Unterwössen – Es hätte ihn wie ein Blitz getroffen, schmunzelt ein Radler, der in der Abendsonne von der Feldlahnalm kam. Der Sonnenstrahl der untergehenden Sonne spiegelte sich im neuen Kupferdach der Kuratiekirche Mariä Sieben Schmerzen.
Das neue strahlende Dach im Kupferglanz ermöglichten Wahloberwössner, die Eheleute Karl und Brigitte Gabriel, mit einer privaten Spende von 150.000 Euro. Den entscheidenden Anstoß gab ein Mann, der die Fertigstellung nicht mehr erlebte: Georg „Schorsch“ Aberger.
Neue Heimat
im Achental
Seit 28 Jahren leben die Gabriels in Oberwössen. Beide haben ihr Berufsleben im Ruhrgebiet verbracht. Karl Gabriel war Beigeordneter der Stadt Essen, seine Frau Brigitte gehörte dort über zwei Jahrzehnte dem Stadtrat an.
Im Achental fanden sie eine neue Heimat. Schnell fanden die vielseitige interessierten und immer hilfsbereiten Neubürger Anschluss und Freunde. Die Jahre gingen voran, die Eheleute Gabriel schränkte das Alter immer mehr ein. Der Hilfsbereitschaft der Nachbarschaft für sie und im Dorf tat das keinen Abbruch. Sie begannen sich Gedanken zu machen, wie sie ihr Vermögen sinnvoll für diese so geliebte Gemeinschaft einsetzen könnten. Sie suchten Rat bei Georg Aberger. Dessen Antwort fiel nüchtern aus. Sein Vorschlag: das sanierungsbedürftige Dach des Kirchenschiffes der Kuratiekirche zu erneuern. Dass der Sanierungsbedarf dringend war, hatte Spenglermeister Andreas Voit bereits vor Jahren festgestellt, als er für den Jahresbericht über die Substanz der kirchlichen Gebäude um fachmännischen Rat gebeten wurde. Voit rief auf, mit dem Aufbau von Rücklagen zu beginnen, weil eine Dachsanierung unabwendbar werde. Später bestätigte ein Architekt der Diözese das fachmännische Urteil. Ziegel waren gebrochen oder porös, Flechtenbewuchs hatte sich ausgebreitet.
Seit der Originaleindeckung im Baujahr 1957 waren keine größeren Dacharbeiten durchgeführt worden. Bei den Eheleuten Gabriel zündete die Idee des Georg Abergers. Karl Gabriel findet, die Kirchgänger haben etwas davon, wenn ihre Kirche geschützt ist. Die anderen erfreuen sich an der das Ortsbild prägenden schmucken Kirche, sieht er. Für Brigitte Gabriel ergibt es Sinn, wenn ein neues Dach die gerade frisch im Innenraum renovierte Kirche schützt. Die Gabriels griffen den Gedanken auf. Der Beschluss fiel. Georg Aberger hat ihn noch erlebt.
150.000 Euro, so ergab eine grobe Schätzung der Fachleute um Kirchenpfleger Florian Aberger. Die Eheleute Gabriel sagten die Summe zu und überwiesen sie aus privatem Vermögen unter der Auflage, innerhalb von zwei Jahren das Dach zu erneuern. Die Kirchenverwaltung kümmerte sich um die organisatorische Vorbereitung. Weil Kupfer teuer war, wurde das Material frühzeitig reserviert. Die Wahl fiel bewusst auf Kupfer. Bereits das Dach des Kirchturms, die später angebaute Sakristei sowie ein Teil des Kirchenschiffs waren damit gedeckt.
Nach Angaben der Erzdiözese verspricht man sich von der neuen Eindeckung eine Lebensdauer von rund 100 Jahren. Die ausführende Firma Toni Meier aus dem Nachbarort Reit im Winkl aktualisierte zugleich die Blitzschutzanlage. Den Dachstuhl musste sie nicht anfassen.
Vergelt’s Gott für
das große Geschenk
Die Gesamtkosten lagen etwas über der Spendensumme. Den verbleibenden Betrag trägt die Oberwössner Kuratiestiftung. Zuschüsse oder Fördermittel gibt es nicht. Die Zeit wird es bringen, dass das Kupfer nachdunkelt und später die typische grüne Patina ansetzt.
Pfarrer Martin Straßer: „Eine Kirche besteht nicht allein aus Mauern und einem Dach – sie lebt durch die Menschen, die sich mit ihr verbunden fühlen und Verantwortung übernehmen. Die großzügige Spende des Ehepaars Gabriel ist für die Kirchengemeinde ein großes Geschenk und zugleich ein berührendes Zeichen christlicher Nächstenliebe und tiefer Heimatverbundenheit. Vergelt’s Gott!“