König Ludwig II.: Mehr Schöngeist als Herrscher

von Redaktion

Szenische Lesung in der Villa Sawallisch in Grassau beleuchtet das Verhältnis des Märchenkönigs zur Musik

Grassau – War König Ludwig II., ein Förderer und Gönner von Richard Wagner, der Musik oder mehr der Literatur zugewandt und galt der König vielleicht sogar als unmusikalisch? Dieser Frage ging der Heimat- und Geschichtsverein Achental im zweiten Teil der Veranstaltungsreihe zum 140. Todestag Ludwig II. interessant, abwechslungsreich, informativ und spannend nach. Der Saal in der Villa Sawallisch bot für die szenische Lesung den idealen Rahmen.

Melancholisch,
aber hochanständig

Man sieht ihn in Gedanken vor sich, den schönen, stolzen, jungen König, wie er von Porträts seinen Bewunderer anblickt. Doch was bewegte den jungen Menschen, wo war seine Leidenschaft und wie lebte der junge König?

„Man nennt mich einen Narren. Wird Gott mich ebenso nennen“, so zitierte Uta Grabmüller, die moderierend und informierend durch den Abend führte, den Märchenkönig. Wie es um den König stand, das las Sandra De Crescenzo perfekt, in die Rollen des jeweiligen Autors schlüpfend vor. Zunächst mimte sie den König selbst, ließ das Publikum an dessen Gedanken teilhaben und nach einer kurzen Pause, wurde das Gesagte mit Musik am Flügel, dargeboten von David Nassor untermauert.

Eine gelungene Abwechslung zwischen Lesung aus Briefen und Augenzeugenberichten sowie Büchern, Musik, zum Träumen schön, und nüchterner geschichtlicher Betrachtung wurde geboten.

Ein besonderer Text, der den König trefflich mit all seinen Facetten beschrieb, bleibt im Gedächtnis. Sandra De Crescenzo schlüpfte dabei in die Rolle einer aufgeregten Person, die der Wahrheit auf der Spur zu sein scheint. Doch den Text, den sie zu Gehör brachte, war eine sehr gut gemachte Fälschung eines amerikanischen Journalisten, der behauptete den König interviewt zu haben – was frei erfunden war. Er ließ den König über Edgar Alan Poe sprechen und über beider Leben sinnieren. Kulturwissenschaftler kamen dennoch zum Schluss, dass die Person des Königs in dem Text sehr treffend als melancholische, dennoch hochanständige, aber psychisch verletzte Person beschrieben wurde.

Eintauchen in die
Gefühlswelt des Regenten

Uta Gabmüller informierte zur Sawallisch Villa, einst Heimat des weltbekannten Dirigenten Professor Wolfgang Sawallisch und nun Zuhause der Sawallisch-Stiftung. Die Verehrung von Richard Wagner ist ein verbindendes Element der Personen König Ludwigs und Sawallischs. Während Sawallisch der Musik zugetan war, war es beim König die Dichtkunst Wagners. Über Ludwigs Verhältnis zur Musik gab der Musikwissenschaftler Dr. Robert Münster in seinem Buch „König Ludwig II und die Musik“ Auskunft. Der Wissenschaftler steht auch mit Grassau in Verbindung, war er doch ein Freund des Kulturliebhabers und Förderers Dr. Franz Zech, dem Grassauer Arzt und Verehrer des Bayernkönigs.

Der König, so wusste Uta Grabmüller aus ihrer Recherche, war ein belesener Mann, der vor allem die klassische Literatur und die großen Poeten und Autoren kannte. Beschrieben wurde am Abend auch das erste Treffen des 18-jährigen Ludwigs mit dem viel älteren Komponisten Wagner sowie der Schriftwechsel zur Uraufführung von „Tristan und Isolde“. Wie sehr dieses Stück durchfiel, aber auch wie die Münchner zur Musik-Vorliebe des Königs standen. Parallelen zu dessen Großvater und dessen Beziehung zu Lola Montez kamen ebenfalls zur Sprache. Sandra des Crescenzo gelang es, das Publikum mitzunehmen und durch ihre szenische Lesung tief eintauchen zu lassen in die Gefühlswelt des Regenten, in dessen Psyche aber auch in die Anschauungen anderer Zeitgenossen. Er war eine Freude, ihr zuzuhören.

In Traumwelt des Theaters
fühlte er sich wohl

Wie ein Küchenjunge durch die vielen Zimmer des Königsbaus der Münchner Residenz wanderte, um dem König, der eine Mitternachtsvorstellung des Theaters allein genießen wollte, ein paar Köstlichkeiten zu bringen, wurde eindrucksvoll aus Sicht des Küchenjungen beschrieben.

Man hatte den jungen König vor Augen: wie er sich die Theatervorstellung ansah, einsam und doch so vertraut mit der Bühne. Fast hätte man mit ihm Mitleid bekommen können, mit dem Schöngeist, der eigentlich mehr Baumeister und Literat als Herrscher war, der sich in der Traumwelt des Theaters wesentlich wohler fühlte, als bei seinen Geschäften, bei denen er sich unverstanden und ungeliebt fühlte.

Einen schönen Einblick in die Seele des Monarchen, die Welt um ihn herum und die Welt der Musik des 19. Jahrhunderts gelang dem Heimat- und Geschichtsverein mit dieser besonderen Veranstaltung, die die Gäste mit neuen Eindrücken entließ. Tamara Eder

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