Wird Gut Hitzelsberg zum Spekulationsobjekt?

von Redaktion

Der mögliche Verkauf von Gut Hitzelsberg sorgt in der Chiemsee-Region für Diskussionen. Da der Gemeinde Bernau bei einem Verkauf hohe Steuereinnahmen wegbrechen könnten, ist die Sorge groß, dass das Grundstück zum Spekulationsobjekt wird. Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber wünscht sich, dass der jetzige Eigentümer bleibt.

Bernau – Der Neubau eines interkommunalen Hallenbads ist momentan ein großes Gesprächsthema in der Chiemsee- und AchentalRegion. Noch emotionaler wird jedoch über die Zukunft des Hitzelsbergs hoch über Bernau diskutiert, nachdem die Chiemgau-Zeitung exklusiv über einen möglichen Verkauf des dortigen Guts berichtet hat.

Geringere Einnahmen
bei Steuern drohen

„Ich habe viele Gespräche über das Thema wahrgenommen. Das ist schon das Thema, was die Bernauer am meisten beschäftigt“, sagt Bernaus Bürgermeisterin Ingrid Biebl-Daiber der Chiemgau-Zeitung: „Sogar aus der Verwaltung gab es Rückfragen, ob ein Verkauf wirklich so große Auswirkungen für das Steueraufkommen der Gemeinde haben würde.“

Die Immobilien-Firma Herecon als derzeitiger Besitzer des Guts Hitzelsberg entrichtet dem Vernehmen nach jährlich eine hohe sechsstellige Gewerbesteuer-Summe nahe der Millionengrenze an die Gemeinde. Das sind etwa 20 Prozent der Steuereinnahmen von Bernau. Falls Herecon also verkaufen und ein Privatmann das Immobilien-Filetstück übernehmen würde, hätte das dramatische Folgen für die Touristen-Gemeinde am Chiemsee. Genau dieser Fakt lässt alte Gräben im Ort wieder aufreißen. Denn Herecon erwägt den Verkauf mit ihrem Chef Heiner Englert nur deshalb, weil vor eineinhalb Jahren die Pläne für ein Chaletdorf auf dem Hitzelsberg in einem Bürgerentscheid knapp abgeschmettert wurden. „Anstatt mit einem einheimischen, seriösen Geschäftsmann vernünftig zu bauen, kommen jetzt sicher Spekulanten, die nur absolut gewinnorientiert agieren. Chance vertan“, schreibt ein Online-User auf Chiemgau 24 als Reaktion auf den Bericht, dass das Gut Hitzelsberg zum Verkauf steht. „So ist Deutschland 2026. Alles haben wollen, aber bitte nicht vor der eigenen Haustüre“, lautet ein weiterer Kommentar: „Normal sollten jetzt alle, die das ablehnten, das Dreifache an Grundsteuer und Co. bezahlen, damit die Einnahmen von Bernau stabil bleiben.“

Ganz anders sieht das eine Anhängerin der Bürgerinitiative „Rettet den Hitzelsberg“, die als Gegner des Chaletdorf-Projekts den Bürgerentscheid erst ins Rollen gebracht hatte. „Der Hitzelsberg ist eine landschaftliche und ökologische Besonderheit. Da er über viele Jahrzehnte nicht intensiv genutzt wurde, konnte sich dort eine bemerkenswerte (und selten gewordene) Artenvielfalt an Pflanzen, Insekten, Amphibien, Fledermäusen und Vögeln erhalten. Die geplante Bebauung mit Chalets, Tiefgarage, Straßen und neuer Infrastruktur hätte massiv in diesen Naturraum eingegriffen“, schreibt Petra Kaufmann an die Chiemgau-Zeitung.

Die Belastung von Flora, Fauna und der Anwohner wäre hoch gewesen. „Tourismus ist wichtig. Aber die entscheidende Frage lautet doch: Welche Art von Tourismus und welche Art von Entwicklung wollen wir in Zukunft? Für mich – und bescheinigt durch den Bürgerentscheid auch für viele Bernauer – ist der Erhalt des Hitzelsbergs kein Schaden, sondern ein Gewinn“, so Kaufmann weiter. Es sei eine zeitgemäße Entscheidung und ein Zeichen von Verantwortung gegenüber kommenden Generationen: „Vielleicht ist Herr Englert froh, in Krisenzeiten nicht in ein Projekt dieser Größe investiert zu haben.“

Tatsächlich haben sich die Rahmenbedingungen in der Wirtschaft durch steigende Krisen oder die Iran-Krise weiter verschlechtert. Aber „wirtschaftlich macht der Leerstand von Räumen keinen Sinn“, wie Herecon-Chef Heiner Englert erklärt. Nur als Firmensitz sei das Gut Hitzelsberg mit seinen etwa 2.450 Quadratmetern Nutzfläche und mit einem gigantischen Grundstück von 140.232 Quadratmetern viel zu groß. „Wir wollen deshalb alle Möglichkeiten auf dem Markt testen“, sagt Englert deshalb: „Ein Verkauf würde aber nur dann Sinn machen, wenn ein vernünftiges Angebot hereinkommt.“ Alternativ teste man derzeit, ob man mit „B2B-Events, Ausstellungen und Hausmessen“ Umsätze mit dem Gut Hitzelsberg generieren könne.

Dass genau dieser Versuch zum Erfolg führt, wünscht sich Bernaus Ortschefin. „Mein klarer Wunsch ist, dass Herecon auf dem Hitzelsberg bleibt“, sagt Biebl-Daiber der Chiemgau-Zeitung: „Nicht nur deshalb, weil der Verlust an Gewerbesteuer bitter für Bernau wäre. Sondern auch, weil die Firma ein angenehmer Gewerbebetrieb auf dem Hitzelsberg ist, der keinen Krach macht.“ Zudem habe man mit dem Bernauer Heiner Englert immer vernünftig reden können: „Er hat ein Gefühl für diesen speziellen Ort.“

Bürgermeisterin wünscht
sich Verbleib von Herecon

Die Bürgermeisterin, die die Chaletdorf-Pläne von Herecon einst unterstützt hatte, unterstreicht ausdrücklich, dass sie das Ergebnis des Bürgerentscheids respektiert. Sie wünscht sich aber auch, dass Herecon mit seinen Bemühungen um eine Vermarktung des Guts Hitzelsberg Erfolg hat. „Wenn da B2B-Veranstaltungen oder Messen stattfinden, bringt das dem Ort auch etwas“, so Biebl-Daiber: „Aber wenn das nicht funktioniert, kann auch niemand Heiner Englert und Herecon verbieten, das Gut Hitzelsberg zu verkaufen.“

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