Landkreis Traunstein/Palling – Bei der öffentlichen Hegeschau im Gasthaus Michlwirt in Palling wurde deutlich: Mit den geplanten Abschusszahlen und den erreichten Abschussquoten ist der dringend notwendige Waldumbau möglich geworden. Entsprechend zufrieden äußerten sich sowohl die Behördenvertreter als auch die Verantwortlichen des Jagdverbandes. Gleichzeitig beschäftigte die heimische Jägerschaft in mehreren Ansprachen auch der Klimawandel. Großen Zuspruch fand zudem die im Vorfeld durchgeführte Trophäenausstellung. „Im Landkreis Traunstein gibt es etwa 2.500 Jäger und etwas mehr als 200 Reviere“, informierte Reinhard Kurz-Hörterer vom Landratsamt Traunstein im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Dabei zeigte er sich erfreut darüber, „dass in den Revieren insbesondere die Abschussplanungen gut erfüllt werden und dem Tierschutz und auch dem Waldumbau Rechnung getragen wurde“.
Landrat Andreas Danzer richtete in seinem Grußwort den Dank des Landkreises an die versammelte Jägerschaft. „Mit ihrem Einsatz tragen Sie dazu bei, das Gleichgewicht zwischen Wild, Wald und Landschaft zu erhalten“, betonte er. „Unsere Heimat lebt von einer Landschaft, die gepflegt, genutzt und bewahrt wird. Dazu leisten Sie als Jäger mit viel Engagement und hohem Verantwortungsbewusstsein einen großen Beitrag.“ Auch Pallings Erster Bürgermeister Markus Huber schlug in dieselbe Kerbe und würdigte das Engagement der Jägerschaft als „wichtige Leistung für unsere Gesellschaft mit hoher Verantwortung“. Gleichzeitig lobte er das vielerorts gute Zusammenwirken der verschiedenen Interessengruppen im Wald. Josef Freutsmiedl, Vorsitzender der Kreisgruppe Traunstein, erklärte zur Hegeschau: „Jagdeigentümer und Jäger tragen unter Berücksichtigung des Erhalts zukunftsfähiger Wälder eine gemeinsame Verantwortung für Wald und Wild.“ Die Ergebnisse in Traunstein zeigen außerdem eine durchwegs erfolgreiche und zufriedenstellende Zusammenarbeit zwischen den Jagdgenossenschaften, Jagdpächtern und Jägern.
Im Rahmen der Hegeschau prämierte der Jagdverband die angelieferten Trophäen. Insgesamt wurde 30-mal Bronze, 15-mal Silber und achtmal Gold vergeben. Die schwerste Trophäe brachte in diesem Jahr 504 Gramm auf die Waage. Bei den Gämsen wurde jeweils einmal Gold, Silber und Bronze vergeben. Im Bereich „Hirsch“ gingen einmal Gold, einmal Silber und zweimal Bronze an die Teilnehmer. Der Kreisjagdberater für Niederwild, Martin Obermayer, präsentierte die Zahlen des vergangenen Jahres. Insgesamt wurden in allen Hegeringen zusammen 9.772 Stück Rehe erlegt, was einer Erfüllungsquote von 94 Prozent entspricht, die Spannweite zwischen den einzelnen Revieren liegt zwischen 88 und 100 Prozent. Auf der Streckenliste B wurden im Vergleich zum Vorjahr rund 21 Prozent weniger Stockenten, 25 Prozent weniger Feldhasen und 32 Prozent weniger Fasane erlegt. Dagegen stieg die Zahl der erlegten Nilgänse um rund 200 Prozent auf 33 Tiere an. Außerdem wurde im vergangenen Jahr erstmals ein Waschbär erlegt. Für den Bereich Hochwild stellte Kreisjagdberater Josef Weiß die Ergebnisse vor. Demnach ergab sich eine Strecke von 111 Stück Schwarzwild und 546 Stück Rotwild. Zudem wurden 415 Gämsen erlegt. „Damit bewegt man sich beim Hochwild etwas unterhalb der Planungen, aber immer noch im Soll“, erklärte Weiß. Kritisch äußerte er sich allerdings zu den seiner Meinung nach zu hoch angesetzten Quoten bei den Gämsen. „Gerade in der Klasse Ia ist dies nicht zu erreichen“, betonte er.
Michael Kaiser, Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) für die Landkreise Berchtesgadener Land und Traunstein, mahnte: „Wir leben in bewegten Zeiten, in denen in der Bevölkerung mehr und mehr Vertrauen verloren geht.“ Gleichzeitig zeigte er sich besorgt über die Folgen des Klimawandels. „In einer Region, in der normalerweise rund 2.000 Liter Regen pro Quadratmeter fallen, ist derzeit einer der größten Waldbrände Bayerns seit Langem im Gange“, sagte der Behördenleiter. Forstoberrat Tassilo Heller würdigte die Leistungen der heimischen Jägerschaft und betonte, „der Waldumbau nimmt vielerorts eine gute Entwicklung“. In einem Fachvortrag befasste er sich exemplarisch mit der Eiche als geeigneter Baumart für zukünftige klimatische Bedingungen. „Der Klimawandel ist bei uns angekommen“, stellte Heller fest. Mit Blick auf den Brand am Saurüsselkopf erklärte er: „Bayernweit haben sich die Temperaturen im Schnitt um 2,3 Grad erhöht, in den Alpen sogar um rund vier Grad. Das verändert unsere Umwelt bereits jetzt.“
Dr. Wolfgang Käsweber, Leiter des Veterinäramts Traunstein, informierte über die aktuelle Problematik beim Verbringen von Wild nach Österreich. Für die Tiere sei inzwischen ein Gesundheitszeugnis erforderlich. „Die dadurch entstehenden Kosten machen den Export vermutlich völlig unrentabel“, so Käsweber. Nach Kritik aus den Reihen der Jägerschaft versprach er, alle Möglichkeiten zu prüfen, damit Wild künftig wieder wie gewohnt beispielsweise nach Wels verkauft werden könne. Darüber hinaus sprach er weitere Themen an, darunter die Fuchssammelstellen, das Merkblatt zu Wildkammern, die aktuelle Tierseuchenlage, Neuerungen bei den Trichinenuntersuchungen sowie die PFAS-Belastung bei Wildschweinen. Als Vertreter des Bayerischen Jagdverbandes würdigte der oberbayerische Regierungsbezirksvorsitzende Wolfgang Morlang die Leistungen der heimischen Jägerschaft. „Ich danke euch für eure vorbildliche Arbeit“, sagte Morlang. „Damit leistet ihr einen wertvollen Beitrag für den Naturschutz und die Gesellschaft.“ Insgesamt zeigten sich die Verantwortlichen erfreut über die gut besuchte Hegeschau sowie gut organisierte Trophäenausstellung. Positiv bewertet wurde zudem die Teilnahme zahlreicher Kreisvorsitzender und Vorstände benachbarter Kreisgruppen, die mit ihrem Besuch ihre Verbundenheit mit der Kreisgruppe Traunstein zum Ausdruck brachten.
Für den musikalischen Rahmen vor und während der Veranstaltung sorgten die Rupertiwinkler Jagdhornbläser. Hob