine Einwohnerschaft tritt mit drei Sitzen im neuen Rat an. Markus Straßer und Sebastian Stephan wurden vereidigt und sind neu im Gremium.
Emotional wurde die Verabschiedung der elf Marktgemeinderäte, die aus dem Gremium ausgeschieden sind. Bürgermeister Stefan Kattari fand für alle sehr persönliche Worte. Achim Stümpfl (UGL), der vier Jahre im Gremium war und dem die Förderung der Kultur sehr am Herzen liegt, hätte er gerne länger im Gremium gehabt, weil die Kultur einen starken Fürsprecher brauche.
Katharina Schmuck (SPD) brachte ihre Kenntnisse als Architektin bei Bauangelegenheiten ein. An der Planung des „Haus für Kinder am Gänsbach“ sei sie maßgeblich beteiligt gewesen. Tobias Beck (AE) war ebenfalls sechs Jahre im Amt, zeigte sich stets den Menschen zugewandt und vertrat die Interessen der Familien.
Das Wissen in Personalangelegenheiten und die tiefgehende Einschätzung der Eignung einer Person, eingebracht von Franz Pletschacher (BP), ebenfalls eine Periode im Amt, habe er, Kattari, sehr geschätzt. Pletschacher sei Sitzungskönig, inhaltlich wie zeitlich sehr engagiert. Auf zwei Perioden, zwölf Jahre, kommt Hans Genghammer, und die Arbeit mit ihm habe er sehr geschätzt. Die oftmals abweichende Meinung habe dem Marktgemeinderat gutgetan und schärfte den Blick.
Dr. Winfried Drost (UGL) waren in den zwölf Jahren seiner Amtszeit Lösungen, die das Leben für Menschen verbessern, wichtig. Kattari schätzte die wissenschaftliche Herangehensweise und die tiefe Recherche, die Dr. Drost einbrachte. Auch Dr. August Trimpl gehörte dem Gremium ab 2014 an. Vor allem den Blick auf die Finanzen und die notwendige soziale Komponente habe er geschätzt, so Kattari. Der dritte Arzt im Bunde ist Dr. Ernst-Christoph Weindel, der 30 Jahre dem Gremium angehörte. Drei Bürgermeister habe Weidel neben sich gehabt.
Jedes Jahr aufs Neue den Haushalt aufstellen, immer wieder neue Kollegen, immer wieder dieselben Fragen und doch nie langweilig. Die langen Linien seien Olaf Gruß wichtig, die geschichtlichen Zusammenhänge. Bemerkenswert sei dessen Geduld und die soziale Ader in all den Jahren gewesen, so Kattari anerkennend.
24 Jahre im Marktgemeinderat, darunter zwölf Jahre dritter Bürgermeister, auf diese Zeit kann Manfred Huber (AE) zurückblicken. Kattari erklärte, dass man sich auf Manfred Huber immer habe verlassen können. Aussagen seien immer fundiert und bis zum Ende durchdacht gewesen.
Zur ehemaligen zweiten Bürgermeisterin Daniela Ludwig gewandt, meinte Kattari, dass das Leben immer wieder Überraschungen bereithalte. „Ich bin überzeugt, unsere Zusammenarbeit war gut für die Gemeinde“, so Kattari, der Daniela Ludwig nach sechs Jahren als zweite Bürgermeisterin verabschiedete.
In ihrem Rückblick holte Daniela Ludwig weit aus, erinnerte an ihre Wahl zur CSU-Ortsvorsitzenden, dann die Kommunalwahl 2014, in die sie erstmals gewählt wurde. In den Jahren hätten sich viele Freundschaften entwickelt. 2020 wurde sie wiedergewählt und zur zweiten Bürgermeisterin gewählt, was neben Familie und eigenem Unternehmen eine Herausforderung gewesen sei.
Der Bürgermeisterfluch habe sie im August 2020 getroffen, während Kattari im Urlaub war und in Grassau und Rottau Land unter war. Hochwassermanagement sei gefragt gewesen. „Es war eine sehr lehrreiche Zeit und ich bin daran gewachsen“, so Daniela Ludwig.
Mit Bürgermeister Kattari und dem dritten Bürgermeister Huber sei man ein gutes Team gewesen und habe auch viel gelacht. An die neuen Räte gewandt, meinte sie: „Es ist nicht alles Gold, was glänzt, und steht zu euren Entscheidungen.“ Ihrem Nachfolger Sepp Grießenböck wünschte sie alles Gute.
Neben einer Urkunde erhielten alle ausgeschiedenen Marktgemeinderäte ein blühendes Apfelbäumchen. Dieses soll immer an die gemeinsame Zeit im Gremium erinnern.