Heimatpfleger Dr. Kristian Krammer führte Besucher durch die Fanderl-Ausstellung.Fotos Eder
Bergen – Wer hat sie nicht gesungen, die Schnadahüpferl und vor allem „Da drobm auf´n Bergei“? Doch wer weiß schon, dass diese Volkslieder, die früher in der Schule geträllert wurden, dem Wastl Fanderl zu verdanken sind?
Eine interessante Ausstellung über das Leben des Wastl Fanderl, der als Bewahrer der Volksmusik gilt und diese in die weite Welt getragen hat, ist noch bis zum 7. Juli in der Tourist-Information montags bis donnerstags von 8 bis 12 Uhr und von 13.30 bis 17 Uhr sowie freitags von 8 bis 12 Uhr zu sehen und auch zu hören. Die Ausstellung trägt den Titel „Ein Leben für die Volksmusik“ und ist dem Volksmusikpionier Wastl Fanderl gewidmet. Sie wird von vielen Begleitveranstaltungen umrahmt.
Fröhliche Eröffnung
im Sinne Fanderls
Die gelungene Ausstellungseröffnung war von fröhlicher Stimmung geprägt. Ganz im Sinne Fanderls, dem es wichtig war, Menschen zusammenzubringen und zum Singen zu animieren, gelang dies auch Ernst Schusser, Volksmusikpfleger und Volksmusikforscher, gemeinsam mit Eva Bruckner bei der Einführung in die Ausstellung.
Ortsheimatpfleger Dr. Kristian Krammer holte die Ausstellung nach Bergen, in die Gemeinde, in der Wastl Fanderl geboren, gewirkt, gesungen und gelebt hat. Er erklärte, dass die Gemeinde mit dieser Ausstellung die Reihe der Veranstaltungen rund um Fanderl fortsetzte. So gab es 1935 ein großes Musikantentreffen in Bergen, damals organisiert vom 19-jährigen Fanderl, mit einer so großen Beteiligung, dass zwei Säle kaum ausreichten. Eine Ausstellung „Wastl Fanderl“, geleitet von Georg Heindlmeier, folgte 1997. Zum hundertsten Geburtstag Fanderls gab es 2015 den Jubiläumsabend „100 Jahre Wastl Fanderl“ im Festsaal. Nun, elf Jahre später, widmet sich diese große Ausstellung dem Leben des Volksmusikbewahrers, dank der Initiative von Eva Bruckner und Ernst Schusser, die im Zusammenwirken mit dem Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern die Ausstellung gestaltet haben.
Bürgermeister Andreas Schultes erinnerte sich an seine Kindheit, als im Radio die Sendung von Fanderl lief. Er bezeichnete Fanderl als Sammler, Bewahrer und Vermittler, der gespürt habe, dass Volksmusik nicht im Archiv lebt, sondern in den Herzen der Menschen. In der schnelllebigen Zeit sei die Volksmusik lebendig, ehrlich und bodenständig. Sein Dank galt dem Ortsheimatpfleger für das großartige Engagement. Ernst Schusser fügte an, dass Gemeinschaft wichtig sei und es folglich zur Ausstellung eine Reihe von Begleitveranstaltungen gebe. Unter anderem werde auch gemeinsam mit den Schulkindern gesungen.
Einblicke in
ein bewegtes Leben
Mit Kristian Krammer ging es durch die reichlich bebilderte und beschriebene Ausstellung, die die verschiedenen Stationen des Bergeners, der von 1915 bis 1991 lebte, aufzeigt. Sie beginnt mit Fanderls Kindheit in Bergen, wo er lebte und das Friseurhandwerk erlernte, und führt über die Nachkriegszeit und den Aufbruch in eine neue Ära mit Radio und Fernsehen bis hin zu seinen Reisen in die Welt. Beschrieben werden auch seine bekannten Wegbegleiter und seine spätere Arbeit als erster Volksmusikpfleger des Bezirks Oberbayern. Krammer konnte sich gut daran erinnern, wie er als sechsjähriger Bub in das Schreibwarengeschäft der Fanderls geschickt wurde, um für den Lehrer die Zeitung zu holen. So wie Krammer können sich in der Gemeinde noch viele an die Fanderls erinnern. Die Ausstellung zeigt einen charismatischen Menschen, dem es gelang, andere zu begeistern und Menschen zusammenzuführen. Doch nur durch die imposante Ausstellung mit ihren vielen Ausstellungsstücken zu gehen, war Ernst Schusser zu wenig, und so rief er alle in den Konferenzraum. Schließlich war die Bewahrung der Volksmusik Fanderls Lebensaufgabe.
Das Dorf der
Tausend Lieder
Schusser informierte, dass meist zweistimmig gesungen wurde, es dann aber mit den Bühnenauftritten dreistimmig wurde. Ein neues Lebensgefühl kam mit der Volksmusik auf, das sich auch in den Strickbüchern und dem Fanderl Strick widerspiegelt – einem feingestrickten Band, das zur Schleife um den Hals getragen und von Ehefrau Lisl Fanderl entwickelt wurde.
Schusser wusste zudem, dass Bergen früher als „das Dorf der Tausend Lieder“ bezeichnet wurde und erinnerte dabei an die Volksmusik-Singwoche in Bergen im Jahr 1936.
Vielfältiges
Rahmenprogramm
Die Ausstellung bietet vieles zu entdecken, unter anderem eine Hörstation mit verschiedenen Liedern. Sie ist zu den Öffnungszeiten der Tourist-Information zu besuchen. Darüber hinaus gibt es weitere Begleitveranstaltungen: Am Donnerstag, 11. Juni, steht eine Führung mit Ernst Schusser und Kristian Krammer um 18 Uhr auf dem Programm. Im Anschluss wird unter dem Motto „Wastl Fanderl und seine Lieder“ mit Eva Bruckner gesungen.
Am Montag, 15. Juni, führen die beiden Experten Schusser und Krammer um 18 Uhr durch die Ausstellung. Im Anschluss daran werden drei Filme der ARD-Reihe „Bairisches Bilder- und Notenbüchl aufgeschlagen von Wastl Fanderl“ gezeigt.
Am Donnerstag, 18. Juni, gibt es erneut eine Führung und im Anschluss eine öffentliche Probe des Singkreis Bergen.
Am Montag, 22. Juni, und Dienstag, 23. Juni, sind Kinder zu Führungen und zum Singen eingeladen.
„Wie´s früher war“, so erzählen Zeitzeugen über die Volksmusik, die Singwochen und Fanderl in Bergen, am Sonntag, 28. Juni, um 14 Uhr im DaCapo. Dies dürfte ein besonders spannender und informativer Nachmittag werden.
Am Mittwoch, 1. Juli, gibt es wieder eine öffentliche Führung um 18 Uhr. Um 19 Uhr geht es unter dem Motto „Hirankl Horankl“ um die Volksmusik in den 1930er-Jahren in Bergen und im Chiemgau.
Zum Abschluss der Veranstaltungsreihe wird gesungen und erzählt.