Prien – Der Maler Paul Roloff lebte von 1921 bis zu seinem Tod vor 75 Jahren am 29. Mai 1951 in Prien. Sichtbar ist er heute noch im Heimatmuseum, in der evangelischen Kirche, wo er die Tafelbilder des Altars malte und stiftete, sowie im Büro von Bürgermeister Andreas Friedrich. Um den Nachlass von Roloff kümmert sich heute seine Enkelin Dr. Elisabeth Waldmann. Sie lebt mit ihrem Mann in Roloffs Villa direkt am Chiemsee. An das Haus und ihren Opa hat Waldmann viele schöne Erinnerungen aus ihrer Kindheit: „Mein Vater war unentbehrlicher Wissenschaftler in München. Deshalb waren wir oft am Chiemsee.“ So wurde ihr Großvater auch zu einem „Ersatzvater, mit einer sehr liebevollen, aber durchaus strengen Persönlichkeit.“
Ein Umriss
zum Start
Waldmann schaute ihrem Opa oft im Atelier des Hauses zu: „Ich durfte dabeisitzen – ganz still – und zugucken. Das war für mich sehr interessant. Wenn er jemanden porträtiert hat, hat er nur eine ganz grobe Skizze gemalt, also nur die Umrisse, danach erst hat er zum Beispiel angefangen, ein Auge fertig zu malen.“
Als einzige Enkelin war es fast zwangsläufig, dass sie sich um den Nachlass kümmert: „Für mich war das eigentlich selbstverständlich, dass man diesen Nachlass nicht einfach so verkommen lässt.“ Zunächst kümmerte sich die Großmutter, dann Waldmanns Mutter um die entstandenen Bilder. Nach deren Tod Anfang der 90er-Jahre übernahm die promovierte Tierärztin. Aber schon die große Gedächtnisausstellung 1987 zum 110. Geburtstag im alten Priener Rathaus organisierte sie größtenteils.
„Mich hat das interessiert, ich fand‘s spannend. Nach dem Ersten Weltkrieg hat er sein Geld vor allem als Porträtmaler verdient. Er hat ganz bekannte Persönlichkeiten gemalt, Henry Ford und bekannte Personen“, erzählt sie im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung und fügt an: „Ich war überall bei den Leuten zu Gast und habe denen die Bilder von der Wand genommen, weil ich sie für die Ausstellung gebraucht habe.“ Es sei wie eine Goldgräbergeschichte: „Wenn ich irgendein Bild wiederfand, was verloren war, war die Freude groß. Manchmal ist es auch frustrierend, weil ich nicht weiterkomme, weil niemand Interesse hat.“
Heute seien die Gemälde in diesem Stil „nichts mehr wert. Früher waren die Bilder mal sehr viel wert, er konnte gut leben von seiner Arbeit.“ Der emotionale Wert für Waldmann ist dennoch hoch, auch das Nationalmuseum in Nürnberg ist am schriftlichen Nachlass interessiert.
Eigentlich sollte Roloff Architekt werden, so zumindest der Wille seines Vaters, wie es Waldmann heute erzählt: „Schon als Schüler hat er seine Lehrer karikiert, der Vater meinte aber, er solle was Anständiges lernen, und ließ ihn Architektur studieren.“ Roloffs Ausbilder Friedrich von Thiersch fiel auf, dass sein Student ständig Zeichnungen malte, und fragte ihn, warum er nicht Maler werde. Daraufhin setzte sich von Thiersch bei Roloffs Vater ein, dass Roloff Malerei studieren darf.
Neben Landschaften und Porträts war Roloff in seiner frühen Zeit auch Aktmaler. „Eines der bekanntesten, ‚Die grüne Jacke‘, ist leider verschollen. Die Pose darauf erinnert stark an ein Bild von Eva, wie sie Adam den Apfel reicht“, so Waldmann. Zusammen mit weiteren Kunstschaffenden gründete Roloff 1921 „Die Welle“ – eine Freie Vereinigung Chiemgauer Künstler in Prien. An den Schären in Prien-Stock führten sie in einem Pavillon Kunstausstellungen durch. 1933 wurde der Pavillon wieder abgerissen.
Waldmann ließ mehrfach im Register nachfragen und ist heute sicher, dass ihr Großvater nicht Mitglied in der NSDAP gewesen sei. Er sei auch die ganze Zeit im Kirchenvorstand der evangelischen Kirche gewesen. Gleichzeitig gab es auch enge Kontakte zur obersten NSDAP-Riege: Adolf Hitler kaufte Roloff ein Bild für 2.000 Reichsmark ab. Porträtbilder von Roloff, die er für Hinterbliebene anfertigte, passten in die Propaganda und wurden von der Partei umbenannt. Waldmann sieht es heute so: „Wenn man eine Familie hat und wenn man leben will, muss man versuchen, einen Weg zu finden. Und es ist nicht immer gut, nur geradezustehen und zu sagen, da mache ich nicht mit, sondern zu sagen: Also da habe ich eine Möglichkeit, da kann ich schlüpfen, da kann ich dafür jemand anderem helfen.“ Mit seiner Malweise hätte er sich nicht gebeugt, „die passte. Und dennoch gab es Konfrontationen“. Bei einer gemeinsamen Ausstellung zu Roloffs 65. Geburtstag mit der Künstlerin Gabriele Münter ließ Hitler anweisen, die Bilder von Münter abzuhängen. Roloff aber hätte darauf bestanden, dass sie bleiben.
Bilder
fürs Büro
Priens Bürgermeister Andreas Friedrich findet, dass der Markt Prien das „große Glück“ habe, „eine sehr große und vielseitige Kunstsammlung zu besitzen. Mit dieser Sammlung sind natürlich auch gewisse Erwartungen und Pflichten verbunden – wir versuchen beispielsweise durch regelmäßige Ausstellungen, Kunst einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Denn Kunst lebt schließlich nicht davon, dass man die Werke ins Depot sperrt.“ Deshalb hängen in den Büros im Rathaus Bilder und Werke aus der Priener Sammlung.