Unterwössen/Reit im Winkl – Zwei neue automatisierte Defibrillatoren schließen ab sofort eine kritische Versorgungslücke im oberen Achental. Der Lions-Club Marquartstein-Achental finanzierte die insgesamt rund 4.500 Euro teuren Geräte, die der Club am Samstag in Oberwössen und auf der Hindenburghütte offiziell vorstellte. Hinter der kreisrunden, mit Herzsymbol versehenen Abdeckhaube, gut sichtbar an der Außenwand der Oberwössener Feuerwehrwagenhalle, findet der Notfallhelfer den Defibrillator. Dort traf sich nun die kleine Delegation. Initiiert hat das Projekt Dr. Sabine Wörnle, aktuelle Präsidentin des Lions-Clubs. Zusammen mit Toni Ager, dem Präsidenten des Lions Hilfswerks, und Schriftführer Werner Neumann übergibt sie das Gerät an die Bürger der Gemeinde. Kommandant Korbinian Mühlberger demonstriert die Handhabung vor Ort. „Das Gerät untersucht eigenständig und führt den Helfer mit Sprache und Video durch die Nutzung“, erklärt Mühlberger mit Blick auf das integrierte Display, auf dem Videos den Helfer durch den Vorgang leiten. Die Hemmschwelle für Laien soll so gering wie möglich sein, denn im Ernstfall zählt jede Sekunde.
Hintergrund der Technik ist ein elektronischer Neustart des Herzens. Bei einem medizinischen Notfall dieser Art steht der Muskel meist nicht sofort komplett still, sondern verfällt in ein unkontrolliertes, rasendes Zucken, das sogenannte Kammerflimmern. Der Defibrillator misst über zwei auf den nackten Brustkorb aufgeklebte Elektroden den Herzrhythmus vollautomatisch. Erkennt der Computer das Flimmern, gibt er einen gezielten Stromstoß ab, der das elektrische Chaos im Muskel für einen Moment stoppt. Erst dadurch erhält der herzeigene Taktgeber die Chance, wieder einen normalen Herzschlag aufzubauen.
Ein fehlerhafter Schock durch den Ersthelfer ist technisch ausgeschlossen. Das Gerät gibt den Impuls nur dann frei, wenn der Befund eindeutig ist. Schlägt das Herz normal oder steht es bereits vollständig still, bleibt das System blockiert. Im Ernstfall weiß die Integrierte Leitstelle unter dem Notruf 112, wo das nächste Gerät zu finden ist. Es leitet den Helfer dorthin und begleitet in der Hilfeleistung bei Bedarf zusätzlich.
Direkt im Anschluss an den Termin im Tal wechselt die Szenerie hinauf auf die Hindenburghütte in Reit im Winkl. Dort freut sich Hüttenwirt Günther Dirnhofer über den zweiten Defibrillator für den hochfrequentierten Außenbereich der Alm auf über 1.200 Metern Höhe.
Während der Lions-Club die Anschaffungskosten beider Geräte komplett übernahm, tragen die beteiligten Gemeinden Unterwössen und Reit im Winkl fortan die laufenden Betriebs- und Wartungskosten. lfl