Würdiger Abschied für Ludwig Entfellner

von Redaktion

Nach zwölf Amtsjahren geht der Bürgermeister von Unterwössen mit einem emotionalen Fest von Bord

Unterwössen – Das Bild vom Rathausplatz ließ so manchen Pfingsturlauber auf der Hauptstraße vom Gas gehen. Aber so hatte es sich der vergangene Bürgermeister Ludwig Entfellner seine Verabschiedung gewünscht, als der Gedanke an ihn herangetragen wurde. Kein Festzug, kein Trachtenzug, kein Heimatabend. „Ich wollte einen gewissen respektablen Anlass. Ich wollte das Rathaus im Hintergrund und einen überschaubaren Rahmen.“

Nachfolger überreicht
eine Urkunde

Gut hundert Menschen standen bei traumhaftem Wetter im Kreis auf dem, Rathausplatz, als Bürgermeister Johannes Weber das Mikrofon ergriff und seinen Amtsvorgänger Ludwig Entfellner verabschiedete. Weber trug die Bürgermeisterkette. Entfellner stand im Publikum. Zwölf Jahre von 2014 bis Mai 2026 lag zwischen deren Amtseinführungen. Weber, im forstgrünen Gewand mit Hut, begrüßte Entfellner mit Ehefrau Elfriede und den Kindern, die Bürgermeisterkollegen Stefan Kattari aus Grassau, Matthias Schlechter aus Reit im Winkl und Andreas Scheck aus Marquartstein, Geschäftsführerin Elisabeth Keil vom Achental Tourismus, Pfarrer Martin Straßer, Altbürgermeister Hans Hasl-
reiter sowie ehemalige und aktuelle Gemeinderäte und die Vereinsvorsitzenden aus Unter- und Oberwössen.

Für Entfellners politische Haltung fand Weber eine einzige Formel: „Du stehst für Bewahren und Erhalten und doch behutsam weiterentwickeln.“ Dann zählte er auf, was in zwölf Jahren entstanden war: das Bürgerhaus Altes Bad, das alte Schulhaus in Oberwössen, die städtebaulichen Aufwertungen in beiden Ortsteilen, der Erwerb der Wasserversorgung Unterwössen und deren Überführung in gemeindliche Hand. „Du bist analytisch und mit Weitblick. Das hat sich in vielfacher Weise gezeigt.“ Und Weber trat aus der Rolle des Nachfolgers heraus: „Wir beide kennen uns jetzt seit mehr als 15 Jahren. Ich habe viel gelernt von dir. Ich bin stolz auf unsere Freundschaft.“

Ehrenmesser
für die Brotzeit

Renate Bauer, Vorsitzende des Oberwössner Trachtenvereins D’Rechlberger, und Andrea Größ, Zweite Vorsitzende der D’Achentaler Unterwössen, traten gemeinsam ans Rednerpult. Größ als Vertreterin des erkrankten Vorsitzenden Otto Dufter, zitierte Dufter. Der habe Fußballer Entfellner als Libero beschrieben, als Spieler, „der ohne direkten Gegenspieler hinter der Abwehrkette agiert.“ Entfellner delegiere und dirigiere von hinten. Philipp Weißenbacher, bis vor wenigen Tagen Gemeinderat und Vorsitzender des SV Unterwössen, verfolgte die Sportlaufbahn: Der einste Fußballer Entfellner sei nun seit zehn Jahren Mitglied im Ältestenrat, dem obersten Kontrollgremium des Vereins. Der Bayerische Landessportverband hatte Entfellner dafür bereits am 13. Mai die Verdienstnadel in Bronze mit Kranz verliehen. Weißenbacher überreichte die Auszeichnung offiziell.

Wegbegleiter im Gemeinderat und Freund ist Kompaniehauptmann Georg Haslberger von der Gebirgsschützenkompanie Wössen/Achental. Haslberger erinnerte an viele gemeinsame Dorffeste auf genau diesem Platz. Er erinnerte, dass manche Schwierigkeiten „mit Gaudi gelöst“ worden seien. Als Geschenk übergab die Kompanie ein Ehrenmesser zum Brotzeitmachen.

Die katholische Kirche vertraten Pfarrverbandsleiter Pfarrer Martin Straßer und Maximilian Wimmer, Verwaltungsleiter des Kitaverbundes Grabenstätt. Sie sprachen die Zusammenarbeit bei der Neugestaltung des Kirchenumfeldes an, das Vertrauen zwischen Rathaus und Pfarrverband. Straßer würdigte Entfellners Urteil „als Handwerker, als Meister.“

„Wir haben einige Gefechte auch für den Standort der Mittelschule gefochten — ganz konstruktiv bestritten“, blickt Schulrektor Otto Manzenberger zurück. Was ihn an Entfellner fasziniert habe: „Nicht viele Worte, sondern das da überlegen und dann durchziehen.“ Als Geschenk überreichte er einen Schülerausweis mit lebenslangem Ernterecht aus dem Schulgarten. Die Aktiven des Trachtenvereins D’Achentaler unterbrachen die Reihung der Redebeiträge mit einem Sterntanz, begleitet von der Musikkapelle Wössen unter Dirigent Martin Nieß.

„Ein erfolgreicher Mann hat immer eine starke Frau“, rief Gabi Neubert auch Entfellners Ehefrau Elfriede nach vorn. Neubert sieht sich als gelegentliche Querulantin der vergangenen sechs Jahre im Gemeinderat. Der Respekt vor dem, was Entfellner für die Gemeinde geleistet habe, sei so groß, sagte Größ, „dass sich andere Dörfer ein Beispiel nehmen wollen.“ Im Dorf sei gesammelt worden für ein E-Bike. Sie überreichte mit Gemeinderat Philipp Spanier einen Gutschein für ein solches Rad. Spanier schloss mit persönlichen Worten über die gemeinsamen Jahre der Zusammenarbeit.

„Andere Dörfer nehmen
sich ein Beispiel“

Zuletzt trat Ludwig Entfellner ans Mikrofon. Warum wird man Bürgermeister? „Irgendwann musst du dich entscheiden. Entweder machen oder – auf gut Bayerisch gesagt – das Maul halten. Und ich habe mich dann für die erste Variante entschieden.“ Die eigentliche Antwort aber gab er an anderer Stelle: Einmal sei er gefragt worden, warum er den Job mache. Er habe kurz nachgedacht. Dann: „Ich glaube, weil ich die Leute mag, so wie sie sind.“ Sein Gegenüber habe geantwortet, er wäre deswegen kein Bürgermeister. Er möge die Leute nämlich nicht, so wie sie sind. Entfellner meint: „Das ist ein gewisses Spiel, das musst du verstehen.“ Der Kirchenchor beschloss den offiziellen Teil mit „Viel Glück und viel Segen“.

Artikel 1 von 11