Dankandacht an der Feldwieser Kapelle mit Pfarrer Konrad Roider.
Feldwies – Miteinander, lebendig, offen und voller Freude feierte der Trachtenverein Feldwies sein 120-jähriges Bestehen. Vor dem Jubiläumsabend wurde eine gemeinsame Dankandacht an der Feldwieser Kapelle gefeiert und anschließend in den Feldwieser Saal, der Heimat des Vereins, eingezogen. Unter den Klängen der Blasmusik und moderiert von der Vereinsvorsitzenden Marianne Jauernig erlebten Festverein und Gäste einen abwechslungsreichen, gefühlvollen Abend.
Musikalisch wurde die Dankandacht von der Blasmusik unter der Leitung von Josef Kling begleitet. Pfarrer Konrad Roider zelebrierte die Messe und teilte seine Gedanken zum Jubiläum, zu Brauchtum und Tracht mit den Gläubigen. Die Trachtenvereinsvorsitzende Jauernig sprach über die Pflege von Tracht, Brauchtum und Kultur. „Wir stärken uns im Glauben“, sagte sie.
In einem kleinen Zug ging es von der Kapelle, vorbei am Feldwieser Maibaum mit der Zwiebel und dem Hinweis auf 120 Jahre Feldwieser Trachtenverein, hin zum Saal. Sympathisch begrüßte die kleine Leni Huber die Gäste im Saal. Dann übernahm die Vorsitzende mit den Worten „Lasst uns miteinander feiern“ und begrüßte die Ehrengäste, darunter die Ehrenmitglieder, den Bruderverein D’Buchwäldler mit Vorsitzendem Martin Häuslschmid, die Blasmusik mit Dirigent Josef Kling, die Ortsvereine sowie die Vertreter der politischen Gemeinde. „120 Jahre, da steckt was drin, mehr als die Liebe zur Trachtensache. Da sind Leute mit Überzeugung, Leute, die sich einsetzen und ihr Ehrenamt gerne ausüben“, betonte Bürgermeister Herbert Strauch. In die Jugend müsse investiert werden, und so überreichte er eine Kinderlederhose und ein weißes Hemd sowie einen Gutschein für den Kauf von Trachtenstoff.
Zurückschauen gehöre ebenfalls zum Geburtstag, so die Vorsitzende, und sie erinnerte an die Gründung 1906, als sich acht Mannsbilder – Jakob Schmid, Andre Franz, Nikolaus Kerndlmayer, Xaver Stephl, August Schmid, Stefan Stephl, Sebastian Huber und Baptist Donauer – ein Herz fassten, den Verein gründeten und im ersten Jahr gleich 50 weitere Mitglieder gewinnen konnten. 1920 wollten die Überseer nicht mehr bei den Feldwiesern sein. Anstatt zu streiten, wurde ein zweiter Trachtenverein gegründet – die D’Buchwäldler – und die Feldwieser hatten einen „kleinen“ Bruder. Da die Standarte als Vereinssymbol verschwunden war, wurde 1923 die erste Vereinsfahne gekauft, erinnerte Marianne Jauernig. Ein weiterer Meilenstein war 1948 der Wechsel vom Gauverband I in den Chiemgau Alpenverband. 1957 wurde das 50-jährige Bestehen gefeiert und die renovierte Fahne geweiht, Patenverein war der GTEV Siegsdorf. 1959 durften die Feldwieser das Gaufest ausrichten, und 1973 wurde die zweite Fahne geweiht. Jauernig erinnerte zudem an die alljährlichen Campingplatz-Rödlgries-Feste, die sich im kommenden Jahr zum 40. Mal jähren. 2006, zum 100-jährigen Bestehen, durften die Trachtler nach 46 Jahren wieder ein Gaufest ausrichten – und an das Gaufest im vergangenen Jahr konnten sich alle bestens erinnern.
Vor zwei Jahren fiel eine markante Eiche im Unterland um, und eine Scheibe dieser Eiche konnte sich der Verein sichern. Die Jahresringe, so informierte Marianne Jauernig, markieren geschichtliche Höhepunkte. Dr. Birgit Ewald habe sich der 300-jährigen Geschichte der Eiche angenommen. „Ich wollte schildern, was die Eiche in den 300 Jahren erlebt hat, im Dorf und in der Welt“, betonte sie. Ergänzt wurde dies durch die Vereinsgeschichte, dokumentiert von Martin Heigenhauser und Werner Linzmeier. Die beiden hatten zudem eine weitere Überraschung: ein historisches Dokument, gefunden im Archiv der Kirche. Wie Martin Heigenhauser erklärte, genossen Trachtenvereine vor über 100 Jahren nicht die heutige Anerkennung, und so musste die Vorstandschaft schriftlich bestätigen, dass die Vereinsmitglieder entsprechend den katholischen Vorgaben agieren und Sittlichkeit pflegen. Erst mit der Bestätigung, dass der Verein auch an den kirchlichen Festen teilnimmt, durfte die Fahne schließlich geweiht werden. Das Dokument interessierte Pfarrer Roider, der das Schriftstück inspizierte.
Der Bruderverein D’Buchwäldler brachte neben einem Ehrentanz auch eine Einladung in Form eines Brotzeitbrettls mit. Auch der Theaterverein machte seine Aufwartung, und Vorsitzende Waldtraut Gries überreichte ebenfalls ein gut gefülltes Brotzeitbrettl. Nach einem Gemeinschaftsplattler waren die Ehrenmitglieder und Ehrenvorstand Schorsch Schoberhauser gefragt und berichteten aus ihren Erinnerungen. Schorsch Schoberhauser verwies zudem auf eine Revolution vor zehn Jahren, als erstmals eine Frau zur Vorsitzenden gewählt wurde: Marianne Jauernig trat an und leitet seither den über 400 Mitglieder starken Verein. Zuhören, die Geschichten der Älteren aufnehmen, lernen, aber auch darüber lachen – das wollen die jungen Leute, und das bestätigten die zwei weiteren Vorstände des Vereins, Fritz Berg und Martin Stephl. Schließlich gratulierte auch Gauvorstand Thomas Hiendl zum Geburtstag. Auf Geschenke müsse der Verein jedoch noch fünf Jahre warten, so Hiendl. Er hob die großen Festlichkeiten – drei Gaufeste, fünf Gaupreisplatteln und vier Dirndldrahn – hervor, lobte die gute Jugendarbeit der vergangenen Jahrzehnte, die in Teilnahmen in der Gaugruppe gipfelte, und verwies zugleich auf das nächste Projekt: den Überseer Vereinsstadel, gebaut von neun Überseer Ortsvereinen, darunter dem Feldwieser Trachtenverein.
Vorsitzende Marianne Jauernig blickte zudem in die Zukunft: Sie freue sich, dass vor allem so viele junge Leute anpacken und die Vereinsfahne hochhalten. So bleibe die Gewissheit, dass die Tradition lebendig bleibe.
Mit dem Jubiläumstanz der Aktiven wurde der offizielle Teil des Abends beendet – nicht aber die Feier, die an der legendären Dampferstegbar weiterging.