Traumhaus für den guten Zweck

von Redaktion

Lotterie im Chiemgau spendet Erlöse an die Organisation „yeswecan!cer“ für Krebsbetroffene

Siegsdorf – „Wenn eine metastasierte Krebspatientin dir nach zwei Tagen sagt, sie hätte sich unsterblich gefühlt, dann zeigt das den tiefen Sinn unserer Arbeit“, sagt Dr. Tobias Korenke direkt zu Beginn. Der Geschäftsführer der gemeinnützigen Organisation „yeswecan!cer“ engagiert sich ehrenamtlich und bringt dafür ein zutiefst persönliches Schicksal mit. Seine eigene Ehefrau erkrankte an Krebs und verstarb 2017. In dieser schweren Phase erlebte er am eigenen Leib, wie stark das Thema in der Gesellschaft noch tabuisiert wird, obwohl Reden und Gemeinschaft so wichtig wären.

Persönliche
Betroffenheit

Gegründet wurde die Initiative zwischen 2018 und 2019 vom Berliner Filmproduzenten Jörg A. Hoppe, der damals selbst die Diagnose Krebs erhalten hatte. Hoppe stellte im Netz eine merkwürdige Lücke fest: Während es für jede noch so kleine Nische eine digitale Plattform oder App gibt, fehlte ein echtes Netzwerk, das Krebskranke und Angehörige unkompliziert miteinander verbindet. Korenke war von der Idee sofort begeistert und ging den Weg von Anfang an mit. Gemeinsam gründeten die Freunde die „YES APP“, über die sich mittlerweile viele tausend Betroffene austauschen.

Die Brücke in den Chiemgau schlägt nun eine besondere Charity-Aktion. Bei der aktuellen Traumhausverlosung, einer staatlich genehmigten Soziallotterie von „“

„Dreamify“ und „Lotto24“, wird ein luxuriöses, voll möbliertes Anwesen in Siegsdorf im Wert von 2,4 Millionen Euro verlost. Jede Teilnahme an der Verlosung, die noch bis am Sonntag, 28. Juni, läuft, bewirkt gleichzeitig etwas Gutes: 20 Prozent der gesamten Loseinnahmen fließen direkt in gemeinnützige Projekte – in diesem Fall als Spende an „yeswecan!cer“. „Für uns ist diese Kooperation ein Geschenk, und es geht damit für mich ein Traum in Erfüllung“, betont Korenke sichtlich bewegt. Er arbeitet als Historiker und Publizist und war bis 2025 Leiter Corporate & Public Affairs sowie Mitglied des Executive Boards der „Funke Mediengruppe“.

Die Arbeit von „yeswecan!cer“ ruht heute auf den zwei zentralen Leitfäden „Krebs braucht Kommunikation“ und „Du bist nicht allein“. Korenke macht die Dringlichkeit an harten Fakten fest: „Statistisch gesehen wird jeder zweite Mensch in Deutschland im Laufe seines Lebens an Krebs erkranken. Das ist eine echte Volkskrankheit, aber wir behandeln sie in der Öffentlichkeit leider überhaupt nicht so.“ Eine Diagnose stelle einen radikalen Wendepunkt dar und werfe unzählige existenzielle Fragen auf, bei denen die Organisation helfe. Plötzlich gehe es für die Patienten nicht nur um die medizinische Therapie, sondern um einen gewaltigen Berg an Organisation. „Wie findet man die beste Klinik, wer bezahlt das alles, und was ist, wenn ich meinem Job nicht mehr nachgehen kann?“, beschreibt Korenke die Sorgen. Die Organisation bietet in all diesen Lebenslagen konkrete Unterstützung über die App, berät zu Rechten und hilft Betroffenen dabei, den Mut für eine medizinische Zweitmeinung aufzubringen.

Neben der täglichen Hilfe organisiert „yeswecan!cer“ große Aufklärungskampagnen, etwa zu Blasenkrebs oder zu HPV-Impfungen. Auch politisch mischt sich die Organisation aktiv ein. Ein aktuelles Kernthema ist das „Recht auf Vergessen“. Bisher tragen Menschen, die als Kind oder in jungen Jahren Krebs hatten, diesen Stempel ein Leben lang mit sich. Sie werden bei Verbeamtungen, beim Abschluss von Versicherungen oder bei der Vergabe von Immobilienkrediten massiv diskriminiert, weil eine frühere Erkrankung pauschal als Lebenszeitverkürzung gewertet wird. Um dagegen lautstark zu protestieren, startet im Rahmen der diesjährigen „Yescon“, einer großen Krebs-Convention am Freitag, 19. Juni, und Samstag, 20. Juni, in Berlin, ein großer Demo-Rave direkt zum Gesundheitsministerium und zum Brandenburger Tor. Bislang war die Arbeit der Organisation jedoch sehr urban geprägt, was Korenke als Fehler bezeichnet: „Wir sind sehr urban, aber wir müssen aufs Land und zu den Menschen.“ Genau hier schließt sich der Kreis zu den Spendengeldern aus der Siegsdorfer Traumhausverlosung. Die Erlöse sollen komplett dafür genutzt werden, die Idee unter dem Titel „yeswecan!cer on tour“ gezielt aus den Großstädten in die ländlichen Regionen zu bringen. Geplant ist die Anschaffung eines eigenen Infobusses.

Thema in den
ländlichen Raum tragen

„Wir werden einen Bus kaufen und als mobiles Beratungsnetzwerk zu den Menschen aufs Land fahren“, so der Geschäftsführer. Gerade abseits der Großstädte fühlten sich Krebspatienten in einer Krise oft isoliert, weil spezialisierte Hilfsangebote fehlten. Das Mobil soll diese Lücke schließen, Selbsthilfegruppen vernetzen und Kontakte zu Ärzten herstellen. Und eines verspricht Korenke mit Blick auf die anstehende Deutschland-Tour: „An einer Station im Chiemgau kommen wir jetzt natürlich nicht mehr vorbei.“

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