Prien – 21.000 Kilometer durch fünfzehn Länder in 509 Tagen ist Darius Braun geradelt. Die Leistung an sich ist schon bewundernswert. Wenn der 37-Jährige darüber spricht, was ihn motiviert hat, sich seinen Lebenstraum, eine Reise durch Nord- und Südamerika, zu erfüllen, spürt man, dass hinter der sportlichen Leistung eine ganz besondere innere Stärke und eine von Grund auf positive Haltung zu sich und anderen steckt. Auf seiner „Mutmacher“-Tour machte Braun jüngst Station in der St.-Irmingard-Klinik und machte auch hier den Patienten Mut.
Schicksalsschlag
in jungen Jahren
Er war gerade 15 Jahre alt, ein begeisterter Sportler und ein Ruder-Talent mit der Aussicht auf eine Sportkarriere im Ruder-Achter, als er die Diagnose bekam, dass er einen „Tennisball großen Gehirntumor hat“. Der Tumor war nicht nur von schrecklichen Kopfschmerzen begleitet, die am Ende unerträglich wurden, sondern auch von motorischen Ausfallerscheinungen, die letztlich sein Sprechen und Sehen beeinflussten. Andere Schüler mobbten ihn deshalb, und als er die Diagnose bekommen habe, sei er erst einmal „erleichtert“ gewesen.
Doch nach der achtstündigen Operation wachte er auf und konnte nicht mehr sprechen und war halbseitig gelähmt. Ein behandelnder Arzt erklärte ihm, dass er nie ein normales Leben werde führen können, dass das Leben, wie er es gekannt habe, für ihn vorbei sei. „Ich bin jetzt schwerbehindert“, war anfangs sein einziger Gedanke. Dann folgte aber ein anderer: „Euch werde ich´s zeigen!“, so Braun.
Der unbändige Wille
zurück ins Leben
Er machte den Schulabschluss nach und konnte nach zwei Jahren wieder halbwegs laufen, als er bei einem Urlaub auf Mallorca mit der Familie kletterte, abstürzte und sich einen Arm komplett zertrümmerte. Doch auch hier kämpfte sich Braun wieder zurück ins Leben. Nach Hochschulreife, Lehramtsstudium und Lehrerdasein merkte er trotzdem schnell, „dass ich in das System Schule nicht hineinpasse, obwohl ich unheimlich gerne mit Kindern arbeite und Kinder liebe“. Auf einer Reise durch Südostasien lernte er einen Pfarrer kennen, der ihn dazu aufforderte, mit seiner Geschichte auch anderen Menschen Mut zu machen, und einen Psychologen, der darauf bestand, dass er dies tun müsse: „Wenn Sie Ihre Geschichte nicht erzählen, dann ist das unterlassene Hilfeleistung.“
So motiviert packte Braun seinen frühen Jugendtraum an und beschloss, mit dem Fahrrad durch Nord- und Südamerika zu radeln. Dabei hatte er die Idee, Spenden für den „Bunten Kreis“ zu sammeln, eine Organisation, die Familien bei der Nachsorge von schwerst kranken Kinder hilft.
Geburtsstunde der
„Mutmacher“-Tour
Neben den Eindrücken seiner Reise, den interessanten Menschen und den tiefen Erfahrungen, die er in diesen 509 Tagen machte, ließ er die Zuhörerschaft nie darüber im Unklaren, welche Tiefen er auch auf seiner Reise zu meistern hatte. Und diese gingen schon gleich zu Beginn los, denn sein besonderes Fahrrad mit stabilem Stahlrahmen (immerhin hatte er jeden Tag Gepäck mit rund fünfzig Kilo dabei) war am Ende der Flugreise nicht mit ihm in Kanada gelandet.
„Man muss flexibel sein und vor allem einen klaren Kopf bewahren“, riet er den Patienten, wenn sie in eine Situation kämen, in der eine Lösung noch nicht absehbar sei. Sich zu motivieren basiere auch darauf, nicht in der Vergangenheit zu leben und sich nicht immer auf die eigenen Fehler zu konzentrieren. „Schauen Sie lieber darauf, was Sie geschafft haben“, gab er ihnen außerdem mit auf den Weg.
Wie schwer dies manchmal sei, konnte das Publikum sozusagen über die Stirnkamera „live“ miterleben. Braun hatte tagelang in Argentinien mit heftigem Gegenwind, Sturm und Sand zu kämpfen, war bei Temperaturen knapp über null Grad einsam und allein, ohne Navi auf sumpfig-matschigen Feldwegen im Nirgendwo unterwegs. Durch die Begegnung und den Wanderausflug mit zwei jungen Patienten lernte er, dass man nachsichtiger mit sich sein sollte.
Herausforderungen
und wertvolle Lektionen
„Kommunizieren Sie offen! Lassen Sie andere wissen, wenn Sie merken, dass Sie nicht mehr können oder einfach eine Pause brauchen“, unterstrich Braun und betonte, dass es vielleicht sogar noch wichtiger sei, Empathie zu zeigen, wenn jemand seine Schwäche offenbare. „Man muss das Ego auch zurückstellen können!“, so sein Tipp.
Der Motivationstrainer und Buchautor beantwortete nach dem Impulsvortrag noch zahlreiche Fragen des Publikums und wird nach der St.-Irmingard-Klinik in Prien die Medical-Park-Klinik in Bischofswiesen besuchen, um einen Vortrag zu halten. Natürlich mit dem Fahrrad.