Kleinwindanlagen lohnen sich in Grassau nicht

von Redaktion

Eine zweijährige Windmessung in Grassau hat ernüchternde Ergebnisse geliefert. Wie der Agenda-Arbeitskreis Erneuerbare Energien dem Marktgemeinderat präsentierte, lohnen sich Kleinwindanlagen im Gemeindegebiet wirtschaftlich nicht. Selbst an Standorten mit guten Bedingungen reiche die Windgeschwindigkeit für einen rentablen Betrieb nicht aus.

Grassau – Windanlagen, zumindest solche, die antragsfrei aufgestellt werden können, rentieren sich in Grassau nicht. Sebastian Noichl und Horst Pölloth vom Agenda-Arbeitskreis Erneuerbare Energien haben dem Marktgemeinderat kürzlich die Ergebnisse der Windmessung vorgestellt.

Bereits 2023 beschäftigte sich der Agenda-Arbeitskreis mit der Frage, wie die Gemeinde energieautark werden kann, und bot im Zuge dieser Analyse eine Windmessung an, um zu eruieren, ob Kleinwindanlagen wirtschaftlich betrieben werden können.

Windmessungen
an fünf Standorten

Bürgermeister Stefan Kattari erinnerte daran, dass der Marktgemeinderat der Anschaffung von fünf Windmessanlagen zugestimmt habe, die der Agenda-Arbeitskreis aufgestellt hat. Nun wurden die Messungen nun ausgewertet. Laut Horst Pölloth wurden die Messanlagen an fünf Plätzen installiert, die das gesamte Gemeindegebiet abdecken. Sie lieferten Daten aus der Gänsbachstraße, dem Kirchenweg, dem Fünfeichenweg, vom Katekdach und vom Sportplatzgelände. Besonders das Windrad am Sportplatz hatte ideale Bedingungen, da der Messpunkt dort auf einem Lichtmast in über 15 Metern Höhe montiert war.

Anhand von vielen Folien und Daten unterbreitete Pölloth das Ergebnis: Die Windmenge und -häufigkeit, die notwendig sind, um ein kleines Windrad zu betreiben, stehen im Grassauer Tal nicht zur Verfügung. Selbst am idealen Punkt am Sportplatz liege die Windgeschwindigkeit bei 2,8 Metern pro Sekunde, also weit entfernt von den notwendigen 3,5 Metern pro Sekunde.

Im Beobachtungszeitraum – es wurde zwei Jahre lang gemessen – war im Winter kaum Wind messbar. Maximal an 40 Stunden pro Monat könne Strom gewonnen werden. Windböen leisten dabei nur einen kleinen Beitrag. „Wind wäre eine günstige Ergänzung für die Zeit gewesen, in der die Sonne nicht scheint. Leider nicht bei uns“, bedauerte Pölloth. Bei einem angenommenen Strompreis von 25 Cent rechnet sich die Investition in ein Windrad nicht. „Den Wind fühlen wir nur als stark“, ergänzte er.

„Der Achental-Wind ist
nur ein Bauchgefühl“

Diese Messungen und Ergebnisse gelten nur für Kleinwindanlagen. In 100 Metern Höhe könnte der Wind zwar anders sein, aber, so sind sich beide Agenda-Mitstreiter sicher, auch nicht berauschend. „Der Achental-Wind ist nur ein Bauchgefühl“, bedauerte Noichl, der sich zugleich für die Unterstützung beim Aufstellen der Messanlagen bedankte.

Das Ergebnis sei ernüchternd, so Bürgermeister Stefan Kattari. Es mache zwar einen Unterschied, in welchen Luftschichten gemessen werde, doch bis 25 Meter wehen keine anderen Winde.

Tom Hagl (Christlich-Soziale Union, CSU) erkundigte sich, was nun mit den Messanlagen passiere. Diese seien Wetterstationen und im Besitz der Gemeinde. Eventuell könnten andere Gemeinden diese Messanlagen gebrauchen, um ihnen ein zweites Leben einzuhauchen.

Ein Energiemix aus Sonne und Wind hätte Tom Göls (CSU) gefallen. Er fragte, ob in Richtung Wasserkraft etwas geplant sei. Hierzu ergänzte Kattari, dass ein Flusswasserwerk beim Ökomodell Achental angeregt worden sei, der Verein dies jedoch nicht verfolgen wolle. Er sehe es als Aufgabe an, an dieser Energiegewinnungsmöglichkeit dranzubleiben. Geprüft werde noch, ob eine Turbine zur Stromgewinnung in die Trinkwasserleitung eingebaut werden könne.

Wasserkraft als
alternative Option?

An das Aufschlagwasserprojekt Klaushäusl erinnerte sich Josef Grießenböck und fragte, ob es hier Ergebnisse gebe.

Auch dies konnte Kattari beantworten: Eine Prüfung habe ergeben, dass es nicht möglich sei, ein Wasserkraftwerk einzubauen. Dem Grießenbach würde dafür so viel Wasser entnommen, dass dies ökologische Auswirkungen gehabt hätte. Dies war, so Kattari, das ausschlaggebende Argument. Zudem habe der Forst erklärt, dass die Leitung mindestens einen Meter Überdeckung benötigen würde. „Dann wären wir bereits im Felsen und im unrentablen Bereich“, so der Rathauschef.

Respekt und Anerkennung zollten die Räte, allen voran Richard Schreiner und Bürgermeister Kattari, dem ehrenamtlich tätigen Arbeitskreis.

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