Zukunft des Wendelsteinplatzes im Blick

von Redaktion

Mehr als 100 Bürger sind am Freitag, 19. Juni, der Einladung der Initiative „KomMit“ zum Wendelsteinplatz gefolgt. Bei einer „Langen Tafel“ diskutierten sie mit Bürgermeister und Gemeinderäten über die zukünftige Gestaltung des Priener Zentrums. Der Platz soll dabei nur der Aufhänger für Größeres sein.

Prien – An einem Tag über 30 Grad folgten über 100 Menschen aus Prien der Einladung der Bürgerinitiative KomMit, deren Mitglieder „Die Lange Tafel der Baukultur“ der Bundesstiftung für Baukultur auf den Wendelsteinplatz der Chiemseegemeinde brachten.

Josef Rieder, Architekt in Prien und KomMit-Mitglied, beantragte die Veranstaltung bei der Gemeinde und begrüßte die zahlreichen Interessierten. „Diese Veranstaltung ist für mich kein einmaliges Event, fokussiert auf den Wendelsteinplatz, sondern idealerweise der Auftakt für eine intensivere Zusammenarbeit zwischen unseren Bürgerinnen und Bürgern und der Gemeindepolitik“, eröffnete er seine Rede. Dabei wolle KomMit „ein klares Signal für eine lebendige Beteiligungskultur setzen, bei der Augenhöhe und Vertrauen im Mittelpunkt stehen“. Dies steigere die Identifikation der Menschen mit ihrem Heimatort und führe am Ende zu Projekten, die von einer breiten Mehrheit getragen werden.

Wunsch nach
Veränderung

Aus verschiedenen bayerischen Städten brachten die Organisatoren Beispiele von umgestalteten Ortszentren mit, die bebildert ausgelegt waren. Weiteres Infomaterial über Stadtentwicklung oder die Historie des Wendelsteinplatzes lag ebenfalls aus – sowie das Konzept für Prien aus der Bevölkerung aus den frühen 2010er-Jahren. Aber auch aktiv mitmachen war angesagt: Auf A3-Blättern konnten Visionen für den Wendelsteinplatz bemalt oder beschrieben werden. Auf einem großen Plakat konnten rote Punkte zu Wunschentwicklungen des Wendelsteinplatzes geklebt werden.

Von den 14 Beispielen erhielten die wenigsten Kleber „alles bleibt wie es ist“, Wohnungen und Parkplatz. Besonders beliebt waren Brunnen, Baumschirm, Café/Biergarten, freie Grüngestaltung und verkehrsberuhigte Erschließungsstraße. Die Stimmung war locker. Es wurde auch über viele andere Themen geplaudert. Dazu gab es kühle Getränke und Brotzeit, bereitgestellt von Heiner Pflugfelder von der Bayerischen Architektenkammer.

Neben zahlreichen Mitgliedern des Gemeinderates waren auch Bürgermeister Andreas Friedrich und Mitarbeitende der Gemeinde, darunter Leiter Donat Steindlmüller, bei der Veranstaltung dabei. Alle waren in viele intensive Gespräche eingebunden. Friedrich lobte im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung die Organisation sowie die Veranstaltung. Als wichtigsten Punkt nehme er mit: „Es ist einfach gewünscht, dass hier auf diesem Platz etwas passiert und erkennbar eine Gestaltung angegangen wird.“ Mitinitiator Martin Hirner ist Stadtplaner, Architekt und ebenfalls KomMit-Mitglied. „Ich finde es toll, wie viele Leute sich für das Thema interessieren“, sagt er zufrieden. „Es sind viele, die sagen, es muss sich was ändern, es kann so nicht bleiben.“ Das zeigen die über 100 Menschen, die bei dieser Hitze dabei waren: „Es brennt den Leuten unter den Nägeln.“ Dabei gehe es ihm hauptsächlich darum, „dass eine Auseinandersetzung, ein Dialog über Baukultur in Prien stattfindet. Und Defizite anerkannt werden, die man seit Langem schon beheben hätte können.“ Hirner ist Fördermitglied der durch Bundesmittel finanzierten Bundesstiftung.

In Prien müsse sich aus seiner Sicht ändern, dass ein „städtebauliches Gesamtkonzept für die einzelnen Bereiche mit einem baulichen Defizit entwickelt wird“. Der Wendelsteinplatz würde sich als Pilotprojekt anbieten. „Mit dem könnte man anfangen. Bei einem guten Konzept gibt es Fördergelder der Regierung. Diese Städtebaufördermittel sind sehr hoch.“ Auf diese Förderung hofft auch Bürgermeister Friedrich, im Juli seien Gespräche mit der Städtebauförderung geplant. „Die haben sich tatsächlich bis dato für alternative Gestaltungsformen nicht sehr zugänglich gezeigt“, sagt er. Die Veranstaltung könne aber einen Impuls nach München geben, wenn gesehen werde, dass „aus der Mitte der Bürgerschaft Ideen und Wünsche“ kommen.

Stadtplaner und Gremiumsmitglied Hirner sagt, es gebe keine Ausreden für die Gemeinde bei der Städtebauförderung: „Man muss es nur machen und man muss ein gutes Planungsbüro beauftragen. Dann wird das von der Regierung auch unterstützt und gefördert, dann gibt es auch Gelder.“ Das sei in Prien bisher versäumt worden.

Organisator Rieder sieht die erste Veranstaltung als Auftakt für weitere: „Wir werden jetzt überlegen müssen, was das für uns bedeutet. Und die Gemeinde wird auch überlegen müssen, was das für sie bedeutet. Sie muss sich überlegen, welche Möglichkeiten sie findet, die Bevölkerung in die Planungsüberlegungen mit einzubeziehen.“

Was an diesem Nachmittag auch deutlich wird: Es geht nicht nur um den Wendelsteinplatz, sondern um ein gesamtes Konzept für das Priener Ortszentrum mit Bahnhof, aber auch um den Ort an sich. Der Wendelsteinplatz eigne sich für Riefer auf der einen Seite gut als Aufhänger, gleichzeitig aber auch nicht. Da der Platz viel diskutiert wird, komme man so gut an die Bevölkerung. Gleichzeitig sei diese Aufmerksamkeit eher hinderlich, weil man so vom eigentlichen Thema, der gesamten Ortsgestaltung, eher wegkomme.

Auftakt für ein
Gesamtkonzept

Klar sei der Bürgerinitiative auch, dass die Gemeinde nicht alle Wünsche berücksichtigen kann, aber aus vielen Wünschen könnten gemeinsame Interessen entwickelt werden. Zudem betont Lisa Schurr, Mitgründerin von KomMit: „Lasst uns jetzt nicht die Option ‚Begrünung‘ des Wendelsteinplatzes gegen die Option ‚Veranstaltungen‘ stellen und unterschiedliche Interessen gegeneinander ausspielen.“

Eine schnelle Entscheidung im Gemeinderat bringe den Ort nicht weiter. Schurr: „Lasst uns lieber gemeinsam mit Landschaftsarchitekten herausfinden, wie der Wendelsteinplatz als Auftakt genutzt werden könnte: Für eine weitere wohlüberlegte Gestaltung vom öffentlichen Raum in Prien.“

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