Fest für gelebte Heimatliebe

von Redaktion

135 Jahre Trachtenverein Staudach – Schutz eines Kulturgutes – Bürgermeisterin blickt weit zurück

Staudach-Egerndach – An zwei Tagen konnten die Staudach-Egerndacher Trachtler zeigen, was für sie die Trachtensache bedeutet, wie wichtig die Liebe zur Heimat, zu Brauchtum und zur Tracht für sie ist. Gemeinsam mit Freunden wurde zum 135. Geburtstag ein rauschendes Fest gefeiert.

Dass der Staudach-Egerndacher Verein der drittälteste im Gau ist – nach Aschau und Unterwössen –, verriet Thomas Hiendl, Vorsitzender des Chiemgau Alpenverbands, während des Festabends.

Der Trachtenverein konnte sich auf sein Fest konzentrieren, während die Feuerwehr die Verköstigung der Gäste übernahm. Stadel und Zelt waren stimmungsvoll geschmückt, dank des Engagements von Evi Hell mit ihren Helferinnen. Durch den Abend führte Bürgermeisterin Martina Gaukler.

Auf der großen Bühne zeigten sich beim Auftanz alle aktiven Tänzer, vom jüngsten bis zu den Erfahrensten, und füllten die Bühne komplett aus. Auf die gute Jugendarbeit und den starken Nachwuchs sind die Geburtstagskinder zu Recht besonders stolz.

„135 Jahre GTEV Staudach-Hochgern ist nicht nur eine Jahreszahl, das ist ein stolzes Zeugnis gelebter Heimatliebe, tiefer Verbundenheit und unermüdlichen ehrenamtlichen Engagements“, fasste Bürgermeisterin Martina Gaukler zusammen. Sie blickte auf eine Vereinsgeschichte zurück, die im späten 19. Jahrhundert ihren Anfang genommen habe und bis heute das Herz der Gemeinde präge. Sie nahm die Gäste mit auf eine Zeitreise zurück ins Jahr 1891 und fragte, wie damals die Welt, Bayern und speziell die Gemeinde ausgesehen habe.

Es war eine Zeit des Umbruchs mit einem harten, einfachen ländlichen Leben, geprägt von schwerer Arbeit und bestimmt von den Jahreszeiten. Gleichzeitig hielt die Moderne Einzug: Die Eisenbahn brachte die ersten Sommerfrischler in die Region, an den Chiemsee und in die Berge. König Ludwig II. war erst fünf Jahre tot, Prinzregent Luitpold regierte, der wirtschaftliche Aufschwung begann.

„Und in dieser Zeit fanden sich mutige und weitsichtige Männer zusammen, um die Identität zu bewahren, die Gemeinschaft lebendig zu halten und um nachfolgenden Generationen ein Fundament zu geben“, erklärte die Rathauschefin. „Es ging nicht um rückwärtsgewandtes Festhalten, sondern um den Schutz eines Kulturgutes, das den Menschen Halt, Heimat und Wurzeln gab.“ Und für die Zukunft wünschte sie: „Möge der tiefgründige Gedanke der Gründerväter Identität zu stiften, die Gemeinschaft lebendig halten und Halt im Miteinander geben sowie die Tradition wahren und auch weiterentwickeln.“

Begrüßt wurden die Gäste auch von Vereinsvorsitzendem Dr. Andreas Mader, der sich freute, dass die Patenvereine Unterwössen und D‘Heutauer in so stolzer Zahl mitfeierten. Mit dem Auftanz, dem Heisei und schließlich dem Mühlradl – das in der Gemeinde aufgrund der historischen Mühle eine besondere Bedeutung hat – zeigte sich der Gastverein. Auch das Hochgernkranzl, der 2014 eigens für den Verein erfundene Tanz, durfte nicht fehlen.

Seine Aufwartung machte auch Thomas Hiendl, Vorsitzender des Chiemgau Alpenverbands. Er betonte, dass Staudach zu den Vereinen gehört habe, die 1926 den Gauverband aus der Taufe gehoben hätten. Der Verein habe den Gau mitgeprägt und Verantwortung übernommen. Hiendl erinnerte an Peter Huber, genannt Fünfer Peter, der zu den Gründungsmitgliedern der Gaugruppe gehört habe, ebenso wie an Sepp Perl, der als Erster und Zweiter Vorstand agiert habe, sowie an Ehrenvorstand Klaus Weisser, der seit 47 Jahren Gaukassier ist. „Wir sind gerne in Staudach zu Gast“, betonte Hiendl.

Nicht nur Paten, sondern auch Freunde sind die Unterwössner Trachtler mit Vorsitzendem Otto Dufter. Auch er erinnerte an gemeinsame Meilensteine und an die erste Fahnenweihe. Er wusste sogar, dass der Staudacher Verein 1927 beim Platteln mit zwölf Plattlern den Meistpreis gewonnen habe. Dies sei damals schon ein wegweisendes Zeichen gewesen – wie auch die Idee von Sepp Perl, die Jugendarbeit im Gau einzuführen. Mit einem Geschenk für die Jugendarbeit und einem besonderen Tanz übergab Dufter das Wort an Michael Mader, Vorsitzender des Trachtenvereins D´Heutauer.

Zwischen den beiden Vereinen bestehe eine lange Verbundenheit, die bis ins Jahr 1900 zurückreiche, als die Heutauer Trachtler bei der ersten Fahnenweihe Pate stehen durften. Auch bei den Jahresversammlungen besuche man sich gegenseitig, und so bleibe die Verbindung lebendig, betonte Martina Gaukler.

Dreimal seien Fahnen geweiht worden, und auch zum 125-jährigen Vereinsbestehen hätten die Heutauer an der Seite der Staudacher gestanden, so Vorsitzender Michael Mader. Als besonderes Geschenk brachten die Heutauer ein Bierfass mit, das Andreas Mader, Vorsitzender der Staudacher, anzapfen durfte. Es brauchte eigentlich nur einen gezielten Schlag. Mit einem Gruppenplattler und weiteren Tanzrunden der Gruppe D‘Räsedenz ging der offizielle Teil des Abends ausgelassen und fröhlich zu Ende.

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