Fraueninsel – Kurz bevor ihn die Insulaner zu ihrem Bürgermeister wählten, war Georg Klampfleuthner in seiner Funktion als Vorsitzender des Kulturfördervereins Prien mit rund 35 Interessierten und Kulturfreunden auf der Fraueninsel unterwegs. Er möchte für die Insel auch einen Förderverein ins Leben rufen, der nicht nur Insulanern offenstehen soll. Beim Rundgang zeigte er den Interessierten nicht nur die Sonnenseiten des Insellebens, sondern ging im Detail auf die besonderen Probleme und die „Ecken und Kanten“ ein, die es nur auf der Insel gibt. So macht eine überbordende Bürokratie das Leben auf den Chiemsee-Inseln nicht nur durch Auflagen schwer, sondern auch teuer.
Wandel im
Schatten des Klosters
Die Sonne strahlte, der Wind schlug die Wellenkämme auf dem Chiemsee schaumig. Wie eine große Traube umringten die rund 35 Teilnehmer des besonderen Inselrundgangs Georg Klampfleuthner. Dass gleich so viele gekommen waren, freue ihn sehr, erklärte Klampfleuthner und startete seinen Rundgang beim Kloster und dem in aller Pracht blühenden Klostergarten. Er ging auf die Geschichte der Benediktiner-Abtei ein, auf das Mädcheninternat und das halbstaatliche Gymnasium, das auch Buben besuchen durften. Auch einen Kindergarten gab es früher und eine Hauswirtschaftsschule, doch nach und nach seien diese Institutionen aus unterschiedlichen Gründen verschwunden. Die rund 300 Schülerinnen verschwanden mit der Schließung Mitte der 80er-Jahre. Dann schloss der Bäcker, und die Jugendlichen waren über das ganze Jahr eine nicht zu unterschätzende Käuferschicht für den Inselladen. Klampfleuthner ging auf die besondere Beziehung zwischen Kloster und Insel ein, die ihm persönlich besonders wichtig sei.
Der Töpfermeister erläuterte, mit welchen Problemen die Insulaner aufgrund der Quaggamuscheln und der häufigen niedrigen Pegelstände des Chiemsees zu kämpfen hätten. Die privaten Häfen und die eigenen Motorboote seien die einzige Ganzjahres- und Ganztages-Möglichkeit für Insulaner, aufs Festland und wieder zurück zu kommen. Wer seinen Hafenbereich entschlammen wolle, um auch bei niedrigem Wasserstand auslaufen zu können, brauche zwei teure Gutachten, so Klampfleuthner. Eines bezüglich des Muschelvorkommens und eines mit Blick auf mögliche Schadstoffe. Außerdem müsse der Schlamm auch noch anderweitig von einem Spezialunternehmen entsorgt werden, informierte er weiter. Über 3.500 Euro seien von jedem Hafenbesitzer alleine für die Gutachten zu berappen, und „jeder Nachbar braucht eigene Expertisen“, konnte er über die Auflagen nur den Kopf schütteln.
Fünf aktive Fischereifamilien gebe es noch auf der Insel, aber heuer sei der Fang bislang so schlecht wie nie, was wohl auch von der Quaggamuschel-Invasion herrühre, die alle Nährstoffe wegfiltere. Gerade durch den Wegfall des Traditionsbetriebs „Linde“ sei es ungleich wichtiger, dass auch die Fischer mit ihren Gastgärten offen hätten, beschrieb er die saisonal begrenzten Möglichkeiten auf der Insel, „Brotzeit“ und regionale Fisch-Delikatessen zu genießen. Doch die Preise schreckten die Insulaner ab. „Wer will 6,90 Euro für ein Bier und 14,80 Euro für Pommes bezahlen?“, fragte er rhetorisch in die Runde. Ein Grund für Insulaner, sich abends nur noch privat zu treffen.
Visionen für eine
lebendige Zukunft
Die berühmte Torhalle führe in den Augen des Vorsitzenden des Kulturfördervereins, gelinde gesagt, ein „Schattendasein“. Dabei sei ihr Inneres ganz hervorragend nutzbar für Lesungen und Kammerkonzerte, war er sich sicher. „Wir müssen uns mehr um eine andere (qualitätsvollere) Außendarstellung der Insel bemühen“, gab er sein ganz persönliches Ziel aus, das er weiter vorantreiben wolle. Natürlich sei die Insel wunderschön, aber man dürfe sich auch Veränderungen nicht verschließen, und diese seien auch wichtig, damit die Jugend auf der Insel bleibe oder, noch besser in seinen Augen, nach einem Ausflug in die „weite Welt“ wieder auf die Insel zurückkehre.