Grabenstätt – Die Umgestaltung und Revitalisierung des teilweise leer stehenden Fossil-Gebäudes an der Autobahn in Grabenstätt rückt näher. Der Gemeinderat hat die Planungsunterlagen einstimmig abgesegnet. Als Nächstes folgen nun die Behörden- und Öffentlichkeitsbeteiligungen.
Bereits im März vergangenen Jahres hatte sich der Gemeinderat mit der zukünftigen Nutzung des mittlerweile zu großen Teilen leer stehenden „Fossil-Gebäudes“ im Gewerbegebiet Oberwinkl unweit der Bundesautobahn A8 beschäftigt. Damals fasste man einstimmig den Aufstellungsbeschluss für den vorhabenbezogenen Bebauungsplan „Chiemsee – Revitalisierung des Fossil-Gebäudes in Oberwinkl“.
Kritische
Haltung
Nun stand das Thema erneut auf der Tagesordnung, da die seit März ausgearbeiteten Planungsunterlagen, die inhaltlich verfeinerten Vorhabenbeschreibungen sowie das Werbekonzept des Vorhabenträgers „Aurigia Immobilien GmbH & Co. KG“ gebilligt werden mussten, um die Behörden- und Öffentlichkeitsbeteiligungen einleiten zu können. Der Gemeinderat kam dem einstimmig nach.
„Für uns als Gemeinde ist es wichtig, dass mit dem Gebäude etwas passiert, es zeitnah verschiedenen Nutzungen zugeführt wird und die wirtschaftliche Entwicklung damit angeschoben wird“, hatte Bürgermeister Gerhard Wirnshofer (BG) vor der Abstimmung klargestellt. Bisher seien alle Entscheidungen dazu im Gemeinderat einstimmig getroffen worden, und er hoffe, dass dies so bleibe, denn dies wäre auch ein Zeichen an das Landratsamt Traunstein und die Regierung von Oberbayern.
Nichtsdestotrotz sei man sich der kritischen Haltung des Landratsamts als Bauaufsichtsbehörde und Untere Naturschutzbehörde hinsichtlich der vom Vorhabenträger angedachten Fassadengestaltung weiterhin bewusst. Mit der angedachten modernen Textilfassade wolle der Vorhabenträger dem Gebäude ein neues Gesicht geben, für Aufmerksamkeit und einen „Hingucker“ sorgen, so Wirnshofer.
Laut der gemeindlichen Bauamtsleiterin Birgit Schultheiss liege die Planungshoheit zwar grundsätzlich bei der Gemeinde. Die Gemeinde müsse aber sehr darauf achten, die Stellungnahmen aus den Beteiligungsphasen nicht fehlerhaft abzuwägen. Die übergeordnete Landes- und Regionalplanung sowie die Einbindung in das Landschaftsgefüge spielen hier eine bedeutende Rolle. Hinsichtlich der Färbung der Außenfassade habe man deswegen bereits ein gedämpfteres naturnahes Beige eingefordert, betonte der Bürgermeister. Diesem Wunsch sei in den Planungsunterlagen ebenso entsprochen worden wie der Maßgabe, die Fassade oben nicht gerade, sondern wellenförmig, sprich eher einem Gebirge nachempfunden, enden zu lassen.
„Blinken wird
sicherlich nichts“
Wirnshofer erläuterte auch das geplante vorläufige Werbekonzept des Vorhabenträgers mit neun Werbefahnen mit Masten in der Nähe der Autobahn, dem Chiemsee-Genusswelt-Logo am Haupteingang, dem Schriftzug „Chiemsee – Essen. Trinken. Schlafen“ an der Außenfassade, einem roten Punkt als Symbol vor dem Begriff „Chiemsee“, einem beleuchteten Werbepylon als Ring mit zehn Metern Höhe und einer bis zu sechs Meter hohen Figur, die beispielsweise einen Steinbock darstellen könnte. „An Werbung wird offenbar nicht gespart, aber blinken wird sicherlich nichts“, so Wirnshofer auf Nachfrage. Was die Umsetzung all dieser Planungen anbelange, sei noch nichts in Stein gemeißelt. Zunächst gelte es nämlich, die Stellungnahmen der beteiligten Fachbehörden beziehungsweise mögliche Einwendungen der Öffentlichkeit abzuwarten, erläuterte die Verwaltung.
In Abstimmung mit der Gemeinde soll überwiegend im Bestand umgebaut werden. Nur im Südosten wird eine Erweiterung in Form einer Außenterrasse entstehen. Trotzdem dürfte das Gebäude mit der angedachten ins Auge fallenden modernen Textilfassade kaum wiederzuerkennen sein. Laut den Planungen des Vorhabenträgers „Aurigia Immobilien GmbH & Co. KG“, die seit 2021 als Eigentümerin auftritt, soll das zukünftige Angebot im sogenannten „Fossil-Gebäude“ von Gastronomie über Kleinflächen für Einzelhandel bis hin zu Tagungs- und Veranstaltungsmöglichkeiten in Verbindung mit einem Hotel reichen. Angedacht ist eine höherwertige gastronomische Ausrichtung, die sich von standardisierten Autobahn-Raststätten abhebt.
Für das Erdgeschoss vorgesehen ist ein „Marktplatz“ mit hoher Aufenthaltsqualität, Gastronomiebetrieben mit unterschiedlicher Ausprägung inklusive Café und Außenbereichen, Kleinflächen für Einzelhandelsbetriebe, aber auch Pop-up-Stores und Regionalvermarktung, Hotelzugang, Bürozugang und direkte Anbindung an die Freiflächen.
Im ersten und zweiten Obergeschoss plant man den Gastrobetrieb, die Hotellobby und die Hotelzimmer, den Seminarbereich und Büroräume, den Indoor-Kinderbereich, ein Küchenstudio sowie Gemeinschafts- und Aufenthaltsbereiche. Auch die Firma Fossil soll dort weiterhin mit Büros vertreten sein.
In puncto geplante Freiflächen ist in den Planungen von Parkflächen für Pkw und Busse, einem Outdoor-Spielplatz für Kinder und einem Hundebereich die Rede. Da der Geltungsbereich des neuen Bebauungsplans nicht größer sein wird als jener des alten aus dem Jahr 2008, werden östlich des Gebäudes auch keine zusätzlichen Parkplätze entstehen. Von Vorteil ist, dass die besagten Flächen schon über die Autobahn und die Staatsstraße 2096 erschlossen sind.
Alois Wiesholler (CSU) befürchtete, dass Besucher mit Wohnanhängern mangels geeigneter Parkplätze auf den nahen öffentlichen Pendlerparkplatz ausweichen könnten. Der Vorhabenträger werde seine Gründe dafür haben und wolle wohl keinen Campingplatz vor der Haustür haben, spekulierte der neue Rat Helmut Würtz (FW).