Gut Hitzelsberg wartet auf Angebote

von Redaktion

Paukenschlag nach der Ablehnung der Chaletdorf-Pläne in einem Bürgerentscheid vor anderthalb Jahren

Bernau – „Gutshof mit Vision für ChaletDorf“ – die Überschrift des Luxus-Immobilien-Experten Immovision in einer Werbemail lässt sofort die Alarmglocken schrillen. Es wird sich bei dem Verkaufsobjekt doch nicht etwa um das legendäre Gut Hitzelsberg handeln? Eine Rückfrage der Chiemgau-Zeitung bei Immovison-Chef Oliver Herbst und das Exposé bringen Gewissheit: Es geht bei der Anzeige tatsächlich um den „Gutshof mit unzähligen Nebengebäuden und eigener, privater Ringstraße“ hoch über Bernau. Wohn- und Nutzfläche inklusive Pavillon und Fitness-Alm: rund 2.450 Quadratmeter mit 140.232 Quadratmetern Grund. Alles mit traumhaftem Fernblick auf den Chiemsee und die Chiemgauer Alpen. Und mit einer Vorgeschichte, die über den Chiemgau hinaus Schlagzeilen geschrieben hat.

„Saftige Klatsche
für den Tourismus“

Am 24. November 2024 entschied eine hauchdünne Mehrheit von 52,8 Prozent der Bernauer, dass das vom Besitzer Herecon geplante Chalet-Dorf nicht gebaut werden darf. Danach war von einer „saftigen Klatsche für den Tourismus“ im Chiemgau die Rede. Es gab schwere Vorwürfe von Herecon-Chef Heiner Englert gegen zwei Gemeinderäte wegen vermeintlichen „Interessenskonflikten und Halbwahrheiten“ im Umfeld des Bürgerentscheids. Beide – Matthias Vieweger (CSU) und Josef Genghammer (Grüne) – wurden bei der Kommunalwahl am 6. März 2026 wieder in den Bernauer Gemeinderat gewählt. Heiner Englert wiederum hat sich nach langer Bedenkzeit in Folge der „harten Niederlage“ beim Bürgerentscheid nun entschlossen, den Firmensitz des Immobilien-Projektentwicklers zum Verkauf auszuschreiben. Die Idee entstand bei einem Gespräch mit dem Luxus-Immobilien-Experten Herbst, den Englert seit 30 Jahren kennt.

„Der Hitzelsberg ist einzigartig und wirtschaftlich macht der Leerstand von Räumen keinen Sinn. Wir wollen deshalb alle Möglichkeiten auf dem Markt testen“, sagt Englert im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung: „Ein Verkauf würde aber nur dann Sinn machen, wenn ein vernünftiges Angebot hereinkommt.“

Vernünftig aus Sicht des Verkäufers und Maklers dürfte eine Summe im mittleren zweistelligen Millionenbereich sein. Wie zu hören ist, war ein Verkauf an einen Privatmann schon einmal recht nahe, aber am Ende entschied sich Englert doch dagegen. Wohl auch deshalb, weil er noch andere Möglichkeiten austesten will, mit dem Gut Hitzelsberg Geld zu verdienen. Der Geschäftsführer spricht von „B2B-Events, Ausstellungen und Hausmessen“. Eine sicher gewinnträchtige Vermarktung als private Hochzeits-Location schließt er dagegen aus: „Da gab es unzählige Anfragen in den vergangenen sieben Jahren, die wir abgelehnt haben.“

Es ist im Gespräch spürbar, dass Englert am Gut Hitzelsberg hängt. Nicht nur deshalb, weil er selbst in Bernau wohnt und den „kurzen Arbeitsweg schätzt“. Bernaus Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber lobt das trotz der schwierigen Vorgeschichte „sehr offene Verhältnis“ mit dem Herecon-Boss. Über die Verkaufs-Anzeige für das Gut Hitzelsberg („Völlig legitim“) ist sie informiert. Biebl-Daiber betont explizit, dass man das Ergebnis des Bürgerentscheids weiterhin respektiere – was auch dadurch bewiesen werde, dass der Hitzelsberg unter Schutz gestellt worden sei. Aber die Ortschefin gibt auch zu, dass eine mögliche Veräußerung und der mögliche Wegzug der Firma Herecon bei ihr alle Alarmglocken schrillen lässt.

„Großer Schaden
für Bernau“

„Das ist der beste Gewerbesteuer-Zahler im Ort. Es wäre wahnsinnig bitter und ein großer Schaden für Bernau“, sagt sie im Telefon-Interview mit der Chiemgau-Zeitung aus dem Familien-Urlaub. Aus gut informierten Kreisen wird eine hohe sechsstellige Summe nahe der Millionengrenze genannt, die Herecon jährlich an die Gemeinde entrichtet. Das wären etwa 20 Prozent der Steuer-Einnahmen der Gemeinde. Falls Englerts Firma also umziehen würde, könnte das dramatische Folgen für den Haushalt der Gemeinde haben. Schließlich müssen derzeit Millionen-Großprojekte wie die Grundschul-Erweiterung oder der Feuerwehr-Anbau gestemmt werden.

Englert erklärt dazu, dass er auch für 2025 eine hohe Summe an Gewerbesteuer an Bernau abführen werde: „Ich mache das gern, weil es ja auch dafür spricht, dass wir wirtschaftlich erfolgreich waren.“

Trotz des Verkaufsangebots für das Gut Hitzelsberg erklärt er, dass er nichts „dagegen habe, mit Herecon in Bernau“ zu bleiben. Als Immobilien-Profi habe er freilich auch Möglichkeiten, den Firmensitz in eine der Nachbargemeinden zu verlegen: „Wir werden auf jeden Fall aber immer in der Chiemsee-Region bleiben.“ Falls er nach einem möglichen Verkauf den Firmensitz verlege, habe das nichts mit einer „Bestrafung für Bernau zu tun“, sondern sei eine „rationale kaufmännische Entscheidung“.

Dass es einen zweiten Anlauf für den Bau eines Chalet-Dorfs von Herecon selbst gibt, bezeichnet Englert als „sehr unwahrscheinlich“. Auch wenn es rechtlich möglich wäre. „Das Ergebnis eines Bürgerentscheids ist nur ein Jahr bindend und diese Frist ist im November 2025 ausgelaufen“, erklärt Biebl-Daiber. Allerdings ist in den vergangenen Jahren durch die vielen Krisen in der Welt, die steigenden Zinsen und die Immobilien-Krise die Ausgangslage für Tourismus-Neubauprojekte deutlich schwieriger geworden. „Das ist kein Thema mehr“, stellt Englert klar. Schließlich habe man für die Chaletdorf-Pläne viel Geld verbrannt. Wenn überhaupt, sei eine ganz neue Planung nötig.

Zweiter Anlauf
„sehr unwahrscheinlich“

Im Verkaufsprospekt wird das Gut Hitzelsberg als möglicher, künftiger „Gastronomie-Hotspot für Events, Empfänge, Cocktail-Bar, Café oder Restaurant für Fine Dining“ angepriesen: „Ein Domizil – rein privat oder in Kombination aus Job und Familie. Ein autarkes, herrschaftliches Anwesen in einmaliger Lage mit einer Vielfalt an Nutzungsmöglichkeiten: Rezeption, Besprechungsraum, Büro, Family Office, Gästetrakt, Salon, Showroom, Multimediaraum, (Kreativ)-Atelier für Design, Film, Musik oder digitale Webproduktion.“

Mal sehen, ob Angebote kommen.

Artikel 2 von 11