Krisentreffen nach Feuern im Chiemgau

von Redaktion

Erst der Brand am Saurüsselkopf bei Ruhpolding, jetzt der Moorbrand zwischen Übersee und Bernau: Im Chiemgau wächst angesichts zunehmender Trockenheit die Sorge vor weiteren Feuern. Die Bürgermeister fordern derweil finanzielle Unterstützung und Notfallkonzepte. In dieser Woche beraten sich die Rathauschefs bei einem Krisentreffen.

Übersee – Der neueste (Moor-)Brand zwischen Übersee und Bernau wurde zwar gerade gelöscht, aber Herbert Strauch bereitet sich nervlich schon auf die nächste Katastrophe vor. „Verhindern können wir es nicht. Wir können die Wälder ja nicht beregnen“, sagt Übersees Bürgermeister im OVB-Gespräch lakonisch.

Anfang Mai hat es am Saurüsselkopf bei Ruhpolding noch einen deutlich schlimmeren Brand samt Ausrufung des Katastrophenfalls gegeben. Trockenheit und immer größere Hitze sorgen dafür, dass im Chiemgau im wahrsten Sinne des Wortes Alarmstufe Rot herrscht.

„Mehr Brände,
größere Brandflächen“

„Wir müssen uns darauf einstellen, dass es in Zukunft mehr Waldbrände geben wird“, sagt auch Anton Ernst. Als Forstrevierleiter im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Traunstein wacht er über die Wälder in den Chiemgauer Alpen – von Bergen über Grassau, Marquartstein, Reit im Winkl, Ruhpolding, Schleching, Staudach-Egerndach bis Übersee und Unterwössen.

Die durch den Klimawandel verursachten Wetterextreme nehmen zu. „Aufgrund der Dürreperioden rechnen wir in Zukunft mit mehr Bränden und größeren Brandflächen“, sagt Ernst. Das sei keine Panikmache, sondern die Erfahrung der letzten Jahre. „Wir spüren es schon – mit zwei bis drei Waldbränden pro Jahr.“

Der jüngste Brand in Anton Ernsts Revier zerstörte im Mai mehr als 160 Hektar Bergwald am Saurüsselkopf in Ruhpolding. Vom Klimawandel sind auch die Moorflächen nicht verschont. Steigende Temperaturen und sinkende Niederschläge führen zu Wassermangel in den Moorflächen. Kommt dann noch der Mensch dazu, wird es brenzlig. Im vergangenen Jahr brannten etwa 0,3 Hektar Moorwald zwischen Rottau und Bernau direkt an der Straße – verursacht durch eine achtlos weggeworfene Zigarette. Aktuell folgte ganz in der Nähe der Moorbrand im Damberger Filz zwischen Bernau und Übersee.

Kommunen stehen
nach Bränden alleine da

Den Gemeinden in der Region macht das immer mehr Sorgen. „Erst mal benötigt jede Gemeinde ein Notfall-Konzept für Brände. So, wie es das zum Beispiel für Stromausfälle gibt“, fordert Strauch. Bernaus Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber berichtet, dass es das in ihrer Gemeinde bereits gibt. „Blackout-Konzept“ im Hausjargon, offiziell-bürokratisch „Konzept für koordinierungsbedürftige Ereignisse“ genannt. Darin wird bei Notlagen wie Hochwasser oder Bränden genau festgelegt, wer wann was zu tun hat. Innerhalb kürzester Zeit wird eine örtliche Krisenzentrale aufgebaut, in der alles entschieden wird.

Diese Hausaufgabe sollte jede Gemeinde der Region erledigen. „Man muss das Thema aber auch größer als in der Gemeinde denken – also im Landkreis und Freistaat. Es gibt auch andernorts Brände in Bayern und es muss dafür gesorgt werden, dass die Kommunen danach nicht allein dastehen“, fordert Strauch.

Konkret wünschen sich die Gemeinden, dass der Freistaat Bayern einen Unterstützungs-Finanzfonds für die Folgen von Brandkatastrophen einrichtet. „Die Gesetzeslage sagt bisher: Bei Waldbränden ist die Gemeinde zuständig, und nur im Katastrophenfall der Landkreis“, bestätigt Traunsteins Landrat Andreas Danzer. Beim Brand am Saurüsselkopf wurde glücklicherweise für die Gemeinde Ruhpolding der Katastrophenfall ausgerufen. „Wir wären als Gemeinde ansonsten mit diesem Brand komplett überfordert gewesen. Weder finanziell noch personell wäre das leistbar gewesen“, erklärte Ruhpoldings Bürgermeister Justus Pfeifer. Dass der Landkreis den Katastrophenfall bei einem „gewöhnlichen“ Waldbrand überhaupt ausrufen konnte, lag vor allem daran, dass das Feuer im Trinkwasserschutzgebiet Laubau ausbrach.

Wunsch: ein Geldtopf vom
Freistaat für Brandkosten

Im Gegensatz dazu wurde beim Moorbrand zwischen Übersee und Bernau der Katastrophenfall nicht ausgerufen. Zum Glück halten sich die Schäden und anfallenden Kosten auch wegen des schnellen Einsatzes der Freiwilligen Feuerwehren in Grenzen. Im schlimmsten Fall könnte ein Waldbrand die Kommunen aber an den Rand des Ruins bringen. Deshalb fordert auch Bernaus Bürgermeisterin einen Geldtopf vom Freistaat für Brandkosten. „Viele Aufgaben wurden auf dem Buckel der Gemeinden abgeladen – wie etwa die Kinder-Ganztagsbetreuung. Es wäre deshalb super, wenn deshalb ein Fonds für Brandschäden zur Verfügung stehen würde“, sagt sie. Auch das Thema Feuerwehr werde weitgehend allein von den Gemeinden gestemmt. Für den aktuellen Ausbau des Feuerwehrhauses in Bernau gab es zum Beispiel nur einen Zuschuss vom Freistaat von gut 200.000 Euro bei Kosten von über zwei Millionen.

„Für all diese Themen müssen neue Lösungen gefunden werden“, sagt Strauch. Deshalb gibt es nach OVB-Informationen in dieser Woche ein Brand-Krisentreffen der Bürgermeister des Landkreises Traunstein zu diesem Thema.

Gemeinden droht
schlimmstenfalls der Ruin

Die Zeit drängt: Laut der Waldbrandstatistik des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft gab es 2025 mehr als doppelt so viele Waldbrände wie im Vorjahr. 1.175 Brände vernichteten rund 2.626 Hektar Waldfläche. Die verbrannte Fläche liegt um ein Vielfaches über dem langjährigen Mittel von 1991 bis 2024 von 844 Hektar. 27 Prozent aller Waldbrände entstehen aus Fahrlässigkeit, rund 46 Prozent aus ungeklärten Ursachen. Knapp jeder fünfte Waldbrand wurde vermutlich vorsätzlich gelegt.

„Auch das Thema Bewusstseinsschärfung bei den Menschen müssen wir verstärkt angehen“, sagt Biebl-Daiber. „Es muss nicht immer eine Zigarettenkippe sein, die einen Brand verursacht. Es kann auch nur eine Glasscherbe sein, die eine Katastrophe auslöst.“

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