„Die Seele der Region bleibt das Ehrenamt“

von Redaktion

Zwei Vereine, zwei Jubiläen, ein gemeinsames Fest: Mit einem großen Festzug und einem festlichen Feldgottesdienst feierten die Musikkapelle und die Feuerwehr Bergen am gestrigen Sonntag den Abschluss einer ganz besonderen Festwoche.

Bergen – Zum Höhepunkt der Feier der Jubiläen der Feuerwehr und der Musikapelle Bergen zeigte sich der bayerische Himmel am gestrigen Festsonntag weiß und blau und verwöhnte die Festbesucher teilweise sogar mit Sonnenschein. Stolz können die Jubelvereine zurückblicken, die Feuerwehr Bergen auf ihr 155. Gründungsfest und die Musikkapelle Bergen auf ihren 150. Geburtstag. Denn: Schön war’s. Den gelungenen Abschluss bildeten gestern Kirchenzug, Festgottesdienst und der anschließende Festzug.

Viele Schaulustige
am Wegesrand

Nach der musikalischen Begrüßung der zahlreichen Feuerwehren und Musikkapellen aus der ganzen Region formierten sich die Gruppen am Morgen zum Kirchenzug, der knapp zwei Kilometer bis zum Kurpark führte. Viele Schaulustige säumten den Weg. Selten kann ein solch musikalischer Festzug genossen werden. Schließlich beteiligten sich knapp 20 Musikkapellen und Jugendkapellen.

Der Gartenbauverein, der schon im Festzelt für die Dekoration sorgte, gestaltete auch den Musikpavillon für den Festgottesdienst. Für die rund 2.000 Festteilnehmer war ausreichend Platz im schönen und schattigen Kurpark. Pater Andrei Mirt hielt die Festpredigt, die Musikkapelle Bergen übernahm die musikalische Gestaltung.

Hinter Jubiläen steht
Herzblut über Generationen

155 Jahre Feuerwehr und 150 Jahre Musikkapelle seien nicht nur Zahlen, dahinter stehen Generationen von Menschen, die mit Herzblut in ihren Vereinen waren, so Pater Andrei. Musikkapelle wie Feuerwehr prägten das dörfliche Leben und sorgten für Sicherheit und gute Stimmung, so der Pater. Zwei Vereine, zwei Jubiläen, ein gemeinsames Fest – der Pater stellte im Gottesdienst die Frage, was beide Vereine eint. Und gab die Antwort gleich selbst: In beiden Vereinen funktioniert nichts, wenn nicht aufeinander gehört werde. Er verglich das Fest mit der Hochzeit zu Kanaan, bei der der Wein ausging, und er fragte, wie es wohl gewesen wäre, wenn bereits am Donnerstag das Bier ausgegangen wäre. „Wasser ist grundsätzlich nichts Schlechtes, aber bekommt seinen Sinn erst in der Brauerei“, so witzelte der Pfarrer. Genau da geschehe in Kanaan das Wunder, als Jesus Wasser zu Wein verwandelt. Der Pater betonte, dass der Glaube nicht die Freude am Feiern nehmen wolle, im Gegenteil, Jesus beim Feiern sogar mittendrin war. Gute Blasmusik bringe die Menschen zusammen, sagte Pater Andrei, sie schenke Lebensfreude und das seit nunmehr 150 Jahren in Bergen. Die Feuerwehr betreffend sagte er, wenn der Alarm losgehe, werde nicht diskutiert, sondern gehandelt. Das verlange Mut, Disziplin, Opferbereitschaft und sei gelebte Nächstenliebe.

„Die Seele unserer Region bleibt das Ehrenamt“, betonte Bundestagsabgeordneter Siegfried Walch in seiner Rede und gratulierte als Schirmherr der Feuerwehr zum großartigen Jubiläum. Ohne Musik, Kultur, Brauchtum werde kein Fest gelingen, hob Walch auch die Bedeutung der Musikkapelle hervor. Die Feuerwehren seien da, wenn man sie braucht, wenn es brennt. Bei Katastrophen und Großschadensereignissen sehe man, wie alle zusammen helfen. Man solle daran denken, wie wertvoll es ist, diese Sicherheit zu spüren.

Ein Lob für Gemeinschaft und Zusammenhalt

Der ehemalige Bürgermeister Stefan Schneider, Schirmherr der Musikkapelle, hob die Freundschaft der beiden Vereine hervor, die gemeinsam das Fest organisierten. „Es wurde in den letzten zehn Tagen, vom Beginn der Zeltaufbauarbeiten bis zum heutigen Tage gewaltig gearbeitet“, lobte Schneider. Alle hätten zusammengeholfen, damit gemeinsam gefeiert werden kann. Auch Bürgermeister Andreas Schultes betonte, dass es keine Selbstverständlichkeit sei, eine aktive Feuerwehr zu haben. „Bei uns ist die Welt noch in Ordnung“, lobte er auch in Bezug auf die Jugendfeuerwehr und die erst vor einem Jahr gegründete Kinderfeuerwehr. Zudem betonte er, dass die Musikkapelle seit 155 Jahren für Brauchtum, Kultur und Gemeinschaft stehe – ohne sie würde es keine gemeindlichen wie kirchlichen Feste geben. Darüber hinaus sei die Kapelle auch Botschafter für Bergen. Kreisbrandrat Christof Grundner dankte den Kapellen für ihren Einsatz für die Feuerwehren. Er wünschte beiden Vereinen Kraft für die Herausforderungen der Zukunft. Der Bezirksmusikvorsitzende des Chiem- und Rupertigaus, Thomas Egger, würdigte ebenfalls das Doppeljubiläum, das drei Jahrhunderte gelebte Tradition spiegele.

Mit der Bayernhymne endete der Festgottesdienst und der große Festzug durch die Gemeinde konnte starten. Wie schon beim Kirchenzug waren wieder viele Musikkapellen und Feuerwehren dabei. Doch dieses Mal gingen auch die Bergener Ortsvereine mit, zudem gab es einige Kutschen, darunter die Festkutsche mit Bundestagsabgeordnetem Siegfried Walch, Landtagsabgeordnetem Konrad Baur und weiteren Ehrengästen. Auch die Geistlichkeit teilte sich eine Kutsche. Zum Ende des Zuges wurde es laut, denn dann durften sich auch die Oldtimer-Feuerwehrfahrzeuge, die einige Wehren mitbrachten, dem Zug anschließen. Durch den Ort führte der Zug zurück zum Festzelt. Hier klang das Fest gemütlich aus.

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