Traunstein – Mit der Grundsteinlegung und einem Festakt für den Neubau der Staatlichen Berufsschule I an der Wasserburger Straße in Traunstein feierte der Landkreis am vergangenen Dienstag zusammen mit rund 200 geladenen Gästen die bislang größte Schulbaumaßnahme in seiner Geschichte. Auf dem Grund der Baugrube brachten Landrat Andreas Danzer und die anderen Festredner in einem symbolischen Akt Erinnerungsgaben in eine kupferne Zeitkapsel ein und versenkten diese gemeinsam in einem Betonblock.
Eigens geprägte
Silbermünzen
Auf der vom Landkreis eigens zu diesem Anlass geprägten Silbermünze sind die Worte zu lesen: „Für die Zukunft unserer Heimat – in Wertschätzung von Bildung, Wirtschaft und Zusammenhalt“. Der Landkreis Traunstein errichtet über das Kommunalunternehmen Chiemgau Invest einen Ersatzneubau für die Staatliche Berufsschule I auf dem bestehenden Schulareal an der Wasserburger Straße. Gemeinsam mit der Reiffenstuel-Realschule und der FOS/BOS entsteht dort ein moderner Schulcampus mit nahezu verkehrsfreien, begrünten Freiflächen, hoher Aufenthaltsqualität und einem weitgehend verkehrsfreien Innenbereich. Der Neubau ist für rund 2.400 Schüler und rund 80 Lehrer ausgelegt. Untergebracht werden die Fachbereiche Metalltechnik, Holztechnik, Elektrotechnik, IT-Technik, Ernährung/Gastronomie, Ernährung/Handwerk sowie Berufsvorbereitung. Das neue Schulgebäude wird zur Wasserburger Straße hin fünf Geschosse aufweisen. Ergänzt wird es durch ein zweigeschossiges Werkstattgebäude. Zwischen beiden Gebäudeteilen liegen Eingangshalle, Aula und Pausenhalle.
Vorgesehen sind außerdem eine Aula mit Mensa, die auch als Veranstaltungsraum für bis zu 400 Personen genutzt werden kann, offene Lern- und Begegnungsbereiche sowie eine Tiefgarage mit 158 Stellplätzen. Auch Nachhaltigkeit spielt eine wichtige Rolle: Das Gebäude wird als Hybridbau mit Holzfassade errichtet. Die Dächer werden mit Photovoltaik-Anlagen ausgestattet und weitere Dachflächen werden begrünt.
Nach dem Beginn der ersten Arbeiten im vergangenen Sommer soll nach aktuellem Zeitplan bis November der Rohbau stehen. Danach folgen die Gebäudehülle und der Innenausbau. Die Fertigstellung ist für das zweite Quartal 2029 beziehungsweise zum Beginn des Schuljahres 2029/30 vorgesehen. Die Baukosten liegen bei rund 150 Millionen Euro. Davon sollen rund 44,8 Millionen Euro über eine Förderung abgedeckt werden, womit der Eigenanteil bei rund 105,2 Millionen Euro liegt.
Neubau für
2.400 Schüler
In seiner Festrede sprach Landrat Andreas Danzer von „einem ganz besonderen Tag für den Landkreis Traunstein“. Mit der Grundsteinlegung werde ein Zeichen gesetzt, dass der Landkreis mit dem Neubau der Berufsschule I nicht nur in Bildung, sondern auch „in die berufliche Zukunft und die Stärke der Region“ investiere. Damit würden die „Grundlagen für Wohlstand, Stabilität und Zukunftsfähigkeit“ aktiv geschaffen. In der Ausbildungsstätte werde jungen Leuten das berufliche Können vermittelt, „die später unsere Betriebe stärken, unser Handwerk weitertragen, die Industrie voranbringen und die soziale und wirtschaftliche Struktur sichern“. Mit dem Neubau werde zudem ein Bildungsquartier mit städtebaulichem Mehrwert geschaffen, „das Lernen, Austausch und Begegnung“ neu ordne. Der Landrat dankte den beteiligten Projektpartnern sowie der Regierung und der Stadt Traunstein für die zügigen Planungen sowie den Kreistagsmitgliedern, die in einer gemeinsam getragenen Entscheidung den Weg freigemacht hätten für diese gewaltige Investition. „Bildungsausgaben sind Zukunftsausgaben. Wir bauen für die nächste Generation“, schloss Danzer seine Rede.
Die große Bedeutung der beruflichen Bildung für die Wirtschaft hob Traunsteins Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer in seiner Rede hervor. Künstliche Intelligenz könne vielleicht einmal die Architekten ersetzen, nicht aber die Maurer und Schreiner, die die Arbeit auf der Baustelle verrichten. Die große Frage und Schwierigkeit der Zukunft sei, woher die Betriebe ausreichend Fachkräfte bekommen würden. Angesichts der hohen Zahl an Abiturienten und von Schülern, die Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben haben, entscheide sich „an den Berufsschulen das Schicksal unseres Landes“, sagte Hümmer. Die Frage sei deshalb nicht, „ob wir es uns leisten können, in die berufliche Bildung zu investieren, sondern ob wir es uns leisten können, nicht zu investieren“. Hümmer sprach sich dafür aus, den nächsten Schritt in die Zukunft zu machen und die Rahmenbedingungen für die Ausbildung von Fachkräften zu verbessern.
Schulleiter Wolfgang Kurfer blickte in seiner Rede auf die ursprünglichen Planungen für eine Generalsanierung der Berufsschule I zurück. Angesichts der Herausforderungen und der Bauzeit von sieben Jahren bei laufendem Betrieb sei dieser Plan aber verworfen worden, und seit 2019 sei schrittweise die Idee für eine komplette Neuausschreibung entwickelt worden. Ausschlaggebend seien nicht zuletzt die besonderen Anforderungen an Raumplanung, Statik und Logistik gewesen. Kurfer wünschte sich, dass die neue Berufsschule „kein abstrakter Lernraum, sondern ein Ort der Begegnung, an dem Theorie und Praxis zusammenfinden“ werde. „Eine Schule, in die viele junge Menschen gerne hineingehen, Wissen erwerben, modern unterrichtet werden und Selbstvertrauen, Haltung und Perspektiven gewinnen.“
„Ein Ort der
Begegnung“
Gabriele Bruckmayer, Geschäftsführerin des Planungsbüros H2M Architekten aus München, erinnerte an den intensiven Planungsprozess über vier Jahre. Das Ergebnis seit „weit mehr als nur ein Schulneubau“. Die neue Berufsschule schaffe „Raum für Begegnung, Austausch und gemeinsames Lernen“. Die Architektin entwarf als Zielvision einen Ort, „an dem sich die Schulfamilie wohlfühlt“ und der die entsprechende Wertschätzung erfahre.