„Gelungener Neustart“

von Redaktion

Überseer Bürgermeister Herbert Strauch lobt das Comeback des Chiemsee-Reggae-Summers

Übersee – Es war bis zu 36 Grad heiß. Deshalb war für die 10.000 Fans beim Comeback des Chiemsee-Reggae-Summer neben cooler Musik vor allem der Sprung in das kühlende Wasser der Tiroler Achen der Höhepunkt. Auch wenn mit Capleton ein Headliner kurzfristig abgesagt hatte, gab es vergleichsweise wenige Beschwerden von den Zuschauern. In einem TV-Video mokierten sich zwei Festival-Gäste über den saftigen Ticket-Preis von 214 Euro für drei Tage inklusive Camping. Andere merkten an, dass die Toiletten auf dem Gelände beim Almfischer öfter hätten geleert werden können.

„Die Stimmung
war gut im Ort“

Mehr Frust wurde nach dem Mega-Event – zumindest öffentlich – nicht geäußert. Auch Übersees Bürgermeister Herbert Strauch kam anlässlich das Comebacks des Festivals nach neun Jahren Pause keine Kritik zu Ohren. „Es wurde ja sogar eine Anwohner-Hotline eingerichtet – aber mir sind keine Beschwerden bekannt“, erklärte der Ortschef im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung: „Die Stimmung war gut im Ort und das Sommer-Wetter hat sein Übriges getan.“

Kein Vergleich also zum Frust in der Endphase des Vorgänger-Events. „Was wir da erlebt haben, war brutal für den Ort, teils unerträglich und für Übersee nicht verkraftbar. Die Lautstärke war eine Katastrophe“, erinnerte der damalige Gemeinderat Anton Stefanutti Anfang 2025: „Es gab damals ständig Verkehrschaos, reihenweise Beschwerden über den Lärm und es wurden Tonnen von Müll von Sofas bis Zelten zurückgelassen.“

2017 war das, als das inzwischen europaweit bekannte Event im wahrsten Sinne des Wortes mit einem Donnerhall explodierte. Ein gewaltiges Unwetter sorgte für den Abbruch des Konzerts von „The Offspring“. Das aus dem Eintages-Event von 1995 inzwischen massiv gewachsene Festival mit Zehntausenden Zuschauern wurde abgebrochen und pausierte neun Jahre. Nun also der Neuanfang mit dem Chiemsee-Reggae-Summer, mit einem Sohn von Bob Marley als einer von vielen Höhepunkten. Gegen den allgemeinen Festival-Trend, kleiner und gemütlicher mit einer auf 10.000 Fans begrenzten Zuschauerzahl ab 18. Zumindest nach Beobachtung von Herbert Strauch hat das neue Konzept perfekt funktioniert. „Die meisten Zuschauer waren zwischen 30 und 50, sehr diszipliniert, viele waren mit dem Wohnmobil da“, so Strauch: „Müll war überhaupt kein Thema, auch weil sehr viele Mülltonnen aufgestellt waren. Wenn man am Montag noch nicht die Fahrspuren der Wohnmobile gesehen hätte, hätte man nicht gewusst, dass hier gerade ein Festival stattgefunden hat.“

Zweimal täglich habe es Abstimmungen mit dem Veranstalter gegeben, aber größere Probleme seien ausgeblieben. Bereits Montagmittag nach dem Festival wurden die Flächen am Almfischer laut Strauch wieder sauber übergeben. Übersees Einwohner hätten finanziell vor allem durch die große Zahl an Übernachtungs-Buchungen von Festival-Gästen im Ort profitiert. „Die Gastgeber hatten den Mehrwert, der Ort hat genau wie bei den Wohnmobil-Übernachtungen durch den Kurbeitrag profitiert“, so Strauch. Das Gesamtfazit aus Sicht der Gemeinde Übersee ist also positiv.

„Der Neustart ist gelungen. Der Chiemsee Reggae Summer kann unter diesen Rahmenbedingungen jederzeit gern wieder stattfinden“, so Strauch gegenüber der Chiemgau-Zeitung. Dass es eine Neuauflage gibt, ist nämlich keinesfalls klar. Als der Gemeinderat im Januar 2025 mit 17:2 Stimmen für das neue Konzept mit höchstens 10.000 Zuschauern stimmte, gab es nämlich eine Einschränkung.

Damals hieß es, dass für die Durchführung des Festivals von 2027 bis 2030 jeweils eine jährliche Zustimmung des Rats erforderlich sei. An die Details konnte sich Strauch im Gespräch nicht hundertprozentig erinnern. „Wir haben generell fünf Jahre zugesichert, wenn das Konzept funktioniert. Dazu braucht es jedes Jahr einen speziellen Genehmigungsbescheid.“ Ob den auch die Verwaltung ausstellen kann – und nicht eine erneute Gemeinderats-Abstimmung nötig ist –, soll zeitnah geklärt werden.

Gemeinde sendet
positive Signale

Aber will Veranstalter Martin Altmann das überhaupt? Laut BR24 will sich der Event-Organisator mit seinem Team zusammensetzen und erst dann entscheiden, ob es auch 2027 einen Chiemsee-Reggae-Summer geben wird. Dabei spielt sicher auch die finale Finanz-Abrechnung eine Rolle. Die Türen der Gemeinde Übersee für eine Wiederholung in einem Jahr sind laut Strauch weit offen: „Das Festival kann gern wieder ungefähr zur gleichen Zeit stattfinden.“

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