Unterwössen – Ein weiteres Konzert der Reihe „Musik für die Seele“ und doch war einiges anders. Die Pfarrkirche St. Martin war sehr gut besucht für ein Kurzkonzert. Das Publikum sparte den Applaus nicht bis zum Schluss des Abends auf. Nach jedem Stück brandete Applaus auf. Zu verdanken war der Abend der Harfenistin Silke Aichhorn, die ihr Publikum begeisterte.
Die Traunsteinerin zählt heute zu den meistgebuchten Harfenistinnen überhaupt. 34 CDs im eigenen Label, Gastspiele in Australien, Brasilien, Japan und den USA, der Bayerische Poetentaler, der Förderpreis des Kunstpreises Rheinland-Pfalz, die Auszeichnung als „Kultur- und Kreativpilotin“ durch die Bundesregierung. Aichhorn, das ist eine Weltkarriere, die aus dem Chiemgau stammt.
Das Programm eröffnete ein französisches Musikstück, danach Dvorák mit dem „Lied an den Mond“ aus Rusalka, op. 114. Es folgten Michail Glinkas „Variationen über ein Thema“ aus Mozarts Zauberflöte in Es-Dur, ein Harfenklassiker. Dessen schwebenden Obertöne zupfte Aichhorn nicht, sondern tippte sie zart an, akustisch kaum zu beschreiben. In Béla Bartóks Rumänischen Volkstänzen Sz. 56, Nr. 1, klingt der Stocktanz im Eigenarrangement Aichhorns kantiger und zugleich zarter als im Original. Piernés Impromptu-Caprice op. 9 setzte den schärfsten Kontrast des Abends. Es entfaltet sich die Melodie wie ein langer Atemzug, um dann in Läufe und Akkordkaskaden auszubrechen, in denen die Blicke den flinken Fingern nicht folgen können.
Es folgte ein schöner ruhiger Abschluss mit Ailie Robertsons Sands of Hosta, eine langsame schottische Melodie, entstanden nach einem Spaziergang an einem Strand auf den Äußeren Hebriden. Als Zugabe erklang Johann Sebastian Bachs „Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit“ (BWV 106, Actus tragicus).
Die Konzertharfe entfaltete im Kirchenschiff eine Präsenz, die zwischen zwei Extremen pendelte: mal bombastisch wie ein Orgelsatz, dann wieder so fein, dass man die Atemgeräusche der Zuhörer hörte. Die Musikstücke moderierte Aichhorn selbst an, humorvoll, unterhaltsam, aber auch hilfreich, sich in die Stimmungen hineinzufühlen. Gegen Ende ihr Aufruf: „Live-Konzerte lassen den Oxytocin-Spiegel ansteigen. Das Kuschelhormon stärkt die Immunabwehr.“ Sie rät zur Vorsorge durch Konzertbesuche.
Zwischen den Stücken verknüpfte Musikschulleiter Otto Dufter Musik und Wort. Er las von der Begegnung des kleinen Prinzen mit dem Weichensteller bei Antoine de Saint-Exupéry vom Menschen, der niemals zufrieden ist, wo er ist; und aus Karl Heinrich Waggerls Brevier „Alles Wahre ist einfach“. Lebenskunst aus dem Kloster vermittelte er aus Abt Odilo Lechners Buch „Weite dein Herz“. Die Texte fügten sich ohne Konkurrenz zur Musik in den Abend. Am Ende war es wie immer nach Aichhorns Konzerten: Sie blieb. Um ihre Harfe sammelte sich eine Traube an Neugierigen. Die Künstlerin beantwortete Fragen, erklärte ihr Instrument und erzählte aus dem Alltag einer Harfenistin. lfl