Gedenktafel für Widerstandskämpfer

von Redaktion

Mit einer neuen Gedenktafel hat die Stadt Traunstein an den Widerstandskämpfer und ehemaligen Stadtrat Johann „Hans“ Dierl erinnert. Nach jahrelanger Haft im Nationalsozialismus setzte sich der Geehrte unermüdlich für seine Mitmenschen und den Sport ein.

Traunstein – An einen verdienten Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, Stadtrat, Sportförderer und Träger der Ehrenmedaille hat die Stadt Traunstein mit einer neuen Gedenktafel erinnert: Johann „Hans“ Dierl. Bereits seit 1992 trägt die Hans-Dierl-Turnhalle an der Franz-von-Kohlbrenner-Mittelschule seinen Namen. Auf Initiative des Historikers und Ehrenmedaillenträgers Friedbert Mühldorfer ist in der Turnhalle nun ergänzend eine Gedenktafel zur Erinnerung an Hans Dierl angebracht worden. Sie soll dessen Einsatz für die Demokratie und den Sport in Traunstein ins Bewusstsein rufen.

Neun Jahre
im Konzentrationslager

„Hans Dierl ist ein Vorbild für uns alle, sein Lebenswerk mahnt und ermutigt zugleich“, sagte Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer bei der Enthüllung vor geladenen Gästen, darunter auch Familienangehörige Dierls. Hans Dierl wurde 1913 an der Wegscheid geboren. Nach einem sehr bewegten Leben starb er 1990 in Traunstein. Schon als Jugendlicher engagierte er sich gegen den aufkommenden Nationalsozialismus. Mit 19 Jahren wurde der gelernte Konditor und Kommunist kurz nach der Machtergreifung 1933 festgenommen. Mehr als neun Jahre war er in Gefängnissen und in den Konzentrationslagern Dachau, Mauthausen und Lublin-Majdanek eingesperrt. Im Anschluss wurde er zur Wehrmacht eingezogen, konnte aber im Frühjahr 1945 mit einigen Kameraden zu den Alliierten überlaufen. „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Dieser Leitsatz des Grundgesetzes „ist für meinen Opa zum Leitmotiv für sein Leben geworden“, schilderte Dierls Enkel Bernhard Müller-Schnepf seine Erinnerungen an den posthum Geehrten. Wie er erklärte, habe auch die Familie nur wenig über die in der Haft erlittenen Qualen erfahren. „Gerettet haben ihn sein Glaube und seine innere Kraft“, betonte Dierls Enkel. Nach der Rückkehr zur Familie war für Dierl auch das Engagement in der Politik ein Herzensanliegen. Nach dem Verbot der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) engagierte er sich für die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) von 1952 bis 1956 und von 1969 bis 1990, also ein Vierteljahrhundert, im Traunsteiner Stadtrat. Besondere Verdienste erwarb sich Dierl um die Förderung des Breitensports, wofür ihm auch seine Tätigkeit als Vizepräsident des Bayerischen Landessportverbands (BLSV) und als Vorsitzender des BLSV-Kreisverbands zugutekam. So war er nicht zuletzt auch eine der treibenden Kräfte, die sich 1972 für den Olympia-Fackellauf durch die Region stark gemacht hatten – konkret für den Streckenabschnitt von Freilassing bis Bernau. Besondere Verdienste erwarb sich Dierl nicht zuletzt als Initiator und Mitbegründer des Stadtverbands für Leibesübungen (heute: Stadtverband der Sportvereine), dessen Erster Vorsitzender er 25 Jahre lang war. Bernhard Müller-Schnepf erinnerte an die Vorbildwirkung seines Großvaters, der aktuelle Entscheidungen der Europäischen Union (EU) zu Abschiebezentren für Flüchtlinge sicher nicht unkommentiert gelassen hätte.

Einsatz für
Politik und Breitensport

„Hans Dierl war ein Jahrzehnt seines Lebens inhaftiert, nur weil er auf der richtigen Seite der Geschichte stand“, mahnte Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer. Der Rathauschef erklärte, die Gedenktafel solle nicht nur an die Vergangenheit erinnern, sondern auch als Mahnmal für künftige Generationen dienen. „Wir dürfen nicht schweigen, wir dürfen nicht wegschauen. Wir müssen uns klar und deutlich positionieren. Denn wir sind wesentlich mehr“, sagte Christian Hümmer.

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