Inklusion zum Anfassen

von Redaktion

Feierlich enthüllt: Neues Bronzemodell macht die Herreninsel erfühlbar

Herrenchiemsee – Die Herreninsel kann man seit dem ersten Juli-Wochenende auf eine ganz neue Weise kennenlernen: Das Bronze-Tastmodell der Herreninsel des nordrhein-westfälischen Künstlers Felix Broerker macht es möglich. Dank großzügiger Spenden sowie auf Initiative und Betreiben des Lions-Clubs Chiemsee-Westufer können nunmehr alle Besucher die Herreninsel, ihre Umrisse, ihre Ausmaße, die Wälder, Parkanlagen, Schlösser und Nebengebäude ertasten und erfühlen. Es sei ein Kunstwerk, dessen Grundgedanke dem Leitspruch der Lions entspreche: „We serve“, wie Bertrand Koller, Präsident des Lions-Clubs Chiemsee-Westufer, in seinem Willkommensgruß betonte. „Eine Gemeinschaft ist nur dann stark, wenn sie keinen zurücklässt.“ Das Bronze-Tastmodell sei von vielen Unterstützern getragen worden, dankte Koller.

Zahlreiche Gäste bei der
feierlichen Enthüllung

Viele wohnten der feierlichen Enthüllung bei: Mitglieder des Lions-Clubs Chiemsee-Westufer und befreundeter Clubs aus nah und fern – sogar Vertreter des Lions-Clubs aus Valdagno wohnten der Enthüllung des Modells bei –, Mitglieder der Vereinigung der Freunde von Herrenchiemsee, der VR Bank Rosenheim-Bad Aibling, der Chiemseeschifffahrt Ludwig Fessler KG und viele weitere private Spender. Neben Eduard Huber, dem stellvertretenden Landrat des Landkreises Rosenheim, Georg Klampfleuthner, dem Bürgermeister von Chiemsee, und Rosi Hell, der Dritten Bürgermeisterin von Prien, waren auch Konstantin Huber, Leiter der Schloss- und Gartenverwaltung Herrenchiemsee, und Gabriele Ehberger, Leiterin der Gärtenbaudirektion der Bayerischen Schlösserverwaltung, zugegen. Ihr dankte Koller insbesondere für die Anregungen bei der Ausgestaltung des Vormodells.

Ehberger wiederum bezeichnete es als Ehre und bedankte sich für „das Geschenk“ des Bronze-Tastmodells, das zum Tast-Spaziergang über die Insel einlade. Es stelle „Geschichte in komplexer Form“ dar, sei ein Kunstwerk und zugleich wegen seines Materials ein Symbol für Wertbeständigkeit. Fritz von Daumiller, Vorsitzender der Vereinigung der Freunde von Herrenchiemsee, blickte ebenfalls auf die Geschichte zurück. Die Herreninsel sei eine Klosterinsel (nachweislich seit über 1.200 Jahren), eine Königsinsel (das Schloss Herrenchiemsee ist Unesco-Weltkulturerbe) und eine Verfassungsinsel (1948 wurden im alten Schloss die Grundlagen für das Grundgesetz festgelegt).

Von Daumiller dankte und gratulierte allen Mitwirkenden und Beschenkten zu dem Geschenk. Dessen aufwendigen Entstehungsprozess schilderte der Künstler Felix Broerker: Aus einem Styrodur-Modell entsteht mittels eines speziellen Wachsausschmelzverfahrens schließlich das Kunstwerk. Sein Dank gelte allen Beteiligten für die gute Zusammenarbeit, sagte Broerker. Das Bronze-Kunstwerk bekomme eine goldene Patina, versprach er, je mehr Besucher das Modell ertasteten.

Zementwerk
lieferte Stein

Das Bronzemodell der Herreninsel ruht nun vor dem Besucherinformationszentrum – auf einem Stein, der aus der Region stammt. Das Zementwerk Rohrdorf lieferte den steinernen Sockel, und die Firma Natursteine Scholz aus Frasdorf wirkte bei der „Befestigung“ mit. Gelungen war auch die Choreografie, denn erst nach der Enthüllung kamen die eigentlichen Beschenkten zu Wort, auch wenn sie schon im Willkommensgruß von Koller willkommen geheißen worden waren.

Franz Kamhuber, Vorsitzender der Bezirksgruppe Oberbayern-Rosenheim des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes, Hans Loy, Vorsitzender des Arbeitskreises Inklusion in Stadt und Landkreis Rosenheim (AK), Christine Mayer, Beauftragte der Stadt Rosenheim für die Belange von Menschen mit Behinderung und Zweite Vorsitzende des AK, und Josef Maurer, Behindertenbeauftragter aus Nußdorf, zeigten sich sehr angetan und ertasteten die Schönheit der Insel Zentimeter für Zentimeter.

Hans Loy nannte das Bronzemodell ein Geschenk und betonte, dies sei echte Inklusion. Nun könne wirklich jeder, ob klein oder groß, ob gesund oder körperlich eingeschränkt, die Herreninsel buchstäblich „begreifen“ und „erfassen“.

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