Neue Ideen für Burg Marquartstein

von Redaktion

Nach elf Jahren Leerstand plant Familie aus der Region ein Boutique-Hotel

Marquartstein – Rund um das Jahr 1075 soll die Burg Marquartstein vom Grafen Marquart aus dem Chiemgauer Geschlecht der Sighardinger erbaut worden sein. In den über 950 Jahren seitdem hat die prächtige Bergburg über der Gemeinde Marquartstein eine wechselvolle Geschichte erlebt, verfiel zwischendurch zur Ruine und wurde verkauft. 11.000 Mark Silber zahlte Herzog Heinrich von Niederbayern laut der Gemeinde-Chronik im Jahr 1259 dafür.

Kaufsumme bis zu
8,5 Millionen Euro

Bald acht Jahrhunderte später muss man zwischen 6,5 und 8,5 Millionen Euro für den vom aktuellen Besitzer Konrad Bernheimer zum Verkauf gestellten Koloss mit bis zu fünf Meter dicken Mauern berappen. Dafür bekommt man ein außergewöhnliches Domizil mit 1.300 Quadratmetern Wohnfläche, riesigem Grundstück samt Zugbrücke, 40 Zimmern sowie orientalischem Bad und Ritter-Speisesaal.

Verglichen mit den Immobilienpreisen im Großraum München und Chiemsee klingt das fast nach einem Schnäppchen. Dennoch steht die Trutzburg über der 3.000-Einwohner-Gemeinde nunmehr seit elf Jahren leer. „Am Tegernsee muss man für so einen Preis erst mal irgendein Objekt finden und hier gibt‘s eine Burg dafür. Aber Schlösser und Burgen sind schwierig – vor allem die jüngere Kundschaft kauft sich lieber eine Dachterrassenwohnung in München“, sagt Oliver Herbst im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Selbst für den Spezialisten für den Verkauf von Luxus-Immobilien ist die Burg Marquartstein eine echte Herausforderung.

2015 zogen der Kunsthändler Konrad Bernheimer und seine Frau aus dem Gemäuer aus. Die vier Töchter des Besitzers hatten kein Interesse, als „Burgfrauen“ nachzufolgen. Also sollte das spezielle Objekt erst für 15 Millionen Euro unter den Hammer kommen – zuerst beim weltberühmten Auktionshaus Sotheby’s in London. Später kam Oliver Herbst mit seiner Firma Immovision als Makler ins Spiel. Auch nach einer Preissenkung auf acht Millionen Euro fand sich niemand, der die gewünschte Summe zu zahlen bereit war.

Stattdessen geriet Bernheimers Kunsthandel in Liquiditätsprobleme und eine Gläubiger-Bank beantragte 2020 die Zwangsversteigerung. Der Verkehrswert wurde von einem Gutachter mit knapp sechs Millionen Euro festgelegt. Vor allem aus dem Ausland soll es Interesse am Renommierobjekt gegeben haben: Doch weder ein russischer Oligarch noch ein Mitglied der arabischen Königsfamilie tauchten – wohl wegen der Ukraine-Krieg-Sanktionen beziehungsweise Corona – am 28. Oktober 2022 zur Zwangsversteigerung in Traunstein auf. Stattdessen ersteigerte ein Mann aus der Region die Burg für um die 4,5 Millionen Euro. Gläubiger und Besitzer beantragten jedoch danach im letzten Moment, dass der endgültige Zuschlag für den Kauf vertagt wird. Beiden Seiten schien der erzielte Millionen-Erlös wohl zu gering.

Inzwischen sucht Besitzer Bernheimer schon seit geraumer Zeit über Makler Oliver Herbst wieder nach einem neuen Käufer. Auch die Gemeinde Marquartstein wird in Person von Bürgermeister Andreas Scheck langsam ungeduldig. „Die Burg soll nun seit elf Jahren verkauft werden und alles hängt weiter in der Schwebe. Man merkt im Außenbereich, dass sie langsam baufällig wird. Es wird Zeit, dass sich endlich etwas tut“, sagt der Ortschef der Chiemgau-Zeitung.

Die Gemeinde selbst kommt als Käufer nicht infrage. „Das würde unsere finanziellen Möglichkeiten weit übersteigen. Schließlich stehen Kita- und Schulhaus-Neubau auf dem Plan“, erklärt Scheck. Am liebsten wäre dem Ortschef, dass das Wahrzeichen des Achentals endlich wieder öffentlich zugänglich wird: „Es ist total schade, dass man nicht in die Burg reinkommt.“ Das könnte sich jedoch bald ändern, wie Makler Oliver Herbst verrät. Er inseriert die Burg Marquartstein als „imponierenden, verzaubernden, uneinnehmbaren Sehnsuchtsort“. Und unter dem Slogan „Eine Burg wird zum Hotel“.

Bürgermeister
wird ungeduldig

Und genau darauf könnte es nun hinauslaufen. „Es gibt ganz konkret eine Familie aus der Region, die interessiert ist. Sie denkt über eine Nutzung als Boutique-Hotel mit Ferienwohnungen nach“, so Herbst gegenüber der Chiemgau-Zeitung. Eine Besichtigung habe bereits stattgefunden, man arbeite gemeinsam an einer Lösung. Der Makler ist „sehr zuversichtlich“, dass es diesmal wirklich mit einem Happy End nach dem Endlos-Drama klappt.

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