Vorzeigeprojekt für Denkmalschutz

von Redaktion

Nach fünf Jahren Sanierung hat der historische Berggasthof Streichen seine Wiedereröffnung gefeiert.Das Millionenprojekt verbindet Denkmalschutz mit moderner Technik und ist ein besonderer Ort derBegegnung und Gastlichkeit im Achental.

Schleching – Es war ein Tag der Freude und Anerkennung: Mit zahlreichen Gästen aus Politik, Kirche, Denkmalpflege und der Region wurde die Wiedereröffnung des historischen Berggasthofs Streichen gefeiert. Alle Festredner waren sich einig: Hier ist weit mehr als ein Gasthof entstanden. Der Streichen ist wieder ein besonderer Ort der Begegnung, der Gastlichkeit und der Heimat.

Fünf Jahre voller Herausforderungen, Rückschläge und großer Erfolge liegen hinter dem Projekt. „Es war eine Achterbahn der Gefühle“, sagte Thomas Wilde, der die Sanierung von Beginn an begleitet hat. Umso größer sei nun die Freude darüber, dass der traditionsreiche Berggasthof wieder mit Leben erfüllt werde.

Historie trifft
auf Nachhaltigkeit

Möglich wurde das Millionenprojekt durch die „Yvonne & Thomas Wilde Familienstiftung“, die „Stiftung Kultur Erbe Bayern“ sowie das Engagement von rund 50 Handwerksbetrieben, Denkmalpflegern, Fachplanern, Förderern und zahlreichen Spendern und dem Verein der „Streichenfreunde“.

Das ehemalige Mesnerhaus, dessen Geschichte bis ins 15. Jahrhundert zurückreicht, stellte die Verantwortlichen vor große denkmalpflegerische Herausforderungen. Fassade, Tragwerk, Dachstuhl sowie historische Gaststuben und Gästezimmer wurden mit großer Sorgfalt restauriert. Der Anbau aus den 1950er-Jahren wich einem modernen Neubau, der sich harmonisch in das Ensemble einfügt.

Dabei verbindet der neue Berggasthof Geschichte und Nachhaltigkeit. Eine vollständig ins Dach integrierte Photovoltaikanlage mit Batteriespeicher, eine Hackschnitzelheizung, Lehmputz, Wandheizung und moderne Lüftungstechnik sorgen künftig für eine klimafreundliche Energieversorgung und ein angenehmes Raumklima.

Der Berggasthof bietet künftig Platz für 90 Gäste in den historischen Stuben, weitere 60 Plätze im Kaser sowie 140 Plätze im Biergarten. Elf Gästezimmer – darunter vier liebevoll restaurierte historische Zimmer im ehemaligen Mesnerhaus – laden künftig Übernachtungsgäste ein. Viel Liebe zum Detail und natürliche Materialien prägen das neue Ambiente. Die moderne Gastronomieküche ersetzt den legendären Holzofen des 2020 verstorbenen Wirts Franz Strohmayer, dessen Schnitzel vielen Gästen bis heute in Erinnerung geblieben sind.

„Seismograf für
das Achental“

Unter den Ehrengästen war auch Bayerns Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, Markus Blume, der gemeinsam mit seiner Frau Aurelia und Tochter Emma nach Schleching gekommen war. Für ihn ist der Streichen ein „Seismograf für das Achental“. Die besondere Verbindung aus beeindruckender Berglandschaft, der Wallfahrtskirche St. Servatius und dem traditionsreichen Gasthof schaffe ein einzigartiges Lebensgefühl.

Blume bezeichnete die Sanierung als Vorzeigeprojekt dafür, wie Denkmalschutz und Zukunftstechnologien erfolgreich zusammenfinden können. Rund 830.000 Euro kamen aus öffentlichen Fördermitteln. Den entscheidenden Anteil hätten jedoch die beiden Stiftungen sowie zahlreiche Förderer und Spender getragen. Dafür dankte er den Beteiligten mit einem herzlichen „Vergelt‘s Gott“.

Wer einmal hier gewesen sei, werde vom „Streichenvirus“ angesteckt, sagte der Minister augenzwinkernd. Mit Freude nahm er außerdem zur Kenntnis, dass künftig gleich zwei traditionsreiche Brauereien am Streichen vertreten sind: Augustiner und die Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan. Noch vor der Wiedereröffnung wurde die Wilde Familienstiftung mit dem Bürgerenergiepreis ausgezeichnet. Vergeben wird dieser von der Regierung von Oberbayern und der Bayernwerk Netz GmbH. Gewürdigt wurde die beispielhafte Verbindung von Denkmalschutz, bürgerschaftlichem Engagement und innovativer Energietechnik.

Eingelöstes
Versprechen

Wie emotional die Geschichte des Projekts ist, schilderte Thomas Wilde. Die Idee sei einst bei einem Gespräch am heimischen Küchentisch entstanden – ausgelöst durch den überraschenden Besuch von Sarah Müllinger. Die Entscheidung habe er nie bereut. Entstanden seien enge Freundschaften und unzählige Geschichten. Auch Schlechings neuer Bürgermeister Thomas Müllinger sprach von einem besonderen Feiertag für die Gemeinde. Sein Dank galt vor allem Anneliese Laute und Hans Strohmayer, den Geschwistern des verstorbenen Wirts Franz Strohmayer. Ihr Wunsch sei stets gewesen, dass der Berggasthof in gute Hände komme und auch künftig ein Ort für alle Menschen bleibe. Dieses Versprechen sei nun eingelöst worden.

Den symbolischen Auftakt des gastronomischen Neubeginns übernahm Dr. Nikolaus Walther, Vorsitzender des Stiftungsrats „Kultur Erbe Bayern“. Mit dem traditionellen Ruf „O’zapft is‘“ schlug er das erste Fass Augustiner an. Zur allgemeinen Heiterkeit floss das Bier anschließend in Krüge der Brauerei Weihenstephan.

Segen, Salven und
ein feierlicher Abschluss

Pfarrer Martin Straßer bezeichnete sich bei der Segnung des Hauses augenzwinkernd als „Nachbarn“. Er dankte dafür, dass die Bauzeit ohne Unfälle verlaufen sei, und bat um Gottes Schutz für Wirtsleute, Mitarbeiter und alle Gäste. Die beiden Edelweiß an der Fassade stünden symbolisch für Kraft und Mut.

Den feierlichen Schlusspunkt setzten die Gebirgsschützen mit zwei Ehrensalven, bevor Staatsminister Blume gemeinsam mit den Verantwortlichen das Eröffnungsband durchschnitt. Wunderbar musikalisch umrahmt wurde die Feier von einem Bläserquintett des Bayerischen Staatsorchesters. Durch das Programm führte Fernsehmoderatorin Sophia Dreyer.

Nach fünf Jahren Bauzeit kehrte genau das zurück, was den Streichen seit Generationen ausmacht: Leben, Begegnung und Gastlichkeit.

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