Gänsehautmomente auf 1.200 Metern

von Redaktion

Berggottesdienst eröffnet Almfestival in Reit im Winkl – Das Duo „harfe.horn“ begeistert

Reit im Winkl – Besondere Stimmungen fernab des Alltags, ein Herunterkommen in der Natur und der heimischen Bergwelt sowie Musik, die berührt und verzaubert: Für diese Momente steht das gerade begonnene Chiemgau Almfestival, wie sich nun auch beim ökumenischen Gottesdienst in der Kirche Sankt Johann im Gebirg auf der Winklmoosalm gezeigt hat. Mit dem Duo „harfe.horn“ hat sich der Gottesdienst zu einem Ganzen gefügt, das in den Besuchern noch lange nachklingen wird. Die Kirche Sankt Johann im Gebirg steht auf dem Rücken eines kleinen Bichls auf der Winklmoosalm auf rund 1.200 Metern. Die „Talstation Gottes“ – so nannte Kardinal Döpfner die Kirche 1966 bei der Einweihung – ist ein moderner Bau mit viel Holz, einer vollständig verglasten Stirnwand und einem Innenhof, der bei weit geöffneten Toren in den Gottesdienst einbezogen ist.

Zum Berggottesdienst herrschte ein wunderbarer, allerdings sehr heißer Sommertag auf der Winklmoosalm. Über den Bichl strich eine leichte Brise, sodass die Wärme deutlich besser zu ertragen war als in der drückenden Hitze im Tal.

Der Pastoralreferent Georg Gruber griff nach dem Glockenseil und brachte mit kraftvollen Armzügen die Kirchenglocke in Schwung. Immer mehr Leute versammelten sich bei der Kirche im trauten Miteinander mit dem Almvieh, das in großer Zahl den Ort mit seiner ständigen Brise schätzt. Kurz darauf blies Musiker Sebastian Krause neben der Kirche das Alphorn. Ein erster Gänsehautmoment war es, als dessen Ruf durch die Bergwelt schallte. Im Gotteshaus und im Innenhof der Kirche versammelten sich rund 50 Besucher.

Bevor die Seelsorger das Wort ergriffen, stimmten Johann Niedermaier an der Harfe und Sebastian Krause am Horn die Besucher mit dem Nocturno des zeitgenössischen Komponisten Steffen Burkhardt ein.

Das Duo „harfe.horn“ ist im Chiemgau bekannt. Niedermaier, ausgebildet an der Universität Mozarteum Salzburg, und Krause, Absolvent der Hochschule für Musik und Theater München, sind beide in der Region verwurzelt. Ihr gemeinsames Programm an diesem Vormittag bot einen durchdachten Bogen: vom Largo aus Dvoráks neunter Sinfonie „Aus der neuen Welt“ über das Ave Maria Schuberts und die feinsinnigen „Chants d’Arrière-Saison“ des französischen Harfenisten und Komponisten Bernard Andrès bis hin zu Paul Dukas‘ Villanelle, dem technisch anspruchsvollsten Stück des Vormittags, bei dem Sebastian Krause am Ende alles zeigte, was das Horn an Virtuosität zu bieten hat. Besonders der Gesang des schwarzen Schwans von Heitor Villa-Lobos, „O Canto do cisne negro“, berührte die Zuhörer zutiefst. flf

Artikel 1 von 11