Ruhpolding – Tracy ist begeistert, ihr kleiner Schwanz wedelt im Rekordtempo. Immer mehr Hunde kommen auf die sonnenüberströmte Terrasse der Blickner Alm mit ihrem Traumblick auf die Chiemgauer Alpen. Die kleine, braun-lockige Maltipoo-Dame kommt mit dem Beschnüffeln kaum hinterher, mit einem weißhaarigen Kameraden in ihrer Mini-Größe ist es Liebe auf den ersten Blick. Auch die Herrchen und Frauchen plaudern an den Tischen bei Kaffee, Kuchen oder einem Bierchen intensiv miteinander, so, als würden sie sich schon Jahre kennen. Dabei haben sich die meisten davon erst vor zwei, drei Tagen erstmals gesehen. 16 Menschen und 19 Hunde machen hier gerade harmonisch zusammen Urlaub.
16 Menschen und
19 Hunde urlauben
Nein, das hier ist keine Kontaktbörse für Zwei- oder Vierbeiner. Sondern das beste Hotel exklusiv für Hundebesitzer in ganz Oberbayern. Das Urlaubsportal hundehotel.info hat 700 hundefreundliche Unterkünfte in 13 europäischen Ländern gecheckt. Die auf etwa 1.000 Metern, umgeben von Wiesen und Wäldern idyllisch gelegene Blickner Alm in Sichtweite zu Ruhpolding landete auf Platz acht auf dem Kontinent und ist die Nummer eins in Oberbayern.
Das Geheimnis? „Wir haben Wellness für Hunde, aber nicht für Menschen“, sagt Josef Hallweger mit einem Grinsen. Das ist natürlich nur ein Spaß des Besitzers, der das Paradies für Vierbeiner und ihre Besitzer gemeinsam mit Partnerin Barbara Klauser, Sohn Maxi (14) und dem weißen Husky-Mix Ignaz führt. Aber etwas Wahres ist an dem Spruch dran. Die Hunde fühlen sich hier mit all den Möglichkeiten ganz offensichtlich pudelwohl und das entspannt auch die mitgereisten Menschen. Zumal es hier keine Beschwerden von Leuten gibt, die Hunde nicht mögen oder Angst vor ihnen haben.
Genau mit diesem Thema und einem Zufall hat 2003 einst alles begonnen. Damals war das gedruckte Gastgeber-Verzeichnis von Ruhpolding noch die Informationsquelle Nummer eins für Urlauber und Josef Hallweger hatte für die halbe Prospekt-Seite nur ein Foto mit seinen zwei Hunden zur Hand. Das führte dazu, dass in der kommenden Saison plötzlich viel mehr Hundebesitzer ihren Urlaub auf der Blickner Alm verbrachten. „Das hat dann aber auch zu Reibereien zwischen Gästen mit und ohne Hunde geführt“, erzählt Hallweger: „Deshalb habe ich mich entschlossen, das Hotel exklusiv für Hundebesitzer zu machen. So hat man entspanntere Gäste mit Verständnis füreinander, auch wenn man sich früh um 5 Uhr zum Gassigehen auf dem Flur trifft.“
Mit dieser Idee war der Almwirt der Erste in der Region – und dieses enorme Wagnis zahlte sich aus: „Vorher war ich einer unter vielen und bin in Ruhpolding untergegangen. Dann hatte ich plötzlich ein Alleinstellungsmerkmal.“ So wie Kinderhotels, Herbergen nur für Erwachsene oder exklusive Pärchen-Resorts funktioniert auch diese Nische bestens. Die Blickner Alm ist mit Gästen aus ganz Deutschland, Österreich oder der Schweiz praktisch immer ausgebucht. Das hat aber auch etwas damit zu tun, dass hier vor allem für das Wohl der Vierbeiner wirklich alles getan wird – und die Bewertungen auf allen Portalen überragend sind.
Tracy testet den Agility-Parcours gleich an der Sonnenterrasse voller Neugierde. Hier kann sie fast wie bei der Bundeswehr eine Kletterwand rauf- und runtersteigen, über Hindernisse springen und eine Wippe bewältigen. Nach sportlicher Betätigung wartet direkt daneben ein kleiner See zum Baden nur für Hunde – mit einem traumhaften Blick auf den Rauschberg inklusive. Der kleinen Maltipoo-Dame Tracy ist das noch zu kalt – dafür bietet eine umzäunte Wiese weiter unten den perfekten Parcours, um ihrem geliebten gelben Tennisball hinterherzujagen. „Dort kann man richtig Rambazamba machen“, sagt Barbara Klauser. Auch eine spezielle Gassirunde mit kostenlosen Tütchen gibt es. Falls Hunde körperliche Wehwehchen haben, kommt auf Anfrage eine Tier-Physiotherapeutin und -Osteopathin ins Haus. Abends gibt es im Gastraum ab und zu Vorträge zu Themen wie Erste Hilfe oder Futter.
Apropos Fressen: Bei der Ankunft in einem der neun Zimmer der Blickner Alm gibt es ein speziell ausgesuchtes Leckerli für jeden vierbeinigen Gast – schließlich sind die Vorlieben eines winzigen Chihuahuas ganz anders als die einer riesigen Deutschen Dogge.
Genau deshalb bringen die Besitzer auch das Futter für ihre Lieblinge selbst mit. Dafür werden die Herrchen und Frauchen im Hotel aber mit Halbpension plus selbst gebackenem Kuchen am Nachmittag auch bestens versorgt. Andere Verwöhnangebote für die Besitzer gibt es für einen Preis von 106,90 Euro pro Nacht – mitgereiste Hunde sind natürlich auch im Rudel kostenlos. Außerdem gibt es in Alleinlage jede Menge Natur und Wanderungen zu entdecken.
Überraschend
wenig Gebell
Beim Besuch überrascht, dass es auch zwischen den Hunden überaus friedlich zugeht. Es gibt keine Raufereien oder lautes Bellen. „Wenn sich nach der Anreise am Wochenende alle aneinander gewöhnt haben, kann man beim Essen oft eine Stecknadel fallen hören“, berichtet Hallweger.
Als Tracy dieses Paradies für Hunde wieder verlassen muss, wedelt ihr kleiner Schwanz nicht mehr. Schließlich muss sie ihren weiß gelockten kleinen Freund verlassen, der ihr beim Abschied noch lange traurig hinterherschaut.