Schleching – Leise Unkenrufe haben die Teilnehmer einer Exkursion des Ökomodells Achental gemeinsam mit Dr. Martin Brunnhuber (MdL) im Gebiet der Wuhrsteinalm erfreut aufhorchen lassen. Während „Unkenrufe“ im Volksmund meist als Sinnbild für schlechte Nachrichten gelten, waren sie hier ein Grund zur Freude: In mehreren kleinen Tümpeln nahe der Uhlalm haben die Besucher die streng geschützte Gelbbauchunke – von der Kaulquappe bis zum Jungtier – entdeckt.
Indiz für
gesunde Natur
Die Gelbbauchunke ist auf flache, sonnige Kleingewässer angewiesen. Vielerorts verschwinden diese Lebensräume durch zugeschüttete Tümpel, intensive Landwirtschaft, Dünger oder Umweltgifte. Im Almgebiet am Geigelstein findet sie dagegen noch geeignete Bedingungen. Ihr Vorkommen zeigt eindrucksvoll, wie wertvoll diese Landschaft für bedrohte Tier- und Pflanzenarten ist.
Doch diese Artenvielfalt ist keineswegs selbstverständlich. Nur die traditionelle Almbewirtschaftung bewahrt die offene Kulturlandschaft. Ohne den Einsatz der Almbauern würden die Almflächen innerhalb weniger Jahrzehnte verbuschen und schließlich wieder zu Wald werden. Damit gingen zahlreiche Lebensräume für seltene Pflanzen und Tiere unwiederbringlich verloren. Das Weidevieh – in den Chiemgauer Alpen überwiegend Jungrinder – hält die Flächen offen und findet dort während der Sommermonate kräuterreiches Futter. Gleichzeitig profitieren Einheimische und Gäste von der abwechslungsreichen Landschaft und den weiten Ausblicken. Voraussetzung für den Erhalt dieser Vielfalt ist eine extensive Beweidung mit angepasstem Viehbesatz sowie der verantwortungsvolle Verzicht auf Dünger und Pflanzenschutzmittel – und damit die verantwortungsvolle Arbeit der Almbauern.
Begonnen hatte die Exkursion im Büro des Ökomodells Achental. Bürgermeister Andreas Scheck gab einen umfassenden Einblick in die bisherigen Projekte und die künftigen Herausforderungen. Brunnhuber zeigte sich beeindruckt vom Ansatz des Ökomodells, Kommunen, Landwirtschaft, Naturschutz und weitere Partner in einem Netzwerk zusammenzubringen. Nur gemeinsam ließen sich Herausforderungen wie die Wasserversorgung, das Jakobskreuzkraut, die Rückkehr des Wolfs oder sinkende Fördermittel bewältigen. Der Abgeordnete betonte seine enge Verbundenheit mit der Region: Neben seiner Arbeit im Bayerischen Landtag sei es ihm wichtig, regelmäßig vor Ort mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Nur so könnten politische Entscheidungen die tatsächlichen Gegebenheiten berücksichtigen.
Erstes Ziel der Exkursion waren die Buckelwiesen in Ettenhausen, die als „Heimweiden der Ettenhausener Au“ bekannt sind. Sie werden von den Haflingern von Flori Stadler beweidet und zählen zu den artenreichsten Wiesen der Region. Viele seltene Pflanzenarten konnten hier dank extensiver Bewirtschaftung erhalten werden. Projektmanagerin Christiane Mayer machte jedoch deutlich, dass heute vielerorts nur noch zehn bis 15 Prozent der ursprünglichen Artenvielfalt vorhanden seien. Um das Bewusstsein für diese wertvollen Lebensräume zu stärken, fand im April die Mitmachaktion „Anpacken auf der Alm“ statt. Dabei halfen auch Familien tatkräftig mit und erhielten einen unmittelbaren Einblick in die Landschaftspflege.
Anschließend führte die Exkursion hinauf zur Wuhrsteinalm am Geigelstein. Dort empfingen Moni und Sepp Loferer die Besucher an ihrer Almhütte und erläuterten die Besonderheiten ihres Almgebiets. Almbauer Sepp Loferer erklärte, dass die nach allen Himmelsrichtungen offene Lage sowie zahlreiche Senken ideale Voraussetzungen für eine außergewöhnliche Artenvielfalt schufen.
Auf Nachfrage Martin Brunnhubers berichtete Loferer auch über die Wasserversorgung der Alm: Mehrere kleinere Quellen sicherten derzeit die Versorgung der Wassertröge. Gleichzeitig bremsten die vielen Buckel der Landschaft bei Starkregen den Wasserabfluss. Dennoch bereite der Klimawandel zunehmend Sorgen – wegen schneearmer Winter fehle Schmelzwasser, die Grundwasserneubildung habe nachgelassen. Gebietsbetreuerin Magdalena Bahr lenkte den Blick auf zahlreiche botanische Besonderheiten der Alm. So gehört etwa der Wundklee zu den charakteristischen Pflanzen dieser extensiv genutzten Bergwiesen und besitzt eine große ökologische Bedeutung.
Im abschließenden Austausch wurde deutlich, wie viel Einsatz erforderlich ist, um diese einzigartige Kulturlandschaft dauerhaft zu erhalten. Brunnhuber würdigte insbesondere die Zusammenarbeit von Almbauern, Naturschutz und ehrenamtlichen Helfern.
Almbauern
sichern Artenvielfalt
Am Ende der Exkursion blieb deshalb mehr als die Freude über den Fund der Gelbbauchunke. Sie wurde zum Symbol dafür, wie eng das Schicksal vieler Tier- und Pflanzenarten mit der Arbeit der Almbauern verbunden ist. Artenvielfalt entsteht nicht von selbst – sie braucht Menschen, die Verantwortung übernehmen, Landschaften pflegen und gemeinsam nach Lösungen suchen.
Die leisen Rufe der Gelbbauchunke erinnern daran, wie wertvoll und zugleich schützenswert diese einzigartige Kulturlandschaft ist.