Gerhard Edfelder ging auf die Anforderungen für Palmenhaus und Glashäuser der Stadt Bad Reichenhall ein. Fotos Dachs
Traunstein – Die Architektour anlässlich des 30-jährigen Bestehens, organisiert vom Treffpunkt Architektur Oberbayern, führte im Jahr 2026 quer durch den Landkreis Traunstein.
„Wie schön, dass trotz der Hitze wieder so viele teilnehmen“, begrüßte Architekt Heiner Pflugfelder die Teilnehmer. Pflugfelder ging auf das reichhaltige Programm ein. Er beschrieb den Treffpunkt Architektur kurz als „den verlängerten Arm der Bayerischen Architektenkammer“, dessen Aufgabe es sei, den „Diskurs über Architektur zu tragen“. Zum Jubiläumsjahr seien 199 Projekte, davon 63 aus Bayern, eingereicht worden. Eine Jury wählte die Preisträger aus, die in einer Leistungsschau am Wochenende einem breiten Publikum präsentiert wurden.
Vom alten Schulhaus
zum modernen Platz
Erste Station war das „Alte Schulhaus“ Grabenstätt-Erlstätt, eine vormalige Volksschule aus dem Jahr 1910. Günther Abel führte durch das Gebäude. In seiner Form sei es ein rares Zeugnis einer ganz kurzen Stilepoche zwischen ausklingendem Jugendstil und Moderne. Auch die Farbgebung, ein spezielles Grün, wurde bei der Sanierung fast vollständig wieder aufgetragen. Nun wird das Gebäude für soziale Einrichtungen und zukünftig als dörflicher Treffpunkt genutzt. Die Kosten der Sanierung beliefen sich auf 5,1 Millionen Euro brutto. „Ende 2022 ist es losgegangen und Ende 2024 waren wir fertig“, so Abel über das Gebäude, das mit dem KlimaKulturKompetenz-Prädikat der Bayerischen Architektenkammer ausgezeichnet worden ist.
Wieder im Bus ging es für die Teilnehmer weiter nach Traunstein, wo Elmar Schwäbisch die Gruppe auf dem Maxplatz begrüßte. Schwäbisch, ehemaliger Stadtplaner, stellte das Projekt vor. Er erinnerte daran, „wie wenig Charme“ dieser „zentrale Platz mit Verteiler-Funktion“ gehabt habe. Die Verringerung der Verkehrsspuren von drei auf eine habe den nötigen Raum geschaffen. So präsentiere sich der Platz deutlich verkehrsberuhigter, grüner, vielfältiger, für eine ansprechende Gestaltung mit einem Lichtkonzept und Wasserspiel, das nicht nur den Kindern auf dem Platz am Wochenende Freude bereite. „Unser Ziel war es, den Platz deutlich für alle Teilnehmer attraktiver zu machen“, betonte er. Die Kosten beliefen sich auf 4,7 Millionen Euro, ausführendes Büro waren die Landschaftsarchitekten Axel Lohrer und Ursula Hochrein.
In Bad Reichenhall besichtigte die Gruppe die neuen Gewächshäuser der Stadt. „Wie oft baut die Stadt schon ein Gewächshaus“, fragte Gerhard Edfelder in die Runde. Er informierte, dass die circa 60 Jahre alten Glashäuser in die Jahre gekommen waren. „Die werden gebraucht“, so Edfelder. Das Palmenhaus sei nötig, um die vielen städtischen Pflanzen im Winter unterzubringen. Die Bewässerung der Pflanzen erfolge über zwei jeweils 50 Kubikmeter fassende Zisternen, so der Leiter, und er informierte, dass die Gärtnerei sich um 35.000 Pflanzen kümmere.
In der Kirche Mariä Geburt in Piding führte Ulrich Farthofer durch das Gebäude. Der ursprüngliche Auftrag im Jahr 2018 umfasste zunächst nur die Sanierung des Dachs. Nach Untersuchungen habe sich der Auftrag aber immer mehr ausgeweitet, weil die Summe der entdeckten Schäden immer größer wurde. Die Kirche sei im Jahr 1760 eingeweiht worden. Drei Jahre lang sei die Kirche für die Gläubigen gesperrt gewesen und erst im Jahr 2025 wieder geöffnet worden. „Alles was möglich war, haben wir erhalten“, erklärte Farthofer und beschrieb, mit welchen baulichen Kniffen gearbeitet wurde.
Gärtnerei
und Kirche
Letztes Ziel war die Einsatzzentrale der Landespolizei in Traunreut. Bauherr war der Freistaat Bayern. Ursula Pfeifer und Ludwig Adlmaier führten durch den Neubau. Das Erdgeschoss sei in monolithischer Bauweise in Sichtleichtbeton ausgebildet, führten sie aus. Während auf dem Dach des Hauptgebäudes eine Photovoltaikanlage (PV-Anlage) installiert sei, wurde das Dach des Nebengebäudes begrünt. Rund 13 Millionen Euro brutto kostete die gesamte Anlage, und die Bauzeit lag zwischen den Jahren 2022 und 2025.