Bürgermeisterkandidat für Chiemsee

von Redaktion

Georg Klampfleuthner über seine Motivation und seine Pläne

Chiemsee – Noch ist Georg Klampfleuthner kein gewählter Bürgermeister der Gemeinde Chiemsee. Am 14. Juli treten die Insulaner erneut an die Wahlurnen, um in einer Wiederholungswahl ihren neuen Ortsvorsteher zu wählen. Wie bei der Kommunalwahl Anfang März wird auch dieses Mal nur ein Name auf dem Wahlzettel stehen. Aber nicht Armin Krämmer, der von 2020 bis 2026 Bürgermeister der Chiemseegemeinde war, sondern eben Klampfleuthners. Er setzte sich bei der erneuten Aufstellungsversammlung mit 46:27 Stimmen gegen Krämmer durch. Hauptgründe von Klampfleuthners Kandidatur sind dessen Verbundenheit zur Insel und ein großes Verantwortungsgefühl.

„Es soll wieder
Ruhe einkehren“

An ihn persönlich seien bisher nur positive Rückmeldungen zur Kandidatur herangetragen worden. „Alle haben gesagt, sie finden das super und toll. Ich habe noch keinerlei kritische Sachen gehört, also nicht von Insulanern“, berichtet Klampfleuthner im Gespräch am Gartentisch vor der Töpferei auf der Fraueninsel. Er wisse aber auch, dass es nicht ausschließlich Zustimmung gebe, diese Stimmen jedoch nicht persönlich an ihn herangetragen würden.

„Mir geht‘s darum, dass wieder Ruhe einkehrt auf der Insel“, so Klampfleuthner, der bewusst Ruhe und nicht Frieden sagt: „Weil überall, wo ich sage, ich möchte, dass Frieden einkehrt, war ja ein Krieg. Aber es gibt einfach keinen Krieg auf der Insel.“ Die Ruhe wünscht er sich vor allem auch für die neuen und jungen Gemeinderäte: „Dass sie wirklich das demokratische Verständnis auch leben und sich mit den Themen beschäftigen.“

Alle Insulaner sollten zukünftig auch stärker eingebunden werden: Dafür gebe es zwei Wochen vor der Gemeinderatssitzung ein Treffen, zu dem alle eingeladen sind, um über die Themen der anstehenden Sitzung zu sprechen.

Kritik an
Gesprächsbereitschaft

„Insulaner können ihre Wünsche einbringen und mit uns Gemeinderäten diskutieren, viel mehr Basisdemokratie also. Ich stelle es mir so vor, dass wir als Gremium mit unserer Diskussion und Zielfindung ganz offen und transparent umgehen“, führt Klampfleuthner aus. Gemeinderäte hätten dadurch auch ein anderes Verhältnis zum Ergebnis und Beschlussvorschläge würden nicht einfach nur abgenickt. „Austausch, Kommunikation, Probleme aufzeigen, auch in der Diskussion. Du hast in der Gemeinderatssitzung oft gar nicht die Zeit, einige Grundthemen wirklich zu diskutieren.“

Die Bewohner der Insel mitnehmen, Gespräche führen, ein Ohr am Leben auf der Insel haben. Auch deshalb steht der auf der Fraueninsel aufgewachsene Töpfer auf dem Stimmzettel in der Wiederholungswahl. Ein Gesprächsangebot von Krämmer mit den Leuten vermisste Klampfleuthner: „Er hätte einfach mal das Gespräch mit den Leuten suchen müssen. Zu sagen: ‚Ich habe alles super gemacht und ich war ein guter Bürgermeister‘, das ist einfach zu wenig, gerade wenn ein prozentual hoher Anteil von Insulanern sagt: ‚Nein, ich mag den nicht wählen‘.“

Aus Klampfleuthners Sicht hätte Krämmer das Gespräch suchen müssen, warum so viele gegen ihn waren – und zwar schon bei der ersten Aufstellungsversammlung für die Wahl im März. Damals schaffte es Krämmer nur mit wenigen Stimmen Vorsprung überhaupt erst, erneut zur Wahl anzutreten.

