Landkreis Traunstein – 25. März 2026: Die Kreistagswahl liegt gut zwei Wochen zurück und die Bürgermeisterstichwahlen sind gerade geschlagen. Die Spitzen des CSU-Kreisverbands ziehen in einer Online-Konferenz ihr Fazit. In den vier Städten im Landkreis Traunstein konnte die Partei ihre Bürgermeisterposten halten, oft überraschend stark. Aber im Kreistag verlor man drei Sitze, und landete als stärkste Fraktion bei knapp 34 Prozent. Das allein wäre für die Partei wohl noch verkraftbar gewesen, aber bekanntermaßen musste Traunsteins CSU im vorigen Jahr auch schon den Posten des Landrats abgeben – an die Freien Wähler.
Die schriftliche Zusammenfassung jener Konferenz, die chiemgau24.de vorliegt, offenbart nun, wie angriffslustig zumindest damals die Stimmung in der CSU-Spitze war. Eine „sturmbetonte Taktik“ solle die Fraktion im Kreistag fahren und „möglichst ohne die Freien Wähler zusammenarbeiten“. Weiter heißt es zur „geplanten Richtung der CSU-Fraktion“ wörtlich: „CSU-Leute werden an sämtlichen Posten positioniert, die eine mögliche Gefahr für Danzer ausstrahlen – maximale Verunsicherung!“ Wie ein roter Faden zieht es sich durchs ganze Papier: Die Freien Wähler und Landrat Andreas Danzer kommen ins Visier.
Seit der Wahl im Sommer 2025 herrsche angeblich „Unruhe im Landratsamt: Danzer scheint überfordert“, munkelt man. Zustimmung kommt von einem CSU-Bürgermeister. Laut Protokoll erzählte er ein „Beispiel für die Ahnungslosigkeit des Landrats“. Und weil es „klare Signale“ gebe, dass die Freien Wähler „bisher keinen Weg zur CSU“ suchen würden, müsste man sich andere Kooperationspartner suchen: SPD und Grüne. Mit ihnen wäre eine Mehrheit im Kreistag möglich, „und die Verhandlungen (…) laufen positiv“. Aber, wird umgehend gewarnt: „In der Öffentlichkeit sollte nicht der Eindruck entstehen, dass eine ‚schwarz-grüne‘ Koalition auf Kreisebene entsteht.“ Die Süddeutsche Zeitung berichtete zuerst über das Thema.
Auf das Strategiepapier angesprochen, wollen sich CSU-Kreisvorsitzender Siegfried Walch und Fraktionschef Josef Mayer „nicht zu internen Sitzungen äußern“. Aber: Die damalige Konferenz am 25. März sei unter dem Eindruck gestanden, die Freien Wähler „wollten alles gegen die CSU organisieren“. Neben „vielen Zwischentönen“, die im Wahlkampf oft entstünden, wolle man jetzt wieder nach vorn gehen – „gemeinsam mit den anderen Parteien“. Ziel sei es, „pragmatisch und konstruktiv quer über alle Parteigrenzen hinweg, zum Wohle unserer Heimat, zusammenzuarbeiten“. Schon kurz nach der verlorenen Landratswahl hieß es in einer CSU-Pressemitteilung kämpferisch: „An uns führt kein Weg vorbei. Wir bieten konstruktive Kooperation an – aber nur mit unserer Handschrift.“ Angefragt wurden auch die Fraktionen von SPD und Grünen, mit denen die „Verhandlungen“ laut CSU-Papier „positiv verlaufen“. Die SPD reagierte bis zum Redaktionsschluss nicht auf unsere Anfrage. Beim Grünen-Fraktionssprecher Sepp Hohlweger löst die öffentlich gewordene Taktikbesprechung aber eher Kopfschütteln aus. „Kein Ausdruck sachorientierter Kreispolitik“ sei das CSU-Strategiepapier. Überhaupt werfe es „grundlegende Fragen zum politischen Stil und zum Verständnis demokratischer Zusammenarbeit auf“. Vor allem sei die Befürchtung der CSU unbegründet, es könne der Eindruck einer angeblichen „schwarz-grünen Koalition“ im Kreistag entstehen: Vor der konstituierenden Kreistagssitzung hätten „CSU, SPD und kleinere Gruppierungen eine klare Anti-Grünen-Linie verfolgt“.
Und Landrat Andreas Danzer selbst? Der hält sich zurück und will sich „an Spekulationen über parteiinterne Diskussionen grundsätzlich nicht beteiligten“ – die sachliche Arbeit für den Landkreis stehe im Mittelpunkt. Er betont abermals seine Rolle als „Teamplayer“ und dass er im Kreistag mit allen Fraktionen zusammenarbeite. Unterschiedliche Positionen seien selbstverständlich, „entscheidend ist für mich aber, dass am Ende Verantwortung übernommen und gemeinsam nach tragfähigen Lösungen gesucht wird“, so Danzer wohl auch mit Blick in Richtung CSU-Fraktion. Ob sich die Wogen inzwischen geglättet haben? Zumindest die konstituierende Sitzung des Kreistages im Mai macht Hoffnung. Bereits im Vorfeld einigten sich die Fraktionen auf die Stellvertreter des Landrats. Christian Hümmer von der CSU wurde als erster Stellvertreter gewählt und hinter ihm Martin Bartlweber (FW), Hans-Peter Dangschat (CSU), Stefan Kattari (SPD) und Katharina Hallweger (Grüne). Die Wahl ging im Kreistag gänzlich geräuschlos und harmonisch über die Bühne, genauso wie auch die erste Kreisausschusssitzung. Angesichts des Waldbrandes bei Ruhpolding war aber ohnehin erstmal Zusammenhalt angesagt.