Kardinal Marx bei Jubiläumswallfahrt

von Redaktion

Trotz Starkregens hielten die Trachtenvereine des Chiemgau-Alpenverbandes an ihrer Tradition fest. Zur 74. Wallfahrt nach Raiten kam auch Kardinal Reinhard Marx, um mit den Gläubigen das 100. Jubiläum des Verbandes zu feiern.

Schleching – Zum 74. Mal pilgerten die Wallfahrer aus den 23 Trachtenvereinen des Chiemgau-Alpenverbandes an Christi Himmelfahrt, begleitet von Starkregengüssen, in einem langen Zug aus Unterwössen und einem Zug aus Schleching nach Raiten zur Wallfahrtskirche „Maria zu den sieben Linden“. Begrüßt wurden die Ankommenden von Kardinal Reinhard Marx und Pfarrer Martin Straßer. Die Schlechinger Böllerschützen gaben ihre Salutschüsse ab, bevor sich die Trachtler auf dem Kirchbichl verteilten. Die Raitner Dorfgemeinschaft hatte dort den geschmückten Außenaltar hergerichtet.

Der Vorstand des Chiemgau-Alpenverbandes, Thomas Hiendl, begrüßte die hohe Geistlichkeit, die Eminenz Kardinal Reinhard Marx, und sah es als Ehre an, dass er im 100. Jubiläumsjahr den Wallfahrtsgottesdienst mit den Trachtlern feierte. Von politischer Seite waren Andreas Danzer, Landrat aus Traunstein, und Otto Lederer, Landrat aus Rosenheim, anwesend. Stellvertretend für alle anwesenden Bürgermeister war Thomas Müllinger, Bürgermeister von Schleching, vor O

In seiner Ansprache an die Trachtler und Wallfahrer erinnerte Thomas Hiendl an das Jahr 1951, also vor 75 Jahren, als die ersten Chiemgauer Vereine mit ihren Trachtlern zur Maria zu den sieben Linden nach Raiten pilgerten. Gerade in dieser Zeit war die Dankbarkeit über das Kriegsende und die Heimkehr aus Krieg und Gefangenschaft sicher der höchste Antrieb für die Wallfahrt nach Raiten, gleichzeitig die Bitte, dass keine weiteren Kriege stattfinden.

„Der Dank ist auch nach 75 Jahren präsent wie damals. Lediglich der Grund für die Dankbarkeit ist heute oft ein anderer“, resümierte Thomas Hiendl. Er zitierte dann ein Gebet, das er vor vielen Jahren von Erich Hagner aus München erhalten hatte, bei dem es ebenfalls um tiefe Dankbarkeit geht, und meinte: „Seien wir dankbar für 100 Jahre Chiemgau-Alpenverband mit allen Höhen und Tiefen, die uns gestärkt haben.“ Er zählte noch viele weitere Möglichkeiten auf, dankbar zu sein, besonders für die starke Gemeinschaft der Trachtler, die auch das wertvolle Gut von Tracht und Brauchtum für die Nachkommen erhalten.

Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, bekannte, dass er an diesem Platz noch nie gewesen war, nun aber beeindruckt sei von der Kirche sowie der Geschichte und Tradition dieser Wallfahrt. Er freute sich, gemeinsam die Heilige Messe mit den Trachtlern zu feiern, und nahm den Gedanken der „Dankbarkeit“ auf. Er fühle sich hier daheim – obwohl jeder an seiner Sprache hören könne, dass er nicht aus Bayern komme. Er sei innerlich mit großer Freude dabei, in einem Land zu sein, wo Tradition so lebendig gehalten werde. Er fragte sich, woher das Besondere hier komme. Als er die – auch jungen – Trachtler den Rosenkranz betend den Berg heraufkommen sah, sei es der christliche Glaube, der sich über das Leben mit einem ganz besonderen Glanz lege. Der Kardinal meinte, über der Schöpfung liege Glanz, auch im Alltag und in der Musik, und er sei dankbar für dieses Zeugnis.

Auch zog der Kardinal die „Hoffnung“ als weitere Komponente heran, die nach der Vielfalt der Ostererfahrung im Zentrum stehe. Er sah als zentrale Botschaft den Satz Gottes: „Ich bin bei euch, alle Tage bis zum Ende der Welt.“ Mit dem Blick zum Himmel und dem Starkregen meinte Kardinal Marx: „Bei schönem Wetter kann jeder wallfahren.“ Am Ende des Gottesdienstes segnete der Erzbischof die renovierte Gaustandarte. Als Geschenk überreichte ihm Thomas Hiendl die 100-jährige Gauchronik.

Die Wallfahrtsmesse wurde musikalisch feierlich begleitet von den Schlechinger Sängern und Rudi Ritter an der Zither sowie von der Schlechinger Musikkapelle unter Leitung ihres Dirigenten Walter Reisenauer. Oben auf dem Kirchbichl standen die Schlechinger Alphornbläser und schickten ihre Töne über die Köpfe der Gläubigen in den Himmel. Die Raitner Dorfgemeinschaft hatte den Freialtar aufgebaut und die Organisation übernommen. Thomas Hiendl bedankte sich am Schluss bei den vielen Akteuren, die zum guten Gelingen der Wallfahrt beigetragen haben. Kardinal Marx spendete den Segen, die Böllerschützen gaben ihren Ehrensalut.

Gemeinsam sangen die Gläubigen „Großer Gott, wir loben Dich“, die vielen Trachtenfahnen wurden erhoben und die Glocken der Kirche klangen zu dem feierlichen Moment. Mit dem Psalm 130 gedachten die Geistlichkeit und die Besucher den Verstorbenen und im Krieg Gefallenen am Soldatenkreuz. Die Feier klang mit der Bayernhymne aus. Zum Ausklang der Wallfahrt saßen die Trachtler bei Musik, Speis und Trank beim Raitner Wirt gemütlich beisammen.

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