Unterwössen – Der beliebte Kiosk an der Deutschen Alpensegelflugschule (DASSU) am Windenstart des Flugplatzes – auch bekannt als Fliegeralm – hat nach Jahren in einer baurechtlichen Grauzone ein solides rechtliches Fundament erhalten. Der Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig sein Einvernehmen erteilt, die im Laufe der vielen Jahre vorgenommenen Erweiterungen nachträglich zu genehmigen.
Konzession und
Hochwasserschutz
Die Fliegeralm am Segelflugplatz ist längst eine Institution, sowohl für die Fliegergemeinschaft als auch für einheimische Familien und Ausflugsgäste. Baurechtlich bewegte sich das Objekt im Sondergebiet des Bebauungsplans „Windsee“ jedoch auf dünnem Eis. Erlaubt gewesen wäre laut den Festsetzungen lediglich eine Kiosk-Größe von maximal 4,50 mal 6,50 Metern. Die Realität sieht längst anders aus: Der Kernbau misst mittlerweile 9,15 mal 5,22 Meter, flankiert von einem fünf Meter langen Lagerraum. Nun soll zudem der an der Ost- und Nordseite verlaufende, überdachte Terrassenbereich dauerhaft geschlossen werden, um den Gästen einen witterungsgeschützten Aufenthaltsraum zu bieten. Die Gesamtmaße belaufen sich damit künftig auf 13,17 mal 7,85 Meter.
Wie in der Sitzung deutlich wurde, existiert dieser geschlossene Zustand faktisch bereits seit geraumer Zeit. Gemeinderat Thomas Ager (Wössner Miteinander, WM) merkte an, dass die Terrassenverkleidung „schon vorhanden ist, seit vielen Jahren“, tatsächlich wohl schon seit Jahrzehnten.
Gemeinderat Thomas Ager mahnte an, den Vorgang zügig, aber gründlich abzuwickeln. Nach seiner Kenntnis bestehe derzeit für das Objekt nur eine vorläufige Gaststättenkonzession. Aus eigener Erfahrung wisse er, dass für eine vollwertige Schankkonzession zwingend auch die Stellplatz- und Toilettenfrage im Detail behördlich nachgewiesen werden müsse. „Wir müssen da schauen, dass das schnellstmöglich weitergeht“, forderte Ager mit Blick auf die bisher nur vorläufigen Genehmigungen und die unsichere Situation für den Pächter.
Bauamtsleiterin Schmidt-Hindinger stellte klar, dass das Bauamt nur im Rahmen des gestellten Antrags aktiv sein könne. Sie ergänzte, dass es Vorgespräche mit dem Landratsamt gegeben habe, in denen das Landratsamt der Kiosk-Eigentümerin DASSU einen Weg aufzeichnete, dem Bedarf und den gesetzlichen Vorschriften Genüge zu tun. Den derzeitigen Antrag sehe sie als einen ersten Schritt.
Ein weiterer kritischer Punkt ist die Lage des Kiosks im amtlichen Überschwemmungsgebiet. In solchen Zonen sind bauliche Erweiterungen aufgrund der Wasserverdrängung im Ernstfall extrem restriktiv reglementiert. Schmidt-Hindinger betonte jedoch, dass das Landratsamt im Vorfeld eng in die Planungen eingebunden gewesen sei und das Vorhaben nun als genehmigungsfähig einstufe, um die rechtliche Basis für den Gastro-Betrieb zu schaffen.
Aus den Reihen der Gemeinderäte gab es interfraktionell volle Rückendeckung für den engagierten Pächter. Der Gemeinderat erteilte das erforderliche Einvernehmen und die Befreiungen für die Kiosk-Größe schließlich einstimmig.
Dass Gemeinderat Thomas Ager bei den Interna der Segelflugschule so tief im Thema steckt, ist kein Zufall. Ager war bis Anfang 2021 selbst als geschäftsführender Vorsitzender der DASSU tätig. Er hatte den Verein zuvor erfolgreich durch die andauernde schwierige Zeit der Corona-Pandemie gesteuert. Nachdem es in der damaligen Vorstandschaft jedoch zu unüberbrückbaren Meinungsverschiedenheiten über den strategischen weiteren Weg in den nächsten Lockdown gekommen war (mit Kurzarbeit für die Angestellten der DASSU wollte Ager in der Pandemie einen sicheren Weg gehen), legte er sein Amt vor rund fünf Jahren nieder.
Bekannte Namen in
der Vereinsführung
Namhafte Größen aus dem Landkreis bekleideten bereits das Amt des Vorsitzenden: Von 1979 bis 1991 war es Landrat Leonhard Schmucker, darauf folgte von 1991 bis 2005 Landrat Jakob Strobl. Ihm folgte Landrat Hermann Steinmaßl bis 2014. Von 2014 bis 2017 war Landrat Siegfried Walch der Vorsitzende, auf ihn folgte der Unterwössener Bürgermeister Ludwig Entfellner bis 2023.