Personalmangel am Beckenrand

von Redaktion

Wegen akuten Personalmangels bleibt das Bernamare in Bernau während der Pfingstferien geschlossen. Auch das Prienavera kämpft mit Engpässen. Die Suche nach Fachkräften für die Bäder gestaltet sich in der Region zunehmend schwierig. Warum der Beruf der Badeaufsicht so schwer zu besetzen ist und welche Lösungen es gibt.

Bernau Die Öffnungszeiten des Bernamare waren zuletzt häufiger im Newsletter der Gemeinde ein Thema. In den Osterferien war das Bernauer Hallenbad nur über die Feiertage geöffnet. Auch zuvor musste es schon geschlossen bleiben. Und auch in den Pfingstferien gibt es keinen öffentlichen Badebetrieb. Zwar entspanne sich die Situation allmählich, wie Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber im Gespräch vor dem Eingang erklärt, aber so kurzfristig sei eine Öffnung aus unterschiedlichen Gründen nicht machbar.

„Die Leute
sind traurig“

Zwar sind Schulklassen, Vereine und Seniorenschwimmen von der anstehenden Schließung nicht betroffen, die Sauna und der reguläre Badebetrieb aber schon. „Die Leute sind traurig, das merken wir schon“, sagt Biebl-Daiber, denn das Bad werde gut angenommen, gerade von Familien. Aktuell sind nur zwei Fachangestellte für Bäderbetriebe bei der Gemeinde angestellt – eigentlich sollten es vier sein. Denn auch wenn das Bad geschlossen ist, müsse immer eine Fachkraft da sein und nach der Technik und den Wasserwerten schauen.

Deshalb muss das Bad in den anstehenden Pfingstferien auch geschlossen werden, da beide verbleibenden Badeaufsichten Urlaub mit ihren Kindern machen und die Bürgermeisterin ihnen diesen auch gönnen möchte. Die neuen Fachkräfte waren laut Biebl-Daiber kurzfristig nicht einsetzbar, da sie noch Kündigungsfristen haben. Aktuell „schaut‘s gut aus“, dass ab der Herbstsaison alles wieder wie gewünscht laufe, so die Bürgermeisterin.

In der Woche nach den Pfingstferien ist das Bernamare ganz normal geöffnet, ab dem 15. Juni ist das Bad drei Wochen geschlossen – Revision. Je nach Wetter wechselt das Hallenbad-Team dann Anfang Juli ans Strandbad und übernimmt dort die Badeaufsicht.

Warum werden Fachkräfte auch in diesem Bereich so dringend gesucht? Biebl-Daiber, die bei allen Bewerbungsgesprächen dabei ist, sagt dazu: „Es gibt kaum mehr Fachkräfte, die Bäderfachkraft gelernt haben.“ Grundvoraussetzung dafür ist der Silberne Rettungsschwimmer. Dazu müsse die Bereitschaft da sein, auch am Wochenende und im Schichtmodell zu arbeiten. „Unsere Badeaufsicht muss auch das Bad sauber halten“, fügt die Rathauschefin hinzu. „Das heißt, die sitzen nicht nur am Beckenrand, sondern sind für alles verantwortlich.“

Schwitzen
ohne Schnickschnack

Zum Ende des Gesprächs mit der Bürgermeisterin – draußen herrscht trübes Wetter – möchte ein Mann ins Bad und die Sauna nutzen. Er beklagt sich bei Biebl-Daiber über die unregelmäßigen Öffnungszeiten. Sie verweist auf Newsletter und Webseite, wo alles regelmäßig aktualisiert wird. Er komme aus München, habe eine Ferienwohnung in Bernau. „Ich gehe gerne hierher, weil es einfach gemütlich ist. Es ist keine Supersauna mit allem Schnickschnack, sondern hier kann man in Ruhe schwitzen und hat seine Ruhe.“ Trotz Erklärung der Bürgermeisterin kann er die Situation nicht komplett nachvollziehen und verweist noch darauf, dass früher die Sauna auch im Sommer geöffnet war. „Dann wäre unsere Personallage noch schlechter. Seit einem Grundsatzurteil müssen wir auch den Strandabschnitt am Chiemsee beaufsichtigen“, so Biebl-Daiber.

Der Senior merkt an, man solle die Leute einfach ausreichend bezahlen. „Wir bezahlen nach Tarif für den Öffentlichen Dienst“, lautet die Antwort der Bürgermeisterin. Sollte es im Sommer eine Schlechtwetterperiode geben, gibt es die Option, das Hallenbad kurzfristig zu öffnen. „Für die Schulen muss ohnehin einer da sein, das Bad wird am Laufen gehalten.“

Personalmangel auch
in Prien spürbar

Finanziell geht der Gemeinde durch die Schließung des Bades kaum bis nichts verloren. Das Bernamare mache jährlich eine knappe halbe Million Euro Verlust. Die Einnahmen liegen bei Weitem nicht da, wo sie liegen müssten. Fehlende Personalkosten würden die fehlenden Eintrittspreise quasi aufheben. Biebl-Daiber: „Das hält sich so ganz gut die Waage.“

Kooperation mit
anderen Gemeinden

Ein Blick in die Nachbargemeinde Prien: Wie sieht die Personalsituation im Prienavera aus? „Der Fachkräftemangel ist auch bei uns deutlich spürbar“, erklärt Dirk Schröder, Geschäftsführer der Chiemsee Marina, zu der das Prienavera gehört. Eine Schließung sei die allerletzte Option, das Prienavera ist auch deutlich größer als das Bernamare. Fünf Fachangestellte für Bäderbetriebe sind hier neben fünf Rettungsschwimmern und drei Aushilfen auf Minijob-Basis angestellt. Dazu ein Auszubildender. Denn das Prienavera bildet aus, auch um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Doch für das kommende Ausbildungsjahr sucht das Prienavera noch eine Person. Auch hier mangelt es an Bewerbungen. Zwar gebe es in Prien eine Haustechnik, die morgens um halb fünf anfange, „aber wenn die um 13 Uhr weg ist, dann muss der Fachangestellte auch durch den Keller gehen, Störungen feststellen können, ist für Verkehrssicherungskontrolle und auch für kleinere Reinigungsarbeiten zuständig“. Engpässe in der Personalsituation gebe es immer wieder, sodass Schichtpläne umgestellt werden müssen. „Zur Not springt der Chef dann auch ein und macht mal Mittagspausenvertretung für den Fachangestellten, damit der zur Pause gehen kann“, sagt Schröder und meint damit sich selbst. „Schließungen haben wir immer versucht zu vermeiden. Bisher haben wir das geschafft.“

Um das auch in Zukunft zu schaffen, gibt es eine Kooperation mit umliegenden Gemeinden wie Bad Feilnbach, Bad Aibling, Kolbermoor, Bernau, Bad Endorf oder Wasserburg, um den Beruf zu bewerben und Azubis zu gewinnen. Über Bewerbungen freuen sich sowohl Biebl-Daiber als auch Schröder. In Bernau wird voraussichtlich keine Fachkraft eingestellt. Biebl-Daiber sagt: „Wir setzen auf Leute mit der Aussicht, dass wir sie gut anlernen können.“

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