Übersee – Der Gemeinderat Übersee diskutiert die Bauarbeiten der Firma Avacomm auf Antrag des CSU-Ortsverbandes Übersee. „Seit einigen Wochen häufen sich im Gemeindegebiet Beschwerden über die Arbeitsweise der von der Firma Avacomm beauftragten Subunternehmer. Kritisiert werden insbesondere die Qualität der Wiederherstellung der Straßenbeläge nach der Verlegung der Glasfaserleitungen sowie die Vorgehensweise bei der Herstellung der Hausanschlüsse.“
Diese Sätze leiten einen Antrag des CSU-Ortsverbandes an Bürgermeister Herbert Strauch ein, mit der Bitte, im öffentlichen Teil der Überseer Gemeinderatssitzung mit verantwortlichen Vertretern der Firma Avacomm über die Beschwerden zu sprechen.
Unerwartete
Konfrontation
Für die meisten unerwartet, waren bereits bei der jüngsten Gemeinderatssitzung zwei Vertreter der Avacomm gekommen: Stefan Kühne, Geschäftsführer der Avacomm, und Andreas Lechner, Leiter für Bau und Planung. Ebenfalls anwesend waren Diplom-Ingenieur Thomas Hinterrainer von der Firma HPC, der die Baumaßnahmen für die Gemeinde je nach Bedarf kontrolliert, sowie Winfried Hannappel, Geschäftsführer des Wasserbeschaffungsverbandes (WBV) Übersee.
Der CSU-Ortsvorsitzende Franz Wilk erläuterte, seine Fraktion habe nicht erwartet, dass dem Antrag so schnell nachgekommen würde, sondern dass in dieser Sitzung erst über den Antrag abgestimmt würde. Dennoch traf schon die Lesung des Antrags offensichtlich einen Nerv, denn viele Gemeinderäte einschließlich Geschäftsleiterin Rosemarie Steffl schilderten an Einzelfällen ihre Erfahrungen mit den Baufirmen von Avacomm.
Thomas Hinterrainer bestätigte, dass die Baumaßnahmen vor allem im nördlichen Bereich der Bahnlinie „nicht so gelaufen, wie wir es wollten“, gewesen seien. Seither gebe es vor jeder weiteren Maßnahme eine Baubegehung. Deren Fazit: Im südlichen Bereich des Bahnhofs laufe es nun besser.
Der Geschäftsführer des WBV Übersee, Winfried Hannappel, erklärte, dass die Baumaßnahmen für den Glasfaserausbau erhebliche Auswirkungen auf die Wasserleitungen des WBV haben. Diese seien zum Teil bis zu 120 Jahre alt und lägen oft zwei Meter unter der Erde. Es sei aber wichtig, dass man für Reparatur- und Kontrollarbeiten gut an die Wasserleitungen herankomme, und das könne gefährlich werden, wenn bis zu fünf Kabel auf einer Wasserleitung lägen. Die Mitarbeiter des WBV müssten auch in zwei Metern Tiefe sicher arbeiten können. „Wir dachten, auf unsere Wasserleitungen würde Rücksicht genommen“, erklärte Hannappel. Auch in fünf oder zehn Jahren müsse man wissen, ob ein Kabel noch in Betrieb sei. Inzwischen sei eine Mängelliste angefertigt worden, bei der bereits in 38 Fällen nachgearbeitet werden müsse. Auch Hannappel bestätigte, dass die Bauarbeiten inzwischen besser liefen. Er schlug vor, dass um alle neu zu verlegenden Stromleitungen „ein vernünftiges Schutzrohr“ gelegt werden sollte.
Experten bestätigen
Mängel und Risiken
„Wer zahlt für die Murkserei?“ Gemeinderat Paul Stephl (Freie Bürgerliste FBL) sowie mehrere andere interessierte vor allem auch die Kostenfrage besonders. „Wer zahlt den Mehraufwand für diese Murkserei, die bisher passiert ist?“, fragte Stephl. Hans Thullner (Grüne) sagte, entstehende Mehrkosten müsse auf jeden Fall der Verursacher tragen.
Auch Franz Wilk betonte, es gehe ihm vor allem darum, dass für die Gemeinde in den nächsten Jahren keine weiteren Schäden mehr entstünden.
Stefan Kühne, Geschäftsführer der Firma Avacomm, räumte ein, dass nicht von jeder Baufirma immer gut gearbeitet werde, obwohl diese so weit wie möglich überwacht würden und vieles auch gut laufe. Man könne aber nicht so einfach eine Firma durch eine andere ersetzen. Grundsätzlich gelte die normale Gewährleistung über einen Zeitraum von fünf Jahren.
Auf einstimmigen Beschluss des Gemeinderats wird Bürgermeister Herbert Strauch die Ansprechpartner zu einer der nächsten öffentlichen Gemeinderatssitzungen nochmals einladen, bei der nicht Einzelfälle besprochen, sondern Grundsätzliches geregelt werden soll.