Ausgezeichnetes Bauprojekt

von Redaktion

Grundschule Schleching saniert und aufgestockt – Baukosten unterschritten

Schleching – Wer Toni Entfellner durch die Grundschule Schleching begleitet, merkt schnell: Für den Architekten ist ein Schulgebäude weit mehr als eine funktionierende Hülle aus Stein, Holz und Glas. Mit sichtbarer Begeisterung erklärt er jedes Detail, erzählt von Materialien, Licht, Raumgefühl und davon, warum Kinder einen Ort brauchen, mit dem sie sich identifizieren können. Seine Leidenschaft steckt an.

Nachhaltig und
identitätsstiftend

Prädikat „Flächensparen“

Anlass der Führung war eine besondere Auszeichnung: Die Bayerische Architektenkammer verlieh dem Projekt der Sanierung und Aufstockung der Grundschule Schleching das Prädikat „Flächensparen“. Im Rahmen der Architektouren 2026 unter dem Motto „KlimaKulturKompetenz“ öffneten rund 200 ausgewählte Gebäude in Bayern ihre Türen. Die Schlechinger Grundschule gehörte zu den Projekten, die beispielhaft zeigen, wie nachhaltiges und identitätsstiftendes Bauen gelingen kann.

Am Anfang stand eine grundlegende Entscheidung: Sollte auf der gemeindeeigenen Wiese neben der Schule neu gebaut oder das bestehende Gebäude aufgestockt werden? Die Entscheidung sei bewusst für das Aufstocken gefallen, erklärt Toni Entfellner. Damit wurde nicht nur wertvolle Fläche gespart – genau dieser Gedanke überzeugte später auch die Jury der Bayerischen Architektenkammer.

Der Weg dorthin war allerdings anspruchsvoll. Der geplante Bewegungsraum im Obergeschoss stellte hohe Anforderungen an den Schallschutz der darunterliegenden Klassenräume. Ebenso musste die Statik des bestehenden Gebäudes überprüft und verstärkt werden. Hinzu kamen umfangreiche Brandschutzmaßnahmen, die unter anderem durch eine Neuorganisation der Garderoben umgesetzt wurden. Der Aufwand hat sich gelohnt: Im Erdgeschoss entstand aus dem ehemaligen Bewegungsraum ein zusätzlicher Klassenraum sowie Platz für das Schulleitungsbüro. Im Keller wurde die neue Fernwärmeanlage installiert.

Zugang ohne
Barrieren

Ein Plattformlift ermöglicht heute auch Kindern mit Behinderung den Zugang zum Obergeschoss. Dort beginnt hinter dem früheren Dachboden der neu geschaffene Gebäudeteil. Großzügige Räume für Tanz und Bewegung, ein Förderraum, Rückzugsmöglichkeiten zum konzentrierten Lernen sowie Bereiche zum Spielen und Arbeiten schaffen eine Lernumgebung, die weit über klassische Klassenzimmer hinausgeht. Für die Offene Ganztagsschule entstand ein heller Aufenthaltsraum mit Küche. Das Mittagessen liefert die Lebenshilfe. Von dort gelangen die Kinder direkt auf die Terrasse und in den Garten.

Besonders auffällig ist die Gestaltung. Fast überall dominieren natürliche Materialien. Möbel aus heimischem Lärchenholz, warme Oberflächen und liebevoll gestaltete Details verleihen dem Gebäude eine ruhige Atmosphäre. Die Holzlamellen zwischen Küche und Aufenthaltsraum bilden sogar die Silhouetten von Geigelstein und Breitenstein nach. Man habe möglichst überall einen Bezug zum Ort herstellen wollen, erklärt Entfellner: „Kinder sollen ihre Umgebung wiedererkennen und eine Verwurzelung spüren.“

Diese Identität entsteht für ihn nicht zufällig, sondern sei das Ergebnis bewusster Planung. Er entferne sich lieber vom Standard und schaffe Räume, in denen sich Kinder und Lehrkräfte wohlfühlen – das sei am Anfang vielleicht aufwendiger, zahle sich aber über viele Jahre aus.

In seinem architektonischen Leitbild formuliert Toni Entfellner drei Grundprinzipien: Jedes Gebäude brauche eine individuelle Lösung, solle sich aus seinem Ort entwickeln, seine Funktion optimal erfüllen und den Menschen dienen, die darin leben oder arbeiten. Gerade bei einer Schule sei das entscheidend. „Kinder verbringen heute durch die Mittagsbetreuung einen großen Teil ihres Tages in der Schule. Sie soll deshalb nicht nur Lernort sein, sondern auch ein Stück Heimat.“ Sein Ziel sei erreicht, wenn Kinder morgens gerne zur Schule kommen und sich viele Jahre später mit Freude an ihre Schulzeit erinnern.

Dass dieses Projekt so erfolgreich umgesetzt werden konnte, lag für Entfellner vor allem an der Zusammenarbeit aller Beteiligten. Gemeinde, Gemeinderat, Schulleitung und Planer hätten von Beginn an offen und konstruktiv zusammengearbeitet. Konrektorin Bärbel Schmalfuß bestätigt das. Sie sei von Anfang an in die Planungen eingebunden gewesen, ihre Wünsche seien – soweit möglich – berücksichtigt worden.

Die Bauzeit dauerte nur ein Jahr – von Sommerferien zu Sommerferien. Währenddessen lief der Unterricht ohne Containerklassenzimmer weiter. Für Schule und Bauunternehmen bedeutete das tägliche Abstimmung, gegenseitige Rücksichtnahme und viel Flexibilität.

Lernort als
kleine Heimat

Bürgermeister Thomas Müllinger dankte bei der Führung allen Beteiligten für ihren Einsatz. Besonders erfreulich sei – neben dem gelungenen Umbau – auch, dass die ursprünglich veranschlagten Baukosten von 3,6 Millionen Euro mit rund 3,3 Millionen Euro sogar unterschritten wurden. Für Toni Entfellner ist das kein Zufall. „Wir haben Bestehendes genutzt und das Geld mit Augenmaß dort investiert, wo es wirklich wichtig ist.“

Am Ende entstand nicht nur ein nachhaltiges Schulgebäude, sondern ein Haus, das den Kindern von Schleching Raum zum Lernen, Spielen und Ankommen gibt. Genau darin sieht der Architekt den eigentlichen Auftrag guter Architektur: „Räume haben Einfluss auf die Lehrer und Schüler, sie sollen sich wohlfühlen.“

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