Bus auf Bestellung

von Redaktion

„Traudl“ heißt der neue Rufbus in vier Chiemsee-Gemeinden, der den Nahverkehr ergänzt und Teilhabe bietet. Wie der Service funktioniert und was er kann, zeigt eine Probefahrt mit Bürgermeister Stefan Kattari in Grassau.

Grassau – „Traudl, dein Bus auf Bestellung“, so strahlt es dem Betrachter auf großen Plakaten in den Gemeinden Grassau, Grabenstätt, Übersee und Chieming entgegen. Die Plakate weisen auf das neueste Serviceangebot der Gemeinden hin: Die Traudl, ein Rufbus, der nicht nur den öffentlichen Nahverkehr ergänzt, sondern auch Teilhabe bietet. Doch wie funktioniert diese Traudl, wer darf und kann mitfahren, wo sind die Grenzen? Die Chiemgau-Zeitung ging mit Bürgermeister Stefan Kattari auf Probefahrt.

Schnelle
Registrierung

Vor der Fahrt muss die Traudl gebucht werden. Das gelingt telefonisch oder per App. Dafür muss der QR-Code gescannt oder die Traudl-Homepage besucht werden, um auf die Seite des Anbieters zu gelangen. Anschließend werden Name und E-Mail-Adresse abgefragt. Mit der sofort zugeschickten Zahlenkombination, die auf der Seite des Anbieters eingetragen wird, ist die Registrierung abgeschlossen. Die Registrierung und die folgenden Schritte sind selbsterklärend und einfach. Gefragt wird, zu welcher Zeit der Rufbus benötigt wird. Auf dem Handy des Bürgermeisters zeigte sich jedoch, dass keine Traudl zur Verfügung stand. Der Grund: Ein Linienbus fuhr zeitnah, und dieser hat Vorrang, zumal die Haltestellen am Rathaus eng beieinanderliegen. Nach Eingabe eines anderen Zeitpunktes kam die Bestätigung mit der Angabe, wann der Bus an der Haltestelle sei.

Bürgermeister Stefan Kattari erklärte, dass es im Gemeindegebiet Grassau 60 Haltestellen gibt und somit niemand weiter als 400 Meter zu einer dieser Traudl-Haltestellen gehen müsse. Bei Bedarf, insbesondere für mobil eingeschränkte Personen, kann eine Haltestelle hinzugefügt werden. Gekennzeichnet sind diese Haltestellen durch ein blaues Schild mit der Aufschrift Traudl.

Nach wenigen Minuten traf der schwarze Mercedes-Kleinbus mit der Aufschrift Traudl ein. Die Türen öffneten sich automatisch, und Fahrer Thomas Schmidt begrüßte seine Fahrgäste mit einem freundlichen „Grüß Gott“. Schmidt fragte, ob er beim Einsteigen behilflich sein solle. Auf seinem Diensthandy waren ihm bereits das Ziel des Gastes sowie die kürzeste Route angezeigt worden. Nachdem kontrolliert wurde, ob die Fahrgäste angeschnallt waren, ging es los – dieses Mal zum Quartier der zwei Kleinbusse, die als Traudl-Busse von 6 bis 22 Uhr täglich unterwegs sind.

Platz ist für
sechs Personen

Schmidt erklärte, dass auf halber Wegstrecke ein weiterer Fahrgast zusteigen würde, der ebenfalls nach Rottau wollte. Platz ist im Bus für sechs Personen. Sechs Fahrer sind fest angestellt. Weitere Fahrer in Teilzeit und auf Minijob-Basis ergänzen die Mannschaft. Der schwarze Kleinbus ist noch nicht sehr auffällig; lediglich die Schrift auf der Motorhaube lässt erkennen, dass es sich um die Traudl handelt. Laut Schmidt sind diese zwei Busse nur vorübergehend im Einsatz, bis die eigentlichen Traudl-Busse geliefert werden. Diese werden dann mit mehr Werbung versehen und offensichtlicher zu erkennen sein. Beim nächsten Halt stieg ein Mann zu. Bezahlt wird direkt bei Herrn Schmidt. Die Fahrt kostet 2,50 Euro. Eine Bezahlung sei auch mit Karte oder PayPal möglich, berichtete Schmidt.

Am ehemaligen Feuerwehrhaus Rottau angelangt, zeigte der Fahrer die Garage, die Platz für die beiden Fahrzeuge und eine Brotzeitecke für die Fahrer bietet. In der Pause kann hier eine Tasse Kaffee getrunken und sich ausgetauscht werden. „Wir stellen die Garage gerne zur Verfügung“, betonte Bürgermeister Kattari. Derzeit sind zwei Busse im Einsatz, mit der Option auf einen dritten, je nachdem, wie gut das Angebot angenommen wird. Ein drittes Fahrzeug hätte ebenfalls noch Platz. In der Garage werden die Fahrzeuge auch gereinigt und für die nächste Fahrt hergerichtet.

Interessant war zu erfahren, welche Informationen dem Chauffeur auf seinem Handy angezeigt werden. „Ich weiß den Vornamen meines Fahrgastes und habe auch dessen Handynummer. Zudem weiß ich, wie viele Personen mitfahren, und mir wird natürlich die Haltestelle mit Navigation dorthin angezeigt“, erklärte er. „Sollte ich mich verspäten, kann ich die Person anrufen und mitteilen, dass es später wird oder auch nachfragen, falls die Person nicht an der Haltestelle angetroffen wird. Wenn möglich, kann ich dann auch noch etwas warten, bis der Fahrgast kommt“, erklärte er. Die Kommunikation ist einfach und vertrauensvoll, überlegt und empathisch.

Weiter erklärte Schmidt, dass Fahrgäste mit einem Schwerbehindertenausweis kostenlos mitfahren und für alle anderen die Fahrt bis vier Kilometer 2,50 Euro kostet. Der Preis sei je nach Entfernung gestaffelt. Doch was ist, wenn ein Fahrgast auf den Rollstuhl angewiesen ist? Auch das ist für den freundlichen Fahrer kein Problem. Er öffnet die Heckklappe und zieht eine Rampe heraus. Bequem kann der Rollstuhl in das Fahrzeug fahren, wird dort gut gesichert, und schon geht es weiter. Dies ist in wenigen Augenblicken erledigt.

Schmidt erzählte, dass er Fahrgäste hatte, die so begeistert waren, dass sie den Rufbus gleich an zwei Tagen zu einem Ausflug zum Chiemsee gebucht haben. Kattari erklärte, dass die Traudl natürlich auch von den Feriengästen gebucht werden kann. Eine Fahrt zum Überseer Bahnhof ist dann sehr unkompliziert. „Wir sind dem Landkreis sehr dankbar für die fachlich so kompetente Begleitung bei der Umsetzung“, fügte Bürgermeister Kattari hinzu. Vor allem das Fachgebiet Mobilität habe sich dabei ausgezeichnet.

„Serviceleistung
an unsere Bürger“

Die Traudl wird gefördert, aber auch die Gemeinden leisten einen finanziellen Aufwand in sechsstelliger Höhe. „Das ist eine Serviceleistung an unsere Bürger“, so Kattari. Die Demografie zeigt zudem, dass die Bevölkerung nicht jünger wird und Mobilität wichtig ist – sei es für die Fahrt zum Arzttermin, den Besuch von Freunden oder zu Veranstaltungen und zum Einkauf. Mobilsein bedeutet Freiheit, Teilhabe und Selbstbestimmung. Das Fazit: Die Traudl ist sehr einfach zu buchen und angenehm zu fahren. Auch Bürgermeister Kattari würde das Angebot nutzen.

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