Grassau – Zum 140. Todestag des Märchenkönigs Ludwig II. ging der Heimat- und Geschichtsverein mit Annemarie Kneissl-Metz und Uta Grabmüller der Frage nach, was Grassau mit dem Bayernkönig verbindet. Schließlich ist der Markt eine der wenigen Gemeinden mit einem Ludwig-II.-Denkmal, das als Brunnen vor der Kirche steht. Bemerkenswert ist zudem das Holzkreuz an dessen Rückseite. Es markierte einst die Stelle im Starnberger See, an der der König ums Leben kam.
Bayerns
schönste Bauwerke
„Ein ewig Rätsel will ich bleiben“, so zitierte Uta Grabmüller König Ludwig II., der am 25. August 1845 geboren wurde und am 13. Juni 1886 im Starnberger See ertrank. Ihm verdankt Bayern die schönsten Bauwerke, die heute zum Weltkulturerbe gehören. Annemarie Kneissl-Metz nannte ihn exzentrisch, doch für viele ein Original und Visionär. Wertvolles schaffte er, wie das Schloss Herrenchiemsee, das für die Chiemsee-Region von unschätzbarem Wert ist.
Uta Grabmüller hatte sich Gedanken gemacht, was Grassau dazu bewogen habe, dem König ein Denkmal zu setzen. Seit 115 Jahren steht im Zentrum der Gemeinde der Ludwig-Brunnen mit einer Büste des jungen Königs. Über den Grund konnte Steinmetzmeister Fritz Seibold Auskunft geben. Die Idee hatte die Krieger- und Soldatenkameradschaft, das Denkmal sollte als Kriegerehrenmal an die Gefallenen erinnern. Ein Denkmal des Königs im öffentlichen Raum musste genehmigt werden, drei Entwürfe wurden eingereicht.
„Die Grassauer haben damals alle Auflagen akzeptiert, bestanden jedoch darauf, dass ein heimischer Künstler mit der Ausgestaltung beauftragt wird“, informierte Seibold. So kam sein Großvater Paul Seibold an die Aufgabe. Als Material wurde fränkischer Muschelkalk gewählt, die Büste fertigte der Münchner Bildhauer Köpf an. Zur Herstellung musste Paul Seibold das Werkzeug vorher selbst schmieden. Die Bildhauerarbeiten wie das Löwenrelief und die Ornamentik stammen von ihm.
Im Jahr 1958 wurde eine Restaurierung notwendig, die sein Sohn Fritz Seibold übernahm. Die Tafeln für die gefallenen Soldaten wurden dabei nicht mehr erneuert. In den Jahren 1968 und 1969 folgte der Umbau der Bundesstraße, wobei die Friedhofsmauer abgetragen, der Brunnen abgebaut und der Brunnentrog durch ein Wasserbecken ersetzt wurde. Im Jahr 1961 wurde das Kreuz am Brunnen befestigt. Es handelt sich um das Originalkreuz aus dem Starnberger See. Dr. Franz Zech, Grassauer Arzt und ein Verehrer des Königs, hatte sich seiner angenommen. Zum Standort wusste Seibold noch, dass dort ein lebendiger Marktplatz war und im Jahr 1910 hier Verkaufsstände standen, an denen auch sonntags Waren verkauft wurden. Finanziert wurde der Brunnen aus Spenden, die teils aus dem Achental und dem Chiemgau kamen.
Informativ und
humorvoll
Einen noch tieferen Einblick in die damalige Zeit der Königsverehrung und des Erbauens des Brunnens bot Siegi Götze, der in seiner mitreißenden, informativen und humorvollen Art über den „Kini“ und seine Anhänger referierte. Er bezeichnete den König als Galionsfigur und erklärte, dass der Satz „ein ewig Rätsel will ich bleiben“ aus einem Schriftwechsel mit einer Schauspielerin stammt. Er informierte auch darüber, dass der Bauernmarsch von Herzog Max im Geburtsjahr des Königs 1845 komponiert wurde. In der Kirche wurde der Marsch von der Hochgern-Zithermusik gespielt. Eigentlich hieß der König Otto Ludwig Friedrich, doch sein Großvater setzte Ludwig durch. Überliefert sei Ludwigs Friedensliebe, die bei den Kriegen 1866 und 1870 auf die Probe gestellt wurde.
Zum Bau des Brunnens fügte er an, dass es damals ein Brunnenfest mit Huldigung und Gedenken an die Grassauer Opfer gab. Im Jahr 1959 benötigte der Brunnen eine Sanierung, und Dr. Franz Zech bot an, einen Teil der Kosten zu übernehmen, was jedoch nicht notwendig wurde. Die Feier zur Wiedereröffnung war fulminant mit 5.000 Besuchern, 30 Trachtenvereinen, Festwagen und königlicher Prominenz. Im Zuge der Erweiterung der Bundesstraße musste der Brunnen ab- und wieder aufgebaut werden. Bis zum heutigen Tag sind drei Generationen der Familie Seibold mit dem Brunnen verbunden.
Götze erinnerte auch an die großen Gedenkfeiern zum 100. Todestag 1986 sowie zum 125. Todestag im Jahr 2011 mit vielen Gästen wie den Samern von Schleching. Götze informierte zudem über das Schloss Herrenchiemsee und die Wasserspiele, für deren Restaurierung sich wiederum der Grassauer Dr. Franz Zech vehement eingesetzt hatte. Musikalisch umrahmt wurde der interessante Abend von den Geschwistern Bodenmeier mit zeitgenössischer Zithermusik.
Der König
bleibt ein Rätsel
Es gab viele Informationen über eine Zeit der Königsverehrung, und doch blieb der Märchenkönig, wie er es wollte, ein Rätsel. Bei der Folgeveranstaltung des Heimat- und Geschichtsvereins „Ludwig II. und die Musik“ in der Sawallisch-Villa steht die Liebe des Königs zur Musik im Vordergrund einer szenischen Lesung mit Kammermusik aus dem 19. Jahrhundert.