Zum Artikel „Gut Hitzelsberg wartet auf Angebote“ (Lokalteil):
In dem Artikel über das Gut Hitzelsberg beruft sich Bürgermeisterin Biebl-Daiber auf die hohen Steuereinnahmen durch die Firma Herecon. Natürlich sind Gewerbesteuern für eine Gemeinde wichtig. Doch die Frage ist: Darf man eine einzigartige Landschaft allein an kurzfristigen Einnahmen messen?
Ein Blick in die öffentlich zugänglichen Unternehmenszahlen zeigt ein differenzierteres Bild: Nach gewinnstarken Jahren zwischen 2019 und 2022 weist Herecon für 2023 und 2024 erhebliche Verluste aus – zusammen über zehn Millionen Euro. Für diese Jahre waren keine Steuerzahlungen zu erwarten. Selbst in den guten Jahren davor entfiel nur ein Teil der Steuern auf die Gewerbesteuer, die tatsächlich der Gemeinde Bernau zugutekommt.
Dazu kommt, dass bei der geplanten Investition in das Chaletdorf zunächst einige Jahre lang Verluste geltend gemacht worden wären und infolgedessen nicht mit Steuerzahlungen zu rechnen gewesen wäre. Steuereinnahmen können steigen und fallen. Naturwerte dagegen sind unwiederbringlich. Der Hitzelsberg ist kein gewöhnliches Grundstück, sondern eine ökologische Besonderheit mit seltenen Pflanzen und Tieren – eine gewachsene und durch extensive Nutzung entstandene Landschaft, die selten geworden ist und sich nicht ersetzen lässt. Deshalb sollte die Zukunft des Hitzelsbergs nicht von wechselnden Unternehmensgewinnen abhängig gemacht werden. Gemeinden tragen Verantwortung nicht nur für ihre Haushalte, sondern auch für das, was sie kommenden Generationen hinterlassen. Geld kann man verdienen. Eine verlorene Landschaft kommt nicht zurück.
Pia Ostler
Bernau