Traunstein – Dass Volksharfen aus Traunstein einmal in Japan, Australien, Südafrika oder in Indien gefragt sein würden, das hätte sich Karl Fischer senior (1912 – 2007) nicht im Traum gedacht. Kurz nach Kriegsende, 1946, hatte der ehemalige Wasserbauingenieur und gelernte Instrumentenbauer mit seiner Frau den Betrieb im 1875 gegründeten Musikhaus Fackler am Stadtplatz wieder aufgenommen. In jahrzehntelangem Engagement wurde das Familienunternehmen eine der ersten Anlaufstellen für Musiker und Instrumentalisten aus der ganzen Region.
Jubiläum mit Einblick
in die Werkstatt
1976, vor rund 50 Jahren, begründete Fischer zudem den Harfenbau mit eigener Werkstatt und Saitenspinnerei. Inzwischen ist daraus eine der renommiertesten Werkstätten für Harfenbau zwischen München und Salzburg geworden. Mehr als 5.000 Instrumente – irische, Volksharfen und Schulharfen für Kinder – haben inzwischen Kunden aus aller Welt gefunden.
Das 50. Jubiläum der Fischer Harfen feierte das in fünfter Generation geführte Familienunternehmen in Traunstein nun mit einem großen Programm. Im Rahmen einer gut bestückten Ausstellung waren historische und außergewöhnliche Harfen aus der hauseigenen Sammlung zu sehen. Eine Zeitschiene verdeutlichte die mehr als 5.000-jährige Geschichte der Harfe als eines der ältesten Instrumente. Die Installation „Anatomie der Harfe“ zeigte einen Blick in das Innenleben und die Einzelteile des Instruments mit dem „himmlischen“ Klang.
Auch die Werkstatt hatte ihre Tore geöffnet. Dort konnte man „live“ miterleben, wie die Schnitzerin Friederike Motz einen Harfenkopf aus Holz kunstvoll gestaltet. In der hauseigenen Saitenspinnerei wurde das Entstehen einer Harfensaite gezeigt. Passend zur Ausstellung der sieben Modelle von Fischer Harfen gab die Traunsteiner Meisterharfenistin Silke Aichhorn im Rahmen von Kurz-Workshops Einblick in die Spieltechnik.
Den Anstoß zur Begründung des Harfenbaus gab für Karl Fischer senior – selbst begeisterter Liebhaber der Volksharfe – die wiederholte Nachfrage nach dem Instrument im Musikhaus.
Damals gab es in Bayern und Österreich nur noch wenige, die dieses Handwerk beherrschten. Fischer ließ es sich zeigen.
„Er hat es geschafft, als Ingenieur und Instrumentenbauer altes Handwerk mit der Weiterentwicklung und neuer Konstruktion zu verbinden und so ein eigenes Instrument auf die Füße zu stellen“, sagt Thomas Fischer mit Stolz über seinen Großvater. Inzwischen ist er selbst Werkstattleiter. Dabei steckt viel Handarbeit in jeder Harfe. Allein im Hals müssen mehr als 900 Teile verbaut und in Kleinarbeit eingesetzt werden. Rund 125 Arbeitsstunden braucht eine Harfe, bis der letzte Handgriff getan ist.
Altes Handwerk
und neue Konstruktion
Und so ist die Traunsteiner Werkstatt auch weiterhin ein Garant dafür, dass die Kunst des Harfenspiels nicht ausstirbt, sondern Musikliebhaber erfreut und den Nachwuchs begeistert.