Staudach-Egerndach – Der passende Rahmen und Zeitpunkt für eine Verabschiedung aus einem besonderen Ehrenamt, dem Ehrenamt eines Gemeinderats, wurde nun gefunden. Bürgermeisterin Martina Gaukler dankte beim kleinen Festabend im Gasthof „Mühlwinkl“ den vier ausgeschiedenen Räten mit einem Rückblick auf sechs herausfordernde Jahre, welche gemeinsam gemeistert wurden.
„Politik ist das Bohren harter Bretter“, sagte Martina Gaukler zu Beginn ihrer Rede. „Wenn ich mir unsere gemeinsame Zeit ansehe, dann haben wir nicht nur gebohrt, sondern zeitweise einen ganzen Wald gerodet und das bei Wind, Wetter und weltweiter Pandemie“, betonte sie. Nun würden Räte verabschiedet, die die Gemeinde mitgeprägt hätten. „Ihr wolltet nicht nur verwalten, sondern gestalten.“
Rückblick auf eine
turbulente Amtszeit
Die Bürgermeisterin erinnerte an die erste Zeit, als die Pandemie alles überschattete, als es statt Händeschütteln Desinfektionsmittel und Maskenpflicht gab. Getagt wurde im Saal des Gasthofs „Mühlwinkl“ an Einzeltischen. Und doch war 2020 das Jahr der großen Investitionen. So wurde für 140.000 Euro ein neuer Unimog angeschafft, die Straßen in Hub erneuert und die Mountainbiker mit neuer Beschilderung auf den rechten Pfad geführt.
Sie erinnerte zudem an die Beantragung des Prädikats Erholungsort, das über zwei Jahre dauerte, und an den Starkregen mit seinen Auswirkungen. „Das war die erste echte Bewährungsprobe. Wir sind nicht abgesoffen, sondern zusammengewachsen“, so Gaukler.
2021 wurde die Straßenbeleuchtung auf LED umgestellt. Der Spielplatz erhielt eine neue Schaukel, Unwetterschäden wurden beseitigt und der Weidenbach im Ortsteil Bayern saniert. Höhepunkt war das neue LF20 KatS für 410.000 Euro der Feuerwehr. Bevor man sich habe von der Coronakrise erholen können, sei 2022 der nächste Schock gekommen: der Ukraine-Krieg mit Energiekrise, Flüchtlingshilfe und Verantwortung. Doch die Lebensfreude blieb, die Rathausheizung wurde auf Pellets umgestellt und am Chiemgaukreuz der Kampenwand wurde eine Gedenktafel montiert. Aber auch die Jahre 2023 und 2024 waren ereignisreich. So wurde die Pelletsheizung in der Schule eingebaut, die Straße im Mühlwinkl saniert und der Startschuss für das Projekt Trinkwasserversorgung fiel. Als turbulent bezeichnete sie das Jahr 2024. Das alte Verkehrsbüro wurde saniert und das „Ökomodell Achental“ zog ein.
Als Endspurt mit Hindernissen bezeichnete sie das Jahr 2025, wobei ein kleines Bakterium im Trinkwasser die Gemeinde nochmals ordentlich gefordert hat. „Wir haben die Trinkwasserversorgung vorangebracht, die Schule digital fit gemacht und die Mittagsbetreuung eingeführt“, sagte sie.
Zu den ehemaligen Gemeinderäten Bernd Koller, Florian Maier, Peter Schwarz und Michael Sturm gewandt, meinte sie: „Ihr habt eure Freizeit geopfert, habt euch Kritik angehört und habt nach Lösungen gesucht, wo andere nur Probleme sahen.“ Sie bezeichnete den Gemeinderat der Jahre 2020 bis 2026 als eine gesunde Mischung aus Familie, die man sich nicht aussuchen könne, Stammtisch mit lebhaften Diskussionen und Werkstatt, wobei die Gemeinde gemeinsam weiterentwickelt wurde.
Bernd Koller, der zwölf Jahre als Gemeinderat mitwirkte, bezeichnete sie als Digitalbeauftragten, als einen Senior mit modernen und innovativen Ansichten und als Experten bei der Digitalisierung und Stromversorgung. Koller, Vorsitzender der Krieger- und Soldatenkameradschaft, habe seine eigene Meinung vertreten, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.
Für Feuerwehr, Kinderbetreuung und Musikschule setzte sich mit großem Engagement Florian Maier ein. Trotz Schichtdienst bei der Berufsfeuerwehr in München engagierte er sich mit dem Blick auf die Familien, die Feuerwehr und das Ehrenamt.
Aber auch die Expertise des ersten Kommandanten der Feuerwehr Michael Sturm sei im Rat gefragt gewesen. „Ein tausendprozentiger Feuerwehrler, ein Kommandant, ein Heizungs- und Energiespezialist, ein Gemeinderat mit Herz und Verstand“, beschrieb ihn die Rathauschefin und bat um einen jährlichen Bericht in einer der Sitzungen.
Persönliche
Würdigung
Mit Peter Schwarz als Zweiten Bürgermeister hatte sie immer einen zuverlässigen, verlässlichen, loyalen und engagierten Stellvertreter an ihrer Seite. Schwarz war elf Jahre Gemeinderat und davon sechs Jahre Zweiter Bürgermeister. Sie dankte ihm auch für die kritischen und differenzierten Diskussionsbeiträge. Noch gut konnte sich Schwarz in der Funktion als Bürgermeister an seine erste „teure“ Unterschrift erinnern, damals für das Feuerwehrauto eine Überweisung von 120.000 Euro. Da wurde ihm die Bedeutung erst richtig bewusst. Er wünschte allen einen ruhigen Kopf: „Streitet gesund und lasst euch nicht unterkriegen.“
Lobend hob Bürgermeisterin Gaukler das wertschätzende Miteinander hervor. „Wir haben gestritten, gelacht und vor allem: Wir haben etwas bewegt“, so die Rathauschefin.