Traunstein/Erlstätt – „Was kann man Schöneres machen, als mit einem Tier zusammenzuarbeiten?“, sagt Verena Vitek. Das Treffen findet am Reitstall statt, wo ihre Pferde stehen. Sie ist mit dem Fahrrad gekommen. Im Anhänger mit dabei ist ihr eineinhalb Jahre alter Schäferhund Gino. In Erlstätt startet sie im Sommer ihr Angebot für eine ganzheitliche und individuelle Therapie für Hunde und Pferde in ihrer eigenen Praxis „Equidog-Therapie“.
Vom Familienhund
zur eigenen Praxis
Der Praxisraum selbst ist ein geschichtsträchtiger und mit viel Herzblut umgebauter kleiner Kuhstall. Schon als Baby kam Verena aus dem Krankenhaus nach Hause zu ihrem ersten Deutschen Schäferhund. Die Liebe zu den Tieren begleitete sie ihr Leben lang. Die Entscheidung, das Ganze beruflich zu machen, wuchs Schritt für Schritt. Der eigentliche Wendepunkt kam in den Jahren 2020 und 2021, als ihr damaliger Hund älter wurde und gesundheitliche Probleme bekam.
„Ich habe gesagt: Mensch, da muss man doch irgendwas machen. Ich möchte den unterstützen, weil der soll 100 Jahre alt werden“, erinnert sie sich schmunzelnd. Als es dem Vierbeiner mit zwölfeinhalb Jahren so schlecht ging, dass die Tierärztin kaum noch Hoffnung hatte, fuhr Verena Vitek alles auf, was sie gelernt hatte: von Akupunktur über Laser bis Phytotherapie.
Der Hund wurde wieder fit, erstaunte die Tierärztin, und ist schließlich fast 14 Jahre alt geworden und von allein eingeschlafen – ohne Schmerzen. Das war der finale Ansporn. Als sie ihr Kind bekam, nutzte die alleinerziehende Mutter die berufliche Pause, um sich neu zu orientieren, und begann weitere Ausbildungen. Sie therapiert Hunde und Pferde mit Fachwissen aus der traditionellen chinesischen Medizin (TCVM), der Osteopathie sowie der Craniosacraltherapie.
Als neues, großes Puzzlestück absolviert sie nun zudem eine zweijährige Ausbildung speziell zur Hundephysiotherapeutin bei Sabine Harrer in Rosenheim. „Die ist eine Koryphäe im Fach, ich glaube nicht, dass es jemanden kompetenteren gibt als sie“, sagt Verena Vitek über ihre Ausbilderin. Ihr ist es besonders wichtig, nicht nur starr einen Weg zu gehen, sondern Schulmedizin und alternative Methoden, also beide Welten, miteinander zu verbinden.
Der Schwerpunkt der Praxis liegt zunächst auf chinesischer Medizin, Osteopathie und einer vielseitigen Bewegungstherapie. „Also alles, was den Hund fit und gesund macht. Ob alt, ob jung, ob mit Einschränkung, ohne Einschränkung, ganz egal“, erklärt die Therapeutin. Auch Hundezüchter bringen bereits ihre Welpen für sanfte Craniotechniken zu ihr, um Blockaden nach der Geburt zu lösen.
Ganz neu ist das Klientel für Verena Vitek nicht, denn bisher behandelte sie Stammkunden in ihren eigenen Kellerräumen. In Erlstätt hat sie nun deutlich mehr Platz für unter anderem den Muskelaufbau an Geräten. Als besonderes Angebot plant sie, ein- oder zweimal die Woche am Abend die Praxis als „Fitnessstudio für den Hund“ zu öffnen. Ihre Kunden können dann vorbeikommen, die Geräte eigenständig für das Training nutzen, und sie ist für Fragen oder zur Betreuung direkt vor Ort.
Fitnessstudio
für Vierbeiner
Um finanziell abgesichert zu sein, arbeitet sie weiterhin an zwei Tagen in der Woche in ihrem bisherigen Beruf im Kindergarten – eine Aufgabe, die sie nach wie vor sehr gerne macht. Diese Flexibilität ist ihr wichtig, um die Balance zwischen einem sicheren Einkommen und ihrer großen Leidenschaft in der eigenen Praxis zu wahren.
Dabei geht es ihr vorwiegend darum, den Besitzern das richtige Handwerkszeug zu zeigen. „Ich zeige ihnen die Übungen beim Termin und da können sie üben“, betont Vitek. Wenn die Halter zu Hause fleißig ihre „Hausaufgaben“ machen und am Ball bleiben, lässt sich der Erfolg der Therapie optimal festigen – für ein langes, fittes und stabiles Hundeleben.