„Optisch befremdlicher“ Hotelneubau

von Redaktion

Der Priener Bauausschuss hat erneut über den Neubau des Hotels Luitpold am See entschieden, nachdem das Landratsamt die erste Genehmigung einkassiert hatte. Vier Räte übten deutliche „Design-Kritik“, die Abstimmung fiel am Ende hauchdünn aus.

Prien – Bei der Sitzung des Bauausschusses im März tauchte der Neubau des Hotel Luitpolds am See erstmals öffentlich auf. Grünes Licht im Ausschuss, optimistische Worte von Bauherr Michael Feßler im Anschluss. Knapp drei Monate später ist das Hotelprojekt erneut Thema im großen Sitzungssaal des Priener Rathauses, denn das grüne Licht aus Prien mit Befreiungen von Festsetzungen des Bebauungsplanes wurde vom Landratsamt Rosenheim einkassiert. „Da diese aus Sicht des LRA nicht mit den Grundzügen der Planung vereinbar waren“, heißt es im Sachverhalt der Beschlussvorlage zur jüngsten Sitzung.

Landratsamt
hat Bedenken

Da Bürgermeister Andreas Friedrich (ÜWG) krank war, leitete sein Stellvertreter Michael Anner (CSU) die Sitzung. Er führte gemeinsam mit Thomas Lindner, Leiter des Bauamtes, den Sachverhalt aus. Das Landratsamt hatte Bedenken bezüglich eines vierten Vollgeschosses, weshalb der neue Entwurf nur zwei Zugänge zur Dachterrasse vorsah. Die Wandfläche überschreite mit 42 Zentimetern nach wie vor die Vorgaben aus dem Bebauungsplan, auch die Grundstücksgröße sei mit knapp 17 Quadratmetern größer, als festgesetzt.

Dazu kommen Ausnahmen bei der festgelegten Dachbegrünung wegen der Dachterrassen, Parkplätzen und untergeordneten Nebenanlagen für Müll oder Fahrräder. Anner und Lindner befürworteten dennoch einen positiven Beschluss, da der jetzige Antrag ein „abgespeckter Entwurf“ des bereits befürworteten Antrags vom März sei. Zudem seien die Überschreitungen des Bebauungsplans nicht gravierend. Die anschließende Diskussion war lebhaft. Gegenwind kam vor allem von den neuen Gemeinderäten Kristin Lindemann (BfP) und Heiko Mehlhart (Grüne), aber auch Rosi Hell (CSU) äußerte sich deutlich.

Lindemann merkte an, dass acht Befreiungspunkte „schon viel“ seien. Dazu könne dieses Gebäude mit Verweis auf den Entwurf „überall stehen, in Hamburg oder Stuttgart. Das ist eine so prominente Stelle, ich wünsche mir da etwas, was auch Prien als Tourismusort widerspiegelt.“ „Wir sind nicht gegen den Bau an sich“, stellte Mehlhart klar, der sich vorab mit seiner Fraktion abstimmte, „aber wie es umgesetzt wird und die Anzahl der Ausnahmen“ sehe man kritisch. Hell sprach von „Magenschmerzen, wir sind in Prien, das schockiert mich teilweise“, und meinte damit ebenfalls den modernen Hotelentwurf, den sie gerade mit der alten Villa daneben unpassend empfindet.

Hohe Anzahl
von Ausnahmen

Lindner verwies darauf, dass der Ausschuss keine Handhabe bei der Gestaltung des Baukörpers habe, es bei der Abstimmung um die Befreiung der Abweichung zum Bebauungsplan gehe. Gerhard Fischer (ÜWG) schaltete sich in die Diskussion ein und merkte an: „Wir als Gemeinderat werden am Optischem gemessen“, auch wenn er über die vielen, wenn auch nur minimalen Ausnahmen hinwegsehen könnte. „Ich finde es optisch befremdlich und würde an den Bauherrn appellieren, das Gestalterische etwas zu überdenken.“ Anner erwiderte, dass man dies gerne weitergebe, „aber ich bin da zuversichtlich“. Ein Satteldach sei wirtschaftlich nicht machbar, wie Lindner wissen ließ.