„Jeder Bürger hat
meine Handynummer“

„Wenn er (Krämmer, Anmerkung der Redaktion) einfach gesagt hätte: ‚Okay Kinder, lasst uns mal zusammensetzen, wir reden mal drüber, wenn es ein Problem gibt‘, dann hätte ich das nie gemacht. Das Gespräch wurde aber nie angekündigt und die Situation so stehen gelassen, und zu sagen: ‚Ja, die kriegen sich schon wieder ein‘, das ist zu wenig“, erklärt Klampfleuthner einen weiteren Grund, warum er die Herausforderung gegen Krämmer bei der Aufstellungsversammlung im April suchte – und als neuer und einziger Bürgermeisterkandidat hervorging.

Alt-Bürgermeister Krämmer weist diese Kritik klar von sich: „Jeder Bürger auf der Insel hat meine Handynummer und ruft sogar am Wochenende an. Wenn einer gesprächsbereit ist, dann bin ich das – und das ist auch immer so gewesen. Also gar keine Frage. Das lasse ich mir nicht vorwerfen.“

Klampfleuthner sagt, er sei positiv in die Abstimmung um die Kandidatur gegangen, auch auf die anstehende Wahl im Juni blickt er gelassen, merkt aber außerdem an: „Die Leute müssen schon zur Wahl gehen.“ Er sehe es demokratisch, wenn die Leute ihn nicht gut finden für die Gemeinde, dann sollen sie ihn auch nicht wählen: „Ich mache das nicht, weil ich jetzt unbedingt den Bürgermeistertitel haben möchte. Um das geht es mir gar nicht, ich habe genug Arbeit.“

Als Inseltöpfer will er auch im Fall einer erfolgreichen Bürgermeisterwahl weiterarbeiten: „Ich glaube wirklich, dass man dieses Amt so führen kann, dass man da nicht mehr als zwei, drei Stunden im Schnitt jeden Tag braucht.“ Dass ihm ein erhöhtes Arbeitspensum bevorsteht, merkt Klampfleuthner schon jetzt, denn er ist übergangsmäßig zum Zweiten Bürgermeister gewählt worden und ist deshalb faktisch aktuell der erste Vertreter der Gemeinde Chiemsee. Am Tag des Gesprächs war er schon am Gemeindetag mit allen Rathauschefs aus dem Landkreis Rosenheim und gratulierte anschließend einer Schwester im Kloster zum 80. Geburtstag. Dazu kommt sein Ehrenamt als Vorsitzender des Kulturfördervereins Priens und die Rolle als Opa.

Insel fit für
die Zukunft machen

Angesprochen auf Ziele als Bürgermeister, sollte er gewählt werden, antwortet Klampfleuthner zunächst zögerlich: „Einige von den neuen Kollegen, die ich jetzt kennengelernt habe, haben in der Tat so was.“ Dann fällt ihm aber noch etwas ein: „Dass die Insulaner auch im Winter und in Zeiten, in denen hier nicht so viel los ist, zusammenkommen und viel miteinander sprechen, dass wir ein funktionierendes Dorf haben.“ Für die warme Jahreszeit sei dafür schon eine Boccia-Bahn bereits im Gespräch.

„Mir ist wichtig, dass die jungen Leute sagen: ‚Ich bin gerne auf der Insel.‘ Das ist das eigentliche Ziel: Die Insel muss fit für die Zukunft sein, fit sein, dass die Jungen hier bleiben und das Dorf aufrechterhalten“, so Klampfleuthner. Er glaube nicht, dass es für die Insel langfristig zum Vorteil sein wird, „wenn wir lauter Leute haben, die für zwei Millionen hier ein Haus kaufen und das für eine Million renovieren und dann zwar da sind, aber eigentlich nur bedingt in der Gemeinschaft.“

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