Ärger über Priener Parkplatz-Betreiber

von Redaktion

Der Parkplatzbetreiber „Loyal Parking“ sorgt mit hohen Strafen und kurzen Zahlungsfristen für Ärger. Ein Rentner aus Bernau musste 81 Euro zahlen, weil er die Parkzeit um sieben Minuten überschritt. Im Internet warnen Bürger vor den Praktiken des Unternehmens.

Prien – Maximilian Fleischmann ist empört: 81 Euro als Strafe für überschrittene Parkzeit. So passiert auf dem Tedi-Parkplatz in Prien. Mitte Januar parkt Fleischmann auf dem Parkplatz, er hat einen Termin beim Hörakustiker. 90 Minuten ist es dort erlaubt, zu parken. Das stehe auch auf Schildern, meint der 81-Jährige. Fleischmanns Arzttermin dauert länger, sieben Minuten ist er über der Zeit, als er den Parkplatz verlässt.

Wunsch nach
mehr Kulanz

Kurz darauf flattert eine Zahlungsaufforderung in Fleischmanns Briefkasten: 45 Euro als Strafe plus 8,75 Euro, um den Halter festzustellen – dies sei bis zum 1. Februar zu zahlen. Fleischmann zahlt zwei Tage nach der Frist 35 Euro. Die Warnspesen zahlt er nicht mit. Das lässt der Parkplatzbetreiber nicht auf sich sitzen und fordert nun insgesamt 81 Euro von Fleischmann. „Die sind ja knallhart“, meint der 81-Jährige. Schlussendlich zahlt der Rentner die gewünschte Summe, „damit Ruhe ist“. Fleischmann fühlt sich hintergangen, da dieser Parkplatzbetreiber höhere Strafen verlangen würde, als es bei einem normalen Knöllchen der Fall wäre. Laut dem Bußgeldkatalog kostet das Parken ohne Parkschein oder -scheibe bei bis zu einer Stunde rund 25 Euro, bei über drei Stunden circa 40 Euro. Außerdem würde sich Fleischmann vom Betreiber mehr Kulanz wünschen, was Arzttermine anbelangt.

„Loyal Parking“ ist ein in Dortmund ansässiges Technologieunternehmen, das vollautomatisierte Parkplätze betreibt. Auf der Website von „Loyal Parking“ schreibt das Unternehmen, dass es sich als „Problemlöser“ im „urbanen Parkplatzdschungel“ sieht. Durch moderne Kennzeichensensorik, bei der das Kennzeichen beim Ein- und Ausfahren des Parkplatzes gescannt wird, sind keine Parkscheiben, Parktickets oder Schranken mehr notwendig. Auf diese Weise soll ein „effektives und gewinnorientiertes Parkflächenmanagement“ entstehen, so „Loyal Parking“ auf ihrer Website.

Viele Beschwerden und
schlechte Rezensionen

Entgegen dem Namen des Unternehmens „Loyal Parking“ zeugen viele schlechte Rezensionen und Beschwerden auf Webseiten wie trustpilot.de oder Google-Rezensionen vom Unmut der Bürger. Dort werden ähnliche Fälle wie der von Maximilian Fleischmann geschildert. Von nicht gut sichtbaren und unübersichtlichen Erklärungen der Parkvorschriften, „dreisten Abzockerpreisen“ bis hin zu „zu kurzen Zahlungsfristen“ und sofort nachgeschickten Mahnungen, die mit Inkassoverfahren drohen, ähneln sich die vielen Beschwerden inhaltlich sehr. Verärgerte Bürger wollen Parkplätze, die von „Loyal Parking“ betrieben werden, künftig meiden und warnen im Internet vor Betrug.

Doch wie reagiert „Loyal Parking“ auf die ganzen Beschwerden und schlechten Rezensionen? Auf Anfrage der Chiemgau-Zeitung äußert sich das Unternehmen recht oberflächlich. Es wird betont, dass fehlerhafte Vorgänge aufgrund der hohen Erfassungsgenauigkeit die Ausnahme seien. Wenn es aber doch zu einer fälschlichen Zahlungsaufforderung kommen sollte, würden sie diese sorgfältig prüfen und im Zweifel stornieren. Das Unternehmen verweist auf den Kundenservice für Auskunft und eine individuelle Prüfung des jeweiligen Falls.

Zum Punkt Beschilderung erklärt „Loyal Parking“, dass diese den gesetzlichen Anforderungen entspreche. So würden an der Einfahrt die Nutzungsbedingungen der Parkflächen aushängen und weitere Schilder auf den Parkplätzen stehen, die darauf hinweisen.

Zu den Beschwerden angesichts der Höhe der Parkstrafen äußert sich das Unternehmen so: „Anders als im öffentlichen Verkehrsraum findet der Bußgeldkatalog hier keine Anwendung. Mit der Einfahrt in die Parkfläche kommt ein Parkvertrag zwischen „Loyal Parking“ und dem Nutzer zustande, dessen Bedingungen auf den Hinweisschildern klar ausgewiesen sind.“ Des Weiteren diene die Strafe dazu, die Nutzungsbedingungen durchzusetzen und die Parkflächen vor „Dauerbelegung, Vandalismus sowie illegaler Müllablagerung“ zu schützen. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass der Parkplatz für berechtigte Nutzer verfügbar ist.

Patienten-Parkplätze
ohne Zeitbeschränkung

In Bezug auf die Kulanz bei Arztterminen, eines der Hauptthemen, über das sich Menschen beschwerten, nimmt „Loyal Parking“ Stellung und erklärt, dass viele Arztpraxen auf den Parkflächen „eigens vorgesehene Stellplätze oder Parkberechtigungen für die Dauer des Aufenthalts“ für die Patienten eingerichtet hätten. Auf diese Weise könnten Patienten ohne Zeitbeschränkung und dadurch ohne das Risiko einer Strafe dort parken.

Möglicherweise ist das in Zukunft auch eine Option für Maximilian Fleischmann und er kann bei künftigen Arztterminen ohne Sorge vor einer saftigen Strafe wegen ein paar Minuten über der Zeit auf dem Bernauer Parkplatz parken.

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