Hell gab Fischer recht, dass der Rat am Optischen gemessen werde. „Deshalb müssen wir dafür sorgen, dass es eine Form hat, denn wir müssen es vertreten können und nicht ‚Hudel, hudel‘ machen.“ Anner bat um die Abstimmung: Er, Martin Aufenanger (FP), Martin Kollmannsberger (CSU, Vertreter von Peter Thaurer) und Ludwig Zieres (CSU, Vertreter von Anner) hoben deutlich ihre Hand nach oben. Nach kurzem Zögern stimmte auch Gerhard Fischer dafür. Hell, Lindemann, Mehlhart und Peter Fischer (ÜWG) stimmten dagegen, der Beschluss passierte also mit fünf zu vier Stimmen den Bauausschuss.

„Die optische Gestaltung, die Fassadengestaltung gefällt mir an der Stelle einfach nicht. Das Problem ist schlicht und einfach: Wir haben im Gremium zu entscheiden, ob Länge, Breite und Höhe, die Gegebenheiten des Bebauungsplans eingehalten werden oder ob wir uns die Abweichungen vorstellen können und die mittragen können“, teilt Gerhard Fischer am Tag nach der Abstimmung seine Gedanken gegenüber der Chiemgau-Zeitung mit und kommt zum Entschluss: „Ja, das, was wir faktisch zu entscheiden haben, das kann ich mitgehen.“

Das optische Erscheinungsbild sei letztlich nicht die Frage. „Es ist nicht Gegenstand der Zustimmung. Und ich hätte aber trotzdem am liebsten wegen der optischen Gestaltung mein Einvernehmen nicht erteilt, aber das ist nun mal nicht die Frage“, führt er weiter aus. Wie optimistisch sei er, was das Entgegenkommen des Bauherrn bezüglich der Optik angeht? „Ich sage es mal so: Das Interesse des Bauherrn, sollte auch sein: Was möchte man den Gästen bieten? Möchte man denen ein Erscheinungsbild vom Schiff bieten, das ortsuntypisch ist? Oder möchte man denen schon, bevor sie aufs Schiff steigen und auf die Insel fahren, unsere regionale Baukultur näher darstellen?“, führt Gerhard Fischer aus und fügt hinzu: „Aber die bisherigen Gebäude am Hafen sind sehr ortsverträglich und darauf bezogen, dass es auch zum Tourismus passt. Ich habe da ein Vertrauen darauf, dass der Bauherr das Bestmögliche aus der Gestaltung macht, dass es nicht als Fremdkörper wirkt.“

Anner, der recht kurzfristig die Sitzungsleitung übernahm und deshalb „nicht intensiv in den Vorgesprächen beschäftigt war“, aber dennoch persönlich mit Bauherr Michael Feßler (ebenfalls für die CSU im Gemeinderat) sprach: „Ich habe noch einmal darum gebeten, das hat er mir auch zugesagt, dass das optisch und gestalterisch schon ansprechend werden soll.“ Gerade nach einem Wechsel im Gremium sei eine erneute Diskussion zu einem bereits behandelten Thema immer möglich, und er befürworte auch die neuen Meinungen.

Rechtssituation und
Geschmack unterscheiden

Anner betonte im Telefonat am Tag nach der Sitzung gegenüber der Chiemgau-Zeitung, dass die Trennung zwischen Rechtssituation und Geschmack wichtig sei: „Das ist immer die Gratwanderung, zu sagen: Gefällt mir das oder ist es rechtlich zulässig? Im Bauausschuss geht’s halt immer um die Art und die Größe und um das, was rechtlich zulässig ist.“ Die Gemeinde hat damit erneut grünes Licht für den Abriss und Neubau des Hotel Luitpold am See gegeben.

Artikel 8 von 11