Chieming – Jahrelang hat Chieming auf einen Rufbus hingearbeitet, ab 1. Juni tritt „Traudl“ ihren Dienst an. Dann sind zwei Siebensitzer-Busse an sieben Tagen pro Woche ganzjährig von 6 bis 22 Uhr per App oder per Telefon buchbar. Sie stehen entweder zur Abholzeit an einem der über 200 Haltepunkte in den Gemeinden Chieming, Grabenstätt, Übersee und Grassau – im Gemeindebereich Chieming gibt es 62 Haltestellen – oder mit vereinbarter Terminvorgabe zum Zielpunkt bereit. Betreibendes Verkehrsunternehmen von „Traudl“ ist die omobi GmbH in Murnau.
Ergänzendes
Angebot zum ÖPNV
Bürgermeister Stefan Reichelt stellte etwa 80 Bürgern in der Aula der Mittelschule das Konzept von „Traudl“ vor. Er begrüßte seinen Amtskollegen Gerhard Wirnshofer aus Grabenstätt und mehrere Gemeinderäte. Ihm zur Seite standen Sebastian Schallinger und Marko Just von der Mobilitätsabteilung im Landratsamt, die laut Reichelt federführend für die Umsetzung von „Traudl“ verantwortlich sind.
Der Rufbus ist, so Reichelt, nur durch den finanziellen Einsatz gemeinsam mit dem Landratsamt und der Regierung von Oberbayern leistbar. Das den ÖPNV ergänzende Projekt ist auf sechs Jahre angelegt. Der Rufbus stellt keine Alternative zum ÖPNV dar, sondern dient als ÖPNV-Zubringer, besonders in den Gemeindeteilen, die vom ÖPNV-Verkehr abgeschnitten sind. Zwischen den vier beteiligten Gemeinden ist jedoch ein Transport zwischen den Haltestationen möglich.
Von ursprünglich angedachten zwölf Gemeinden, die sich an „Traudl“ beteiligen sollten, sind letztlich vier Gemeinden übrig geblieben, erklärte Reichelt. Nutzen kann „Traudl“ jeder – selbstverständlich auch Touristen. Allerdings gilt die Gästekarte nicht als Freifahrtschein für „Traudl“. Die 62 Haltestellen im Gemeindebereich wurden so gewählt, dass sie in einem Radius von 400 Metern von jedem Haus entfernt erreichbar liegen. Einsehbar sind die Haltestationen, die jeweils durch ein blaues „H-Schild Traudl“ gekennzeichnet sind, durch einen Plan in Papierform, der im Rathaus aufliegt, oder auf der Website der Gemeinde.
Auf Nachfrage der Besucher sagte Reichelt, bei den Siebensitzer-Bussen handele es sich um Dieselfahrzeuge, weil sie in der Erprobungsphase zuverlässiger zu handhaben seien als E-Fahrzeuge mit Batterieaufladung. Jedes Fahrzeug kann barrierefrei auch je einen Rollstuhlfahrer aufnehmen. Dieser wird mitsamt Rollstuhl ins Fahrzeug geladen, eine Arretierung ist in jedem Fahrzeug vorhanden. Ebenso Kindersitze. Mitgebracht werden müssten allerdings Babyschalen, so Marko Just vom Landratsamt.
Kinder bis zu fünf Jahren fahren in Begleitung kostenlos. Für Kinder ab sechs Jahren ist der volle Beförderungsbetrag zu entrichten. Schwerbehinderte, deren amtlicher Ausweis mit einer gültigen Wertmarke versehen ist, können kostenlos fahren. Schwerbehinderte mit den Merkzeichen G, aG, H, BI oder GI können eine Wertmarke beantragen, um im ÖPNV Freifahrten oder Vergünstigungen zu erwerben, erklärte Reichelt.
Hunde und Kleintiere in Käfigen werden grundsätzlich transportiert, ebenso Handgepäck, soweit es keinen eigenen Platz einnimmt. Vom Transport ausgeschlossen sind Fahrräder oder E-Roller.
Es bestehen sieben Tarifzonen, die sich in Kilometern Reichweite unterscheiden. Tarifzone eins liegt bis vier Kilometer Reichweite, Zone zwei von fünf bis acht Kilometer, Zone drei von neun bis zehn Kilometer, Zone vier von elf bis 15 Kilometer, Zone fünf von 16 bis 20 Kilometer, Zone sechs von 21 bis 25 Kilometer und Zone sieben über 26 Kilometer. Die Preise staffeln sich jeweils in „Normalkosten“ und „Komfortzuschlag Deutschland-Ticket“. Wer ein Deutschlandticket hat, bezahlt für die Tarifzonen eins bis vier pro Fahrt zwei Euro, für die Tarifzonen fünf bis sieben vier Euro. Die „Normalkosten“ belaufen sich in Tarifzone eins auf 2,50 Euro pro Fahrt, in Zone zwei auf 3,50 Euro, in Zone drei auf 4,50 Euro, in Zone vier auf sechs Euro, in Zone fünf auf acht Euro, in Zone sechs auf neun Euro und in Zone sieben auf elf Euro.
Die „Traudl“-App ist kostenlos über Playstore oder Appstore herunterzuladen. Wer kein Mobiltelefon hat, kann seine Fahrt auch telefonisch unter 08685/ 9869779 buchen. Dies ist ab sieben Tagen vor Fahrtantritt möglich.
„Je früher gebucht wird, umso sicherer ist die Buchung“, betonte Just. Eine kostenlose Stornierung der gebuchten Fahrt (etwa wenn der angepeilte Zug Verspätung hat) ist bis 15 Minuten vor Fahrtantritt möglich. Die Zahlung erfolgt bar im Bus oder per App, wenn dort die Kontodaten hinterlegt wurden.
In den ersten Betriebswochen von „Traudl“ werden Fahrgäste um Verständnis gebeten, wenn die Abläufe noch nicht hundertprozentig funktionieren sollten. Zur Optimierung werden bewährte Mitarbeiter vom Rufbus „Rupi“ die neuen „Traudl“-Mitarbeiter tatkräftig unterstützen, sagte Schallinger. „Wir wollen Traudl sechs Jahre lang organisch wachsen lassen. Das neue Transportmodell soll funktionieren und im Alltag der Menschen ankommen.“ Und Bürgermeister Reichelt fügte hinzu: „Wenn etwas nicht funktionieren sollte, bitte im Rathaus melden.“ Auch die Quartiersmanagerin habe ihre Hilfe bei technischen Hürden angeboten.
Sieben Tarifzonen für
flexible Fahrten
Hingewiesen wurde darauf, dass die saisonale Chiemsee-Ringlinie ihren Betrieb eingestellt hat und damit auch keine Fahrradtransporte mehr möglich sind. „Dies hatte auch damit zu tun, dass die Zahl der E-Biker immer mehr werden, deren Fahrräder auf den Anhängern keinen Platz haben“, erklärte Schallinger.
Dafür hat der Nacht-Express seinen Betrieb wieder aufgenommen. Er fährt von Freitag auf Samstag und von Samstag auf Sonntag von 22 bis 3 Uhr im gesamten Landkreis Traunstein an über 740 Haltestellen. Die Buchung ist ausschließlich per App möglich, sagte Schallinger abschließend.