Traunstein – Die Studenten sind längst in der Stadt, die Studiengänge laufen, Wohnheime sind in Betrieb – und nach langem, scheinbarem Stillstand auf dem eigentlichen Gelände des Campus Chiemgau am Traunsteiner Bahnhof rührt sich nun auch dort einiges. Eine tiefe Baugrube und meterhohe Berge des ausgehobenen Erdmaterials bestimmen derzeit das Bild an der Gabelsbergerstraße. Weiter hinunter geht es nicht mehr. „Der Aushub konnte nun bis zum Zielniveau der Baugrube abgeschlossen werden“, so Michael Reithmeier, Pressesprecher des Landratsamts Traunstein, gegenüber der Chiemgau-Zeitung.
Aushub ist
abgeschlossen
Begonnen wird im Sommer mit dem Bau der Tiefgarage. Sie wird aber wesentlich kleiner, als ursprünglich angedacht: nur eingeschossig und für 75 Autos. 88 Stellplätze werden es oberirdisch. Zu Beginn der Planungen war noch von einer zweigeschossigen Tiefgarage für über 600 Fahrzeuge die Rede. Darüber wird dann das Lern- und Zentralgebäude des Campus mit den beiden höchsten Gebäuden errichtet: der eine Bauteil sechs Stockwerke und knapp 27 Meter hoch, der andere misst vier Stockwerke und 18,50 Meter. Der Campus wird damit das Gesicht Traunsteins prägen, hat mit dem „Weißen Riesen“ und dem ehemaligen Post-Gebäude am Bahnhof aber ohnehin bereits hohe Gebäude in unmittelbarer Nachbarschaft.
Parallel zu den Bauarbeiten werden derzeit die Baumeisterarbeiten und die Aufzüge ausgeschrieben. „Es entsteht in zentraler Lage ein modernes Bildungszentrum mit rund 7120 Quadratmetern Nutzfläche“, so Reithmeier. „Es bietet Platz für 500 bis 600 Studenten der Technischen Hochschule Rosenheim, der IHK-Akademie sowie der Handwerkskammer für München und Oberbayern.“ Neben „offenen Lernlandschaften“ sind auch Werkstätten, Design- und Seminarräume, ein studentisches Café, ein Media-Studio, eine Sky-Bar sowie Kooperationsflächen für Forschung und Unternehmen vorgesehen. 2029, zu Beginn des Wintersemesters, soll alles fertig sein.
Als Kosten wurden bisher immer rund 100 Millionen Euro genannt. Der Freistaat Bayern schießt 30 Millionen Euro hinzu. „Diese Kostenkalkulation ist weiterhin gültig“, versichert Pressesprecher Michael Reithmeier. Bauherr ist das Kommunalunternehmen „Chiemgau Invest“, eine Tochtergesellschaft des Landkreises. Auch wenn die Campus-Gebäude noch nicht fertig sind: Studiert wird in Traunstein schon längst, am Stadtplatz, im ehemaligen Sparkassen-Gebäude, und auch im früheren Ruhpoldinger Krankenhaus. Vor dreieinhalb Jahren begann der erste Vollzeit-Studiengang E-Commerce und das berufsbegleitende Studium Maschinenbau mit Schwerpunkt Digitalisierung. Über 300 Studenten sind aktuell eingeschrieben.
Auch Studentenwohnheime in und um Traunstein sind schon einige Zeit bezogen: Zwischen Bahnhof und Gesundheitsamt hat die landkreiseigene Wohnungsbau-GmbH ein Wohnheim mit 40 Plätzen gebaut, auch im ehemaligen Ruhpoldinger Krankenhaus leben 50 Studenten. Hinzu kommt das Wohnheim eines privaten Trägers an der Rupertistraße mit 60 Einzelzimmern. Planungen gibt es zudem für ein Studentenwohnheim mit rund 120 Wohnungen direkt auf dem Campusgelände. Diese sollen laut Landratsamt aber erst konkretisiert werden, wenn der Campus 2029 in Betrieb geht.
Ein finanziell noch größeres Schwergewicht ist aber der Neubau der Berufsschule 1 an der Wasserburger Straße: 150 Millionen Euro nimmt der Landkreis dort in die Hand. Am ehemaligen Parkplatz wird die neue Berufsschule gebaut. Ist sie einmal in Betrieb, geplant zum Schuljahr 2029/2030, wird die alte abgerissen. „Im Frühjahr haben die Rohbauarbeiten mit der Errichtung der Gründung, der Fundamente, der Stützen und der ersten Kellerwände begonnen. Nun wird der Rohbau stockweise nach oben fertiggestellt“, so Landratsamtsprecher Michael Reithmeier. Der Berufsschulneubau ist das größte Neubauprojekt des Landkreises im schulischen Betrieb.
Die neue „Einser-Berufsschule“ wird, wie der Campus Chiemgau, in Stahl-Betonskelettbauweise errichtet. Das Gebäude sei flexibel, flächensparend, sehr kompakt und in ökologischer Hinsicht nachhaltig, heißt es aus der Kreisbehörde. Es ist unter anderem mit einer Luft-Wärmepumpe und einer Dach-Photovoltaikanlage ausgestattet. Das Gebäude kann nach dem KfW-40-Standard errichtet werden. Geplant sind auch eine Tiefgarage mit 158 Stellplätzen und eine Aula für 400 Personen. „Besonders die duale handwerkliche Ausbildung erhält durch diesen Neubau die Möglichkeit, junge Menschen unter besten räumlichen Bedingungen und mit modernsten Geräten für den Beruf fit zu machen.“
Einzugsgebiet bis
nach Ingolstadt
2.400 Schüler werden an der Berufsschule I von 80 Lehrern unterrichtet: Das Einzugsgebiet für die angehenden Bäcker, Informatiker, Schreiner, Elektriker oder Industriemechaniker reicht bis Ingolstadt. Was nach dem Abriss auf dem Grundstück der alten Berufsschule entsteht, lässt der Landkreis nach wie vor offen. Der Schulbetrieb in der alten Berufsschule geht derweil ganz normal weiter. Bis der Neubau fertig ist, wird es weiterhin genutzt